Die Honorarprofessur für Chemische Prozesse in der Halbleiterproduktion ist an der Fakultät Natur- & Umweltwissenschaften angesiedelt.
Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG), hat Dr. Germar Schneider zum Honorarprofessor an der HSZG bestellt. Die auf fünf Jahre befristete Honorarprofessur trägt den Titel „Honorarprofessur für Chemische Prozesse in der Halbleiterproduktion“ und ist an der Fakultät Natur- & Umweltwissenschaften angesiedelt.
Dr. Schneider verfügt über eine langjährige wissenschaftliche und industrielle Erfahrung im Bereich chemischer Prozesse und Technologien der Halbleiterfertigung. Seine fachliche Laufbahn ist geprägt durch die Verbindung von anwendungsorientierter Forschung, industrieller Praxis sowie der Mitarbeit an technologisch anspruchsvollen Entwicklungs- und Produktionsprozessen. Damit bringt er ausgewiesene Expertise in einem Schlüsselbereich moderner Hochtechnologie an die HSZG ein.
Im Rahmen der Honorarprofessur übernimmt Dr. Schneider eine Honorarlehre im Umfang von 2 Semesterwochenstunden (SWS). In seinen Lehrveranstaltungen wird er den Studierenden fundierte Einblicke in chemische Prozesse entlang der Halbleiterproduktion vermitteln und aktuelle Fragestellungen aus Forschung und industrieller Anwendung aufgreifen, um theoretische Grundlagen mit realen Anforderungen der Halbleiterindustrie zu verzahnen.
Mit der Bestellung von Dr. Schneider stärkt die Hochschule Zittau/Görlitz ihr Profil in den Natur- und Umweltwissenschaften sowie im strategisch bedeutsamen Feld der Halbleitertechnologien. Die Honorarprofessur unterstreicht den Anspruch der HSZG, exzellente Lehre mit hoher Praxisrelevanz anzubieten und die Oberlausitz als innovativen Wissenschafts- und Technologiestandort weiter zu positionieren.
Die Hochschule Zittau/Görlitz freut sich auf die Zusammenarbeit und wünscht Dr. Germar Schneider für seine Tätigkeit als Honorarprofessor viel Erfolg.
Wenn industrielle Spitzenforschung, chemisches Prozessverständnis und akademische Lehre zusammenkommen, entstehen neue Perspektiven für Studierende. Mit Prof. Dr. Germar Schneider als Honorarprofessor stärkt die HSZG gezielt den Praxisbezug und die Zukunftsorientierung ihrer Lehre. Der erfahrene Senior Manager aus der Halbleiterindustrie arbeitet seit über 25 Jahren für Infineon in Dresden und steht für technologische Exzellenz, internationale Vernetzung und den Transfer von Wissen aus aktuellen industriellen Entwicklungs- und Innovationsprozessen direkt in den Hörsaal.
Im Interview berichtet er von seiner Freude darüber, mit Studierenden zusammenzuarbeiten, seinen Anspruch an die Lehre und wie er es schafft, Industriearbeit und Lehrtätigkeit miteinander zu verknüpfen.
Herzlich willkommen, Herr Professor Dr. Germar Schneider. Könnten Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?
Mein Name ist Germar Schneider und ich bin seit Oktober 2020 in der Lehre an der Hochschule Zittau/Görlitz tätig. Ich habe mich sehr über die Ernennung zum Honorarprofessor im November 2025 gefreut. An der Fakultät für Natur- und Umweltwissenschaften vertrete ich das Lehrgebiet Chemie und bringe meine langjährige Erfahrung aus der industriellen Halbleiterfertigung in die Hochschullehre ein. Geboren wurde ich 1964 in Augsburg.
Neben meinem beruflichen Weg verbindet mich auch persönlich viel mit der Oberlausitz. Mein Vater stammt aus Niederschlesien und Teile meiner Familie lebten bereits in Dresden. Als ich 1998 nach Dresden kam, erzählte mir meine Tante von den reizvollen Orten der Oberlausitz – Zittau, Oybin, Jonsdorf und Lückendorf. Sie schwärmte von den Urlauben, die sie dort zu DDR‑Zeiten verbracht hatte, und wie sehr ihr diese Region am Herzen lag. Auch ich habe diese Landschaft und die Menschen hier schnell schätzen gelernt. Besonders die Nähe zu Polen und Tschechien eröffnet vielfältige Möglichkeiten für eine enge, erfolgreiche Zusammenarbeit im Herzen Europas.
Wie verlief Ihr beruflicher Weg?
Mein beruflicher Werdegang ist geprägt von der engen Verbindung zwischen Wissenschaft und industrieller Praxis. Nach meinem Chemiestudium an der Universität Ulm, das ich 1991 mit dem Diplom abgeschlossen habe, promovierte ich im Bereich analytischer Chemie. Bereits früh führte mich mein Weg in die Industrie, zunächst als Prozessingenieur für Nasschemie bei Siemens in Frankreich. Es folgten Stationen als Produktmanager für Halbleiterchemikalien bei Merck in Darmstadt sowie verschiedene leitende Positionen bei Siemens und anschließend Infineon in Dresden.
Über viele Jahre hinweg habe ich dort als Lead-Ingenieur in den Bereichen Nasschemie, Automatisierung und Wafertest gearbeitet und bin seit 2012 als Senior Manager bei Infineon Dresden im Bereich Innovation & Funding aktiv. In dieser Funktion setze ich mich für die Weiterentwicklung zukunftsweisender Technologien und die Förderung von Innovationsprojekten ein, um die Wettbewerbsfähigkeit von Infineon und den Innovationsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken.
Was hat Sie persönlich dazu motiviert, Ihr industrielles Knowhow über eine Honorarprofessur in die Hochschullehre einzubringen?
Ich habe den Kontakt zur Wissenschaft immer aufrechterhalten. Im Unternehmen habe ich zusammen mit den jeweiligen Hochschulen eine Vielzahl von Abschlussarbeiten betreut – von Projektarbeiten, über Bachelor- und Masterarbeiten, bis hin zu Doktorarbeiten. Im Rahmen meiner Aktivitäten in überregionalen Förderprojekten arbeite ich seit vielen Jahren mit zahlreichen Universitäten in Europa zusammen und konnte dabei ein großes Netzwerk aufbauen. Seit 2017 arbeite ich bereits mit der HSZG in großen Forschungs- & Entwicklungs- (F&E) Projekten zusammen. Und seit 2020 übernehme ich mit großer Freude Lehrtätigkeiten an der HSZG für Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Die Zusammenarbeit mit jungen Menschen, macht mir großen Spaß. Ich freue mich auf die Vorlesungen mit den Studierenden und Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der HSZG,
Sie bleiben weiter in der freien Wirtschaft tätig – wie profitieren Studierende davon konkret in Ihrer Lehre an der HSZG?
Gerade in der Halbleiterindustrie entwickeln sich Technologie und Fertigung so rasant weiter, dass ich selbst heute noch jeden einzelnen Tag dazulernen kann – und genau das begeistert mich. Ich möchte auch künftig gemeinsam mit Unternehmen sowie Partnern aus Industrie und Forschung aktiv an technischen Entwicklungen mitwirken, Konferenzen besuchen und neue Publikationen verfassen.
Wissen, das ich dabei sammle und teilen darf, gebe ich gern an die Studierenden weiter. Es erfüllt mich, ihre Neugier zu wecken, ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen und sie auf ihrem eigenen Weg in eine faszinierende Zukunft der Technologie begleiten zu dürfen.
Warum sind chemische Prozesse ein so zentraler Erfolgsfaktor in der modernen Halbleiterfertigung – und damit auch für zukünftige Ingenieurinnen und Ingenieure?
In der Halbleiterindustrie spielen chemische Prozesse eine zentrale Rolle. Jeden Tag wird eine Vielzahl an Materialien, Chemikalien und Gasen benötigt, um die filigranen Schaltkreise auf den Wafern herstellen zu können. Diese Prozesse sind hochkomplex und müssen perfekt ineinandergreifen – deshalb braucht es ein tiefes Verständnis für chemische und physikalische Zusammenhänge.
Gerade in Bereichen wie Nasschemie, Ätzen und Abscheiden, chemisch-mechanischem Polieren oder der Lithografie sind Ingenieurinnen und Ingenieure darauf angewiesen, ein solides und breit gefächertes Chemiewissen mitzubringen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wer Chemie studiert hat, bringt eine hervorragende Grundlage mit und hat beste Chancen, in der Halbleiterbranche Fuß zu fassen und dort eine spannende berufliche Zukunft zu gestalten.
Wie gestalten Sie Ihre Lehre, um die Brücke zwischen theoretischen Grundlagen und industriellen Anforderungen zu schlagen?
In meinen Vorlesungen und Übungen frage ich die Studierenden zu Beginn ganz bewusst nach ihren Erwartungen – an mich, an den Kurs und an das gemeinsame Lernen. Mir ist wichtig zu verstehen, was sie bewegt und was sie sich wünschen. Neben dem theoretischen Wissen möchte ich ihnen vor allem auch ein Gefühl für die Praxis vermitteln. Deshalb bringe ich viele Beispiele und Erfahrungen aus meinem beruflichen Alltag ein, um die Inhalte lebendig, spannend und greifbar zu machen.
Mir liegt viel daran, die Studierenden zu motivieren und ihnen zu zeigen, wie relevant und faszinierend die Themen wirklich sind. Durch verschiedene Übungen nach den Vorlesungen und eine gezielte Prüfungsvorbereitung unterstütze ich sie dabei, das Gelernte zu festigen und mit einem guten Gefühl in die Prüfung zu gehen. Es ist für mich ein persönliches Anliegen, dass sie nicht nur bestehen, sondern wirklich etwas mitnehmen.
Welchen Rat würden Sie Studierenden geben, die später in der Halbleiterindustrie oder in anwendungsnaher Forschung arbeiten möchten?
Ich mache den Studierenden immer deutlich, wie unglaublich vielfältig die Arbeit in der Halbleiterindustrie ist. Diese Branche wächst stetig, und wer dort einsteigt, hat in der Regel hervorragende Entwicklungschancen. Und in unserer hochdynamischen Branche wird es nicht langweilig, es ist immer wieder Flexibilität gefragt. Um die Studierenden bestmöglich auf die Praxis vorzubereiten, teile ich viele persönliche Erfahrungen und gebe ihnen Tipps mit, die mir selbst auf meinem Weg geholfen haben und die ihnen später den Einstieg erleichtern können.
Welche Fähigkeiten oder Kompetenzen sind aus Ihrer Sicht heute besonders wichtig, um in diesem Hochtechnologiebereich erfolgreich zu sein?
Für die zukünftigen Studiengänge an der HSZG – zum Beispiel im Bereich Chemie – ist es mir ein echtes Anliegen, den Studierenden nicht nur die Grundlagen der Halbleiterprozesse und chemischen Verfahren näherzubringen. Ich möchte ihnen auch ein solides Verständnis für Fertigungsprozesse und Lean-Management vermitteln. Für den Einstieg in die Industrie oder Forschung möchte ich, dass die Studierenden mit einem breiten, praxisnahen Wissen starten können, das ihnen Sicherheit gibt und ihnen den Weg in ihre berufliche Zukunft erleichtert.
Und ganz praktisch gefragt: Haben Sie persönliche Survival-Tipps für Studierende in der Prüfungszeit oder bei anspruchsvollen technischen Fächern?
Meine wichtigste Empfehlung ist, regelmäßig an den Vorlesungen und Übungen teilzunehmen und eine gute Balance zwischen Lernen und Erholung zu finden. Beides gehört für mich untrennbar zu einer erfolgreichen Prüfungsvorbereitung.
Ich denke oft an meine eigenen Prüfungszeiten zurück: Wenn ich das Gefühl hatte, gut vorbereitet zu sein, habe ich mir ganz bewusst kleine Pausen gegönnt – beim Wandern, Radfahren, Schwimmen oder beim Sport. Diese Momente haben mir geholfen, den Kopf freizubekommen und anschließend mit mehr Ruhe und Selbstvertrauen in die Prüfung zu gehen. Dieses Gleichgewicht möchte ich auch meinen Studierenden ans Herz legen.
Außerdem ist mir wichtig zu vermitteln, wie entscheidend Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen und eine positive Grundhaltung sind. Mit diesen Eigenschaften lassen sich nicht nur Prüfungen, sondern auch spätere berufliche Herausforderungen wesentlich leichter meistern.
Wie gelingt es Ihnen, Ihre Tätigkeit in der Industrie mit der Lehre an der Hochschule zu verbinden?
Durch meine Arbeit in der Industrie lerne ich jeden Tag etwas Neues und erweitere ständig mein Fachwissen. Vieles davon gebe ich direkt in Fachkreisen und Veröffentlichungen weiter. Alles, was sich besonders gut für die Lehre eignet, lasse ich in die Manuskripte meiner Vorlesungen einfließen. Damit das gelingt, ist für mich ein gutes Zeitmanagement unglaublich wichtig.
Deshalb sitze ich oft abends oder am Wochenende noch an meinen Unterlagen – nicht, weil ich es muss, sondern weil es mir wirklich am Herzen liegt. In meinen Projekten achte ich darauf, meine Arbeit möglichst effizient zu organisieren. Ich versuche, unnötige Meetings zu vermeiden und mich bewusst auf das Wesentliche zu konzentrieren. So schaffe ich Raum für das, was mir wirklich wichtig ist: Wissen weiterzugeben, das sofort einen echten Mehrwert bietet.
Was fasziniert Sie persönlich an der Halbleitertechnologie – auch nach vielen Jahren Berufserfahrung – immer noch am meisten?
Mich begeistert an der Halbleiterindustrie vor allem, dass ich dort jeden Tag an Technologien für eine lebenswerte Zukunft arbeite. Und diese Dynamik reizt mich unglaublich: Kaum eine andere Branche entwickelt sich so schnell weiter. Jede neue Generation von Chips stellt uns vor spannende Herausforderungen, die Kreativität, Fachwissen und Teamgeist verlangen. Langweilig war mir in all den Jahren wirklich nie.
Besonders motiviert mich aber auch der Gedanke, dass die Produkte, an denen wir arbeiten, für unseren Alltag heute unverzichtbar sind: Smartphones, medizinische Geräte, Autos, Kommunikationstechnik, Energieeffizienz – überall spielt Halbleitertechnologie eine Schlüsselrolle. Zu wissen, dass meine Arbeit einen Beitrag dazu leistet, dass diese Technologien funktionieren und weiter vorankommen, erfüllt mich mit Stolz.
Und nicht zuletzt macht mir die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fachbereichen enorm viel Spaß. Gemeinsam an komplexen Problemen zu tüfteln, Ideen auszutauschen und am Ende eine Lösung zu entwickeln, ist für mich einer der schönsten Teile des Berufs. Diese Mischung aus Innovation, Teamarbeit und echter Relevanz für die Welt ist der Grund, warum mich die Halbleiterindustrie bis heute so stark begeistert.
Gibt es ein berufliches oder persönliches Motto, das Sie begleitet?
Mein Motto ist immer „Krise ist Chance“ und „es gibt niemals Probleme, sondern nur Herausforderungen“.
Welche drei Dinge dürfen in Ihrem Arbeitsumfeld – egal ob Hochschule oder Industrie – auf keinen Fall fehlen?
Spaß an der Arbeit, gutes Teamwork, gute Ausstattung und Know How.
Wo finden Sie den besten Ausgleich zum beruflichen Alltag?
Bei meiner Familie zu Haus und im Sommer bei meiner Arbeit im Garten. Ich pflanze gerne Obst und Gemüse an und baue Stress beim Unkrautjäten und Gartengießen ab.
Das Gespräch führte die Stabsstelle Hochschulentwicklung und Kommunikation, Teilbereich FH-Personal.