Sächsische Spirituosenmanufaktur

Im Rahmen der Gründerakademie wurde Martin Wagner mit einem Gründungscoaching von Februar bis Oktober 2015 bei der Gründung der Sächsischen Spirituosenmanufaktur unterstützt.

Die Sächsische Spirituosenmanufaktor stellt hochwertige Fruchtliköre, Brände und Geiste aus regionalen Rohstoffen her. Die besonderen Kreationen werden mit Sorgfalt und Liebe ganz nach dem Motto „Qualität vor Quantität“ in Schirgiswalde-Kirschau produziert.

Die Internetseite mit Informationen über die Angebote der Manufaktur ist über www.saechsische-spirituosenmanufaktur.de zu erreichen.

Das folgende Interview haben wir im September 2021 mit Martin Wagner geführt. Darin gibt er einen aufrichtigen Einblick in seine Erfahrungen als Gründer.

Herr Wagner, was waren Ihre Beweggründe zur Selbstständigkeit und wie haben Sie sich das Leben als Unternehmer vorgestellt?

Mein alter Job hat mich nicht erfüllt. Ich wollte Tätigkeiten ausführen, die mir auch wirklich Spaß machen. Unabhängig sein. Nicht wie im Angestellten-Verhältnis, in dem man gesagt bekommt, was man machen muss. Das wollte ich in die Tat umsetzen. Ich wollte nicht mit Mitte 50 aufwachen und bereuen, diesen Schritt nicht gewagt zu haben.

Ich habe mir das Leben als Selbstständiger einfacher vorgestellt. Den Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich mit Bürokratie und obwohl es in meiner Familie viele Selbstständige im Handwerk gibt und ich daher besser wusste, was auf mich zukommt, hätte ich mir das am Anfang nicht so vorgestellt.

Viele Studierende haben in meinen Augen noch eine unrealistische Vorstellung von Selbstständigkeit und Gründung - irgendwann alles aus der Hand geben und ein entspanntes Leben führen können.

Ich kann nur von meinen Erfahrungen im produzierenden Gewerbe sprechen, aber gerade in der Anfangszeit hat man keine 40-Stunden-Woche, sondern arbeitet eher 60 bis 70 Stunden in der Woche. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, mit wenig Arbeit viel Geld zu verdienen.

Wie sind Sie zu Ihrer Gründungsidee – Spirituosen aus sächsischen Ressourcen herstellen – gekommen?

Spirituosen herzustellen, das entspricht meinem bisherigen Berufshintergrund. Vor dem Studium habe ich eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer absolviert. Ich habe in der Alkoholherstellung gearbeitet und hatte eine Leitungsfunktion in einem Spirituosenbetrieb inne.

Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht mit der Industrie mithalten kann. Deswegen wollte ich eine Nischenstrategie verfolgen und arbeitete den Gedanken aus, Spirituosen mit einem regionalen und nachhaltigen Bezug zu produzieren.

Wie haben Sie sich auf die Gründung vorbereitet und welche Ansprechpartner waren für Sie wichtig?

Ich habe nach und nach einen Geschäftsplan erstellt. Die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse konnte ich mir während des Studiums aneignen, die fachlichen Kenntnisse hatte ich vorab durch meine Ausbildung und meine Berufserfahrung.

Im Studium habe ich versucht alles mitzunehmen, was mit dem Thema Gründung in Verbindung steht. Weiterbildungsangebote der Gründerakademie, Vorlesungen, Seminare beim Gründernetzwerk der TU Dresden. Ich wollte so viel Input wie möglich bekommen.

Ein wichtiger Ansprechpartner vor und während der Gründung war für mich die Arbeitsagentur. Hier wurde ich beraten, zum Beispiel zu den Themen Einstiegsförderung und Zuschüsse zur Krankenversicherung – da gibt es viele Unterstützungsmöglichkeiten, die man vielleicht nicht auf dem Schirm hat und gerade am Anfang ganz wichtig sind.

Dann allgemein: Firmennetzwerke wie die Wirtschaftsjunioren, bei denen ich mich mit Gleichgesinnten austauschen und von den Erfahrungen anderer lernen konnte.

Und ja, na klar, die Gründerakademie. Hier hat man die Möglichkeit, kostenfrei an Lehrgängen zum Thema Gründung teilzunehmen, die man nach dem Studium sonst anderweitig kostenpflichtig besuchen müsste. Das muss man auf jeden Fall mitnehmen.

Welche Herausforderungen haben sich Ihnen gestellt und gibt es Dinge, die Sie heute anders machen würden?

Meine Domäne ist das produzierende Gewerbe, das zunächst sehr kapitalbindend ist. Als Produktionsunternehmen musste ich die sogenannten Produktionsfaktoren erst einmal aufbauen und besitzen. Das ist langwierig und kostet viel Geld – hat später allerdings auch den Vorteil, dass das Unternehmen einen reellen und keinen fiktiven Wert hat.

Für spätere Finanzierungen ist das sinnvoll, da man von Bankinstituten anders bewertet wird. Außerdem hat man eben wirklich echte Werte geschaffen. Ein Produkt produziert, was im marktfähigen Preis abgesetzt werden kann.

Ich stehe in meiner Branche vor der Herausforderung, dass ich von der Natur abhängig bin. Nicht jedes Jahr sind alle Rohstoffe vorhanden. Es gibt Ausfälle. Mal gibt es Trockenheit, mal Frost. Dadurch ergeben sich sehr starke Schwankungen in den Rohstoff-Preisen.

Was würde ich anders machen?

Wahrscheinlich würde ich am Anfang mehr Risiko eingehen und sofort eine große Finanzierung tätigen, nicht alles schrittweise. Ich wollte ein überschaubares, langsames Wachstum des Unternehmens erreichen und Investitionen aus der eigenen Liquidität heraus finanzieren. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dies sehr große steuerliche Nachteile mit sich bringt. Man sollte sich da mit einem Steuerberater vorher abstimmen – das habe ich mir im Vorfeld zu einfach vorgestellt.

Ich habe auch aus Fehlern gelernt, was das Thema Mitarbeiter oder Vertrieb angeht. Das würde ich auf keinen Fall wieder so machen. Aber da entwickelt man sich ja auch weiter.

Welche Tipps und eigene Erkenntnisse können Sie Studierenden mit auf den Weg geben, die über eine Selbstständigkeit nachdenken?

Man sollte sich vorher intensiv damit auseinandersetzen, ob man sich selbstständig macht. Ich habe oft gezweifelt, ob es der richtige Weg war. Und es gibt immer Situationen, in denen ich denke, ich könnte es wieder hinwerfen.

Im Vorfeld sollte man sich klar sein, dass man gerade in solchen Situationen im wahrsten Sinne des Wortes die Arschbacken zusammenkneifen und weitermachen muss. Man sollte daher nicht der Typ sein, der schnell die Flinte ins Korn wirft.

Als Gründer oder Unternehmer muss man besonders am Anfang eine Art eierlegende Wollmilchsau sein. Heißt: von vielen Sachen einen Einblick haben, sich um alles kümmern und letztendlich auch für alles den Hut aufhaben.

Wichtig empfinde ich auch die Fragen: was muss man rechtlich und steuerlich beachten, wer kommt auf einen zu und hält die Hand auf? Egal, ob das eine Zwangsmitgliedschaft in der IHK oder Handwerkskammer ist – wo fallen überall Gebühren an, was muss gezahlt werden, welche Kosten entstehen für Notare und Vertragsgestaltung? Das sind alles Sachen, die oft nicht erwähnt werden, in der Praxis jedoch auf einen zukommen.

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