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03. Juni 2020

„Unsere Studierenden müssen sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen“

Neuberufung: Seit Beginn des Sommersemesters ist Prof. Dr.-Ing. Matthias Kunick Professor für Energiesystemtechnik an der HSZG. Eine Rückkehr und ein Neuanfang.


Prof. Dr.-Ing. Matthias Kunick
Foto: Sven Müller, Bearbeitung: Sophie Herwig Matthias Kunick konnte sich vorstellen für immer in den USA zu bleiben. Seit März ist er zurück an der HSZG.

„Wie der Rektor“, sagt Prof. Dr.-Ing. Matthias Kunick und lacht, „bin ich ein Gewächs der Hochschule Zittau/Görlitz.“ Im Jahr 2001 schrieb Kunick sich als Student für Maschinenbau ein und studierte in der Fachrichtung Konstruktion. Aus dieser Zeit erzählt er eine Anekdote: „Ich hatte einen Kommilitonen mit Finanznöten in der Übung zur Thermodynamik neben mir sitzen. Er fragte den Professor, ob dieser nicht eine studentische Hilfskraft bräuchte, damit er sich  etwas dazuverdienen könnte. Projekte gebe es immer, sagte der Professor und fragte, ob ich auch Interesse hätte.“ Kunick willigte aus reiner Höflichkeit ein, um den Professor nicht vor den Kopf zu stoßen. Sein Kommilitone stieg bald darauf wieder aus dem Projekt aus. Aber Kunick blieb. Und das war gut so. „Ich habe später als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Technische Thermodynamik bei Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. Hans-Joachim Kretzschmar gearbeitet und auch in Zeiten, in denen ich nicht an der HSZG angestellt war, immer engen Kontakt zur Hochschule gehalten. Prof. Kretzschmar hat mir letztlich die Möglichkeit gegeben in einem kooperativen Verfahren an der TU Dresden bei Prof. Dr.-Ing. Uwe Gampe zu promovieren.“

71 Nächte, 10 Wochen

Wie ein roter Faden zieht sich die HSZG durch Kunicks Leben und ermöglicht ihm spannende Projekte und eine berufliche Zukunft. Die Arbeit an der HSZG brachte ihn nach seiner Promotion auch in die USA, nach Idaho. „Die Möglichkeit an einem großen Institut wie dem Idaho National Laboratory zu arbeiten, muss man wahrnehmen.“, sagt Kunick. Also zog er mit seiner Frau und den zwei Mädchen, heute sieben und drei Jahre alt, in die 60.000 Einwohnerstadt Idaho Falls. Die ersten 71 Nächte, ca. 10 Wochen, schliefen sie im Hotel – und man kann sich ein bisschen mehr vorstellen wie Kunick tickt, wenn man weiß, dass er diese Nächte gezählt hat. „Das war erstmal eine Herausforderung sich dort alles zu organisieren.“, sagt er. „Aber wir haben das gut hinbekommen.“ Dann kam der Container mit ihren Sachen aus Deutschland. Sie fanden ein Reihenhaus zur Miete und eine Kita für die Kinder. „Auf Arbeit lief es richtig gut für mich; ich hatte Glück bei den Projekten und tolle Kollegen“, Matthias Kunick konnte sich vorstellen für immer in den USA zu bleiben.

Als seine Frau erkrankte und operiert werden musste, wurden beide nachdrücklich daran erinnert, wie wertvoll ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist. „Es war interessant das amerikanische Gesundheitssystem kennenzulernen“, sagt er. „Wir sind extrem verwöhnt mit dem Gesundheitssystem in Deutschland.“ Kunicks Frau brauchte das gewohnte familiäre Umfeld um zu genesen. „In den USA hätte sich meine Frau auf absehbare Zeit nicht von ihrer Krankheit erholt. Also nahmen wir schweren Herzens Abschied von unsere dortigen Freunden, Nachbarn und Kollegen. Natürlich sind wir nun aber auch wieder zuhause angekommen und freuen uns über unsere Freunde, Angehörige und Kollegen, die immer für uns da waren.“

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„Die Möglichkeit an einem großen Institut wie dem Idaho National Laboratory zu arbeiten, muss man wahrnehmen.“

Die Lehre im Vordergrund

Seit Beginn des Sommersemesters ist Kunick nun Professor für Energiesystemtechnik an der HSZG. „Es war für mich ein Glücksfall, dass ich zurückkommen durfte an die HSZG.“ Es gäbe vergleichsweise nur wenige Stellen für Hochschullehrer an Hochschulen und Universitäten, da werde die Luft weiter oben immer dünner. „Die Energiesystemtechnik als Fachgebiet passt von der Ausrichtung her gut zu meinem Werdegang. Für mich steht nun die Lehre im Vordergrund.“, sagt Matthias Kunick. Jeder Hochschullehrer müsse sich zunächst genau darum kümmern. Abseits davon könne man natürlich noch seinen eigenen Forschungsinteressen nachgehen. „In der Forschung ist man frei, man kann sich frei entfalten. Im Gegensatz zu großen Forschungsinstituten muss man sich dafür aber auch selbst um Personal und Forschungsmittel kümmern.“

Am 1. März fing Kunick seine Stelle an der HSZG an, eine Woche später hielt er die ersten Vorlesungen. Dann kam der Corona Lock Down und damit die Maßgabe, die Lehre in digitaler Form anzubieten. „Das ist natürlich etwas herausfordernd, wenn man gerade wieder neu eintaucht in die Lehre.“ Vor allem, wenn die ganze Familie wegen der Pandemie Zuhause ist. Kunicks Frau arbeitet bei Siemens in der Einkaufsabteilung. „Sie ist nur am Telefon, hat ihr Headset auf und telefoniert mit China“, Kunick lacht, wenn er davon erzählt. „Ich kümmere mich dann um die Mädchen, wenn sie unleidlich sind. Jetzt gehen sie zum Glück wieder in Schule und Kita. Es kehrt also wieder Ruhe ein, ich kann mich meinen Videovorlesungen widmen, und auch wieder nach Zittau fahren.“

Moderne Welt

Diese Videovorlesungen bedeuten für Kunick enorm viel Aufwand. Er zeichnet sie auf und stellt sie anschließend online. „Ich biete den Studierenden an, ihre Rückfragen per Mail an mich zu schreiben. Das funktioniert sehr gut. Der Vorteil vom Video ist auch, dass man es sich so oft ansehen kann, bis man einen komplizierteren Zusammenhang verstanden hat.“

Matthias Kunick hat einige Projekte in Aussicht, die er gern bearbeiten würde. In einem, soviel sei schon mal verraten, geht es um die Entwicklung eines thermonuklearen Raketenantriebs für bemannte Mars-Missionen am Idaho National Laboratory, finanziert durch die NASA. Aber im Moment sei es schwierig an Personal zu kommen. „Gute Absolventen der Energietechnik und des Maschinenbaus, müssen sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen.“, sagt Kunick. Sowohl in der Industrie als auch in der Forschung gäbe es viele interessante Möglichkeiten. Vielleicht sind es irgendwann Kunicks Studierende, die einen Beitrag dazu leisten die Reisezeit zum Mars  zu verkürzen und damit die Menschheit ein kleines Stück voranzubringen.

Lebenslauf

  • Idaho National Laboratory (INL), Idaho Falls, ID, USA Nuclear Science & Technology,
    Modeling and Simulation,
    RELAP-7 Postdoctoral Research Associate

  • Hochschule Zittau/Görlitz,
    Fakultät Maschinenwesen,
    Fachgebiet Technische Thermodynamik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

  • Siemens AG, Power Generation, Görlitz
    Research and Development Department,
    Projekte: Software zur Auslegung von Industriedampfturbinen, Entwicklungsingenieur

  • Hochschule Zittau/Görlitz,
    Fakultät Maschinenwesen,
    Fachgebiet Technische Thermodynamik, Externer wissenschaftlicher Mitarbeiter

  • Bombardier Transportation, Görlitz,
    Konstruktionsmechaniker
  • 2008 – 2017 Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Maschinenwesen und Technische Universität Dresden, Fakultät Maschinenwesen, Kooperatives Promotionsverfahren,
    Titel: “Fast Calculation of Thermophysical Properties in Extensive Process Simulations with the Spline-Based Table Look-Up Method (SBTL)“, Betreuer: Prof. Dr.-Ing. habil. H.-J. Kretzschmar, Prof. Dr.-Ing. U. Gampe
    Zusätzliche Lehrveranstaltungen:
    Grundlagen der Turbomaschinen, Note: 1.3 Kältetechnik, Note: 1.7
    Gas- und Dampfturbinen, Note: 1.0
    Dr.-Ing., Gesamturteil: “summa cum laude”

  • 2005 Siemens AG, Power Generation, Görlitz
    Diplomarbeit,
    Titel: “Berechnung der thermodynamischen Stoffeigen- schaften von Ammoniak-Wasser-Gemischen, Wasser und Wasserdampf sowie Helium in energietechnischen Prozess- modellierungen“, Note: 1

  • 2001 – 2005 Hochschule Zittau/Görlitz,
    Studiengang: Maschinenbau, Studienrichtung: Konstruktion, Dipl.-Ing. (FH), Gesamtnote: 1.4

  • 2000 – 2001 Berufliches Schulzentrum Zittau,
    Fachhochschulreife, Gesamtdurchschnitt 1.0

  • 1995 – 1998 Bombardier Transportation, Görlitz,
    Facharbeiterausbildung zum Konstruktionsmechaniker
  • 2014 – National Institute of Standards and Technology, Boulder, USA Thermophysical Properties Division, Gastwissenschaftler, Projekt: “Development of Fast and Accurate Algorithms for Property Calculations in Extensive Process Simulations”, Betreuer: Dr. Eric Lemmon
  • 2011 – National Institute of Standards and Technology, Boulder, USA Thermophysical Properties Division, Gastwissenschaftler, Projekt: “Fast and Accurate Algorithms for Fluid Property Calculations in Extensive Process Simulations”,
    Betreuer: Dr. Eric Lemmon

  • 2003 – 2005 Hochschule Zittau/Görlitz,
    Fakultät Maschinenwesen, FG Technische Thermodynamik, Studentische Hilfskraft,
    Betreuer: Prof. Dr.-Ing. habil. H.-J. Kretzschmar

  • 2004 – Alstom Power, Baden, Schweiz,
    Bereich für Aero-und Thermodynamik, Praxissemester,
    Titel: “Mehrschnittrechnung für die Strömung in ND-Turbinen in einem Kreislaufberechnungsprogramm“, Note: 1
  • Prof. Hans-Joachim Hildebrand Preis der Hochschule Zittau/Görlitz,
    verliehen für die Dissertation zum Thema:
    “Fast Calculation of Thermophysical Properties in Extensive Process Simulations with the Spline-Based Table Look-Up Method (SBTL)“, Zittau, 2017
  • Erster Platz bei der ASME Turbo Expo Student Poster Session,
    verliehen für den Beitrag mit dem Titel:
    “The New Spline-Based Table Look-up Method (SBTL) for the Fast Calculation of Real Fluid Properties in CFD Simulations of Steam Turbines“,
    Seoul, Südkorea, 2016

  • Sonderpreis des Fördervereins der Hochschule Zittau/Görlitz,
    verliehen für die Diplomarbeit mit dem Thema:
    “Berechnung der thermodynamischen Stoffeigenschaften von Ammoniak-Wasser- Gemischen, Wasser und Wasserdampf sowie Helium in energietechnischen Prozess- modellierungen“,
    Zittau, 2006

  • Auszeichnung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus für den Erwerb der allgemeinen Fachhochschulreife mit der Durchschnittsnote 1.0,
    Dresden, 2001

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Prof. Dr.-Ing.
Matthias Kunick
Fakultät Maschinenwesen
Standort 02763 Zittau
Schwenninger Weg 1
Gebäude Z VII, Raum 120
03583 612-4858

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