07. Mai 2026

Lernen für morgen beim "Tag der Lehre 2026"

Der Tag der Lehre stand 2026 unter dem Motto: Hochschule als Gestaltungsraum nachhaltiger Zukunft.

Wie kann Hochschullehre Studierende dazu befähigen und stärken, Zukunft aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten? Dieser Frage widmete sich der Tag der Lehre 2026 am 6. Mai 2026 in der Aula am Campus Görlitz. 

Unter dem Leitmotiv „Lernen für morgen: Hochschule als Gestaltungsraum nachhaltiger Zukunft“ kamen Hochschulangehörige und Gäste zusammen, um über zukunftsfähige Hochschullehre, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Transformation und Handlungskompetenzen für morgen ins Gespräch zu kommen.

Der Tag der Lehre ist wichtig, weil er Raum schafft, gemeinsam über die Zukunft von Bildung nachzudenken. Gerade im Kontext von Nachhaltigkeit wird deutlich, dass Hochschulen weit mehr sind als Orte der Wissensvermittlung – sie sind Gestaltungsräume für verantwortungsbewusstes Handeln und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nachhaltigkeit bedeutet für mich dabei nicht nur Klimaschutz oder technologische Innovation, sondern vor allem eine Haltung. Hochschulen haben die Aufgabe, neben fachlicher Exzellenz auch Werte wie Respekt, Verantwortung und Gemeinschaftssinn zu stärken. Denn die Zukunft braucht nicht nur qualifizierte Fachkräfte, sondern Menschen mit Haltung, die Fortschritt verantwortungsvoll mitgestalten.

Prof. Dr. Małgorzata Maćkowiak, Prorektorin Bildung und Nachhaltigkeit

Die Keynotes im Überblick

Keynote 1: 
Hochschulen als Motor einer nachhaltigen Transformation? – Entwicklung von Handlungskompetenzen für die Lösung drängender gesellschaftsrelevanter Themen 

Speakerin: Dr. Annett Kaldich, Fakultät für Physik und Erdsystemwissenschaften der Universität Leipzig 

Den Auftakt setzte die Ars legendi-Preisträgerin für exzellente Hochschullehre Dr. Annett Kaldich mit der Frage, welche Rolle Hochschulen in gesellschaftlichen Transformationsprozessen übernehmen können und welche Handlungskompetenzen Studierende benötigen, um drängende Themen wie Klimawandel, Digitalisierung, demografischen Wandel oder den Einsatz von KI verantwortungsvoll mitzugestalten. Sie ordnete nachhaltige Transformation als Zusammenspiel aus praktischer, politischer und persönlicher Sphäre ein und machte deutlich: Wirksam wird Lehre dort, wo sie Wissen, Werte und Handlungsfähigkeit verbindet. Exemplarisch zeigte sie, wie transdisziplinäre Lernsettings, Transfer- und Problemlösungsorientierung sowie Zukunftskompetenzen („Future Skills“) in Studium und Lehre verankert werden können.

Keynote 2: 
Die Zukunft steht in keinem Modulkatalog – oder etwa doch?

Speakerinnen: Julia Jurczyk (Bachelor Kultur und Management) und Annika Thomas (Master Management Sozialen Wandels), Studierendenrat der HSZG

Aus Studierendensicht fragten Annika Thomas und Julia Jurczyk, wie „zukunftsfähige Lehre“ konkret werden kann, wenn gesellschaftliche Entwicklungen oft schneller sind als curriculare Anpassungen. Ihr Kernpunkt: Zukunft steht nicht „fertig“ im Modulkatalog – sie wird sichtbar, wenn Module und Prüfungen konsequent auf Kompetenzen, Verantwortung und Handlungsfähigkeit ausgerichtet sind. Dafür brauche es u. a. klare, kompetenzorientierte Formulierungen, passende Lern- und Prüfungsformen sowie mehr Raum für Mitgestaltung. Sie machten zugleich deutlich, dass studentische Mitwirkung, insbesondere in Gremien, auch als Lernraum verstanden werden sollte, in dem Kommunikations-, Kooperations- und Bewertungskompetenzen praktisch entstehen.

Zum Studierendenrat der HSZG

Der Tag der Lehre zeigte in diesem Jahr, dass studentische Mitgestaltung wichtiger denn je ist. Wir wünschen uns, dass die Hochschule zukunftsorientierte Themen wie Nachhaltigkeit sowie Kompetenzbildung in alle Studiengänge aktiv einbindet und studentische Gremien langfristig stärkt. Um so Studierenden den Gestaltungsraum für innovative Lösungen und Ideen bieten zu können.

Julia Jurczyk, Studierendenrat

Keynote 3: 
Wer dreht den Hahn zu? Kompetenzorientierte Hochschullehre zwischen Engineering, Systemanalyse und Change Agentry

Speaker: Dipl.- Ing. Markus Will, Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften

Mit einem anschaulichen Bild – dem „richtigen Drehen am Wasserhahn“ – spannte Markus Will den Bogen von klassischen Engineering-Logiken hin zu systemischem Denken: Nicht nur Probleme lösen und optimieren, sondern Zusammenhänge verstehen, Wechselwirkungen erkennen und mit Unsicherheit umgehen. Anhand typischer Systemdynamik-Beispiele (u. a. „Balancing Process with Delay“) verdeutlichte er, wie leicht gut gemeinte Eingriffe unerwartete Effekte erzeugen können. Sein Fazit: Wenn Hochschulen Gestaltungsräume sein wollen, reicht Wissensvermittlung allein nicht aus – gefragt sind Systemkompetenz, Antizipation, Handlungskompetenz und „Change Agentry“ als zentrale Bausteine zukunftsfähiger Lehre.

Keynote 4: 
MINT-Lehre zukunftsorientiert gestalten: Vom Problemfach zum Schlüsselmoment

Speaker: Prof. Dr. rer. medic. Sonja Schellhammer, Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften

Unter dem Titel „MINT-Lehre zukunftsorientiert gestalten: Vom Problemfach zum Schlüsselmoment“ zeigte Prof. Dr. Sonja Schellhammer, Trägerin des Sächsischen Lehrpreises 2025, Perspektiven auf, wie gerade in Grundlagen- und „Problemfächern“ Lernprozesse so gestaltet werden können, dass sie Studierende nicht nur fachlich stärken, sondern auch Motivation, Verständnis und Zukunftskompetenzen fördern. 

Konkret wird dieser Ansatz u. a. im Modul „Physik mit Projektwerkstatt“ (Studiengang Green Engineering) sichtbar: Hier verknüpft sie Nachhaltigkeit, Inklusion, digitale Didaktik und Projektlernen und verbindet fachliche Grundlagen mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen. In ihrem Beitrag machte sie außerdem deutlich, was sie unter „Individualisierung als Haltung“ versteht: Studierende erhalten vielfältige Lernzugänge und können ausprobieren, welcher zu ihnen passt. Weiterhin dazu gehören u. a. klare, selbsterklärende, visuell ansprechende und vorab bereitgestellte Materialien, die als Skript nutzbar sind, Barrieren reduzieren (z. B. durch screenreaderfreundliche Alternativtexte) und Prüfungsanforderungen transparent dokumentieren. So entstehen Freiräume für alternative Erklärungen, Wiederholungen und motivierende Beispiele – von Alltags- und Hobbybezügen bis hin zu gesellschaftlich relevanten Kontexten.

Durch Anwendungs- und Alltagsbezüge, klare und moderne Lehrmaterialien, niederschwellige Interaktionsmöglichkeiten und eine wertschätzende, bestärkende Grundhaltung können wir für Studierende neue Zugänge schaffen und Brücken bauen.

Prof. Dr. rer. medic. Sonja Schellhammer, Professur Physik
Steffi Heidig, die Moderatorinnen und die Prorektorin stehen zum Gruppenbild lächelnd nebeneinander in der Aula.
Foto: Sven Müller Für ihr ausgezeichnetes Engagement in der Lehre wird Prof. Dr. Steffi Heidig (1.v.l.) mit einer Teilnahmebescheinigung im Programm „AKTive Lehre“ von Prof. Dr. Małgorzata Maćkowiak geehrt. Die Moderatorinnen Lea Uhlig und Neele Hemmerling gratulieren ihr.

Podiumsdiskussion: Zwischen Hörsaal und Zukunft

In der Podiumsdiskussion „Zwischen Hörsaal und Zukunft – Wie machen wir Studierende fit, resilient und zukunftsfähig?“ diskutierten alle Keynote-Speaker:innen gemeinsam mit Prof. Dr. Maja Dshemuchadse und Sebastian Benad zentrale Spannungsfelder zukunftsorientierter Lehre. 

Besonders deutlich wurde: Praxis- und projektorientierte Lehrformate sowie stärker teilhabende Lehrsettings gelten zwar als wichtige Hebel, können aber im Alltag auf strukturelle und organisatorische Grenzen (z. B. Rahmenbedingungen, Ressourcen, Prüfungslogiken) stoßen. Zugleich wurde offen angesprochen, dass nicht alle Studierenden solchen Lernformen gleichermaßen aufgeschlossen gegenüberstehen. Auch die Frage nach der Realisierbarkeit der (teilweise sehr breiten) Zukunftskompetenz-Ansprüche an Absolventinnen und Absolventen wurde kritisch reflektiert. Deutlich wurde dabei auch, dass zukunftsfähige Lehre nicht allein „mehr Praxis“ bedeutet, sondern verlässliche Rahmenbedingungen braucht – und zugleich Lernkulturen, die Beteiligung und Projektarbeit sowohl Lehrenden als auch Studierenden realistisch ermöglichen.

Ausgezeichnetes Engagement: Ehrung im Programm „AKTive Lehre“

Zum Tagesabschluss wurde Prof. Dr. Steffi Heidig im Programm „AKTive Lehre“ für ihr hochschuldidaktisches Engagement geehrt. In ihrer Würdigung betonte Professorin Małgorzata Maćkowiak, Prorektorin Bildung und Nachhaltigkeit, dass ein zentrales Anliegen des Tags der Lehre darin besteht, Engagement für gute Hochschullehre sichtbar zu machen und zu würdigen, insbesondere die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Lehre, Reflexion im Austausch sowie Transfer in die Hochschulöffentlichkeit.
 

Internationale Gäste aus der Mongolei

Der Tag der Lehre bot zudem Raum für internationalen Austausch: Mit Bolormaa Baljir und Batsuren Bishbat nahmen zwei Deutschlehrerinnen der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie (DMHT) aus Ulaanbaatar teil. Ihr Besuch erfolgte im Rahmen eines Kooperationskontextes zur Intensivierung des fachlichen Austauschs zwischen der HSZG, der DMHT sowie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Im Mittelpunkt des Aufenthalts standen Einblicke in Lehr- und Lernformate an deutschen Hochschulen, insbesondere im Bereich Deutsch als Fremdsprache, Fachsprachenvermittlung sowie Hochschuldidaktik. Neben Hospitationen in Lehrveranstaltungen und Austauschformaten nahmen die beiden Gäste auch am Tag der Lehre in Görlitz teil und nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden der HSZG.

Internationale Begegnungen wie diese zeigen, dass Hochschulen weit mehr sind als Orte der Wissensvermittlung. Sie schaffen Räume für Perspektivwechsel, kulturelles Lernen und persönliche Begegnungen – und genau darin liegt ein wichtiger Teil zukunftsfähiger Hochschulbildung.

Daniel Winkler, Referent Hochschuldidaktik
Internationale Gäste aus der Mongolei im Gespräch mit Professorin Małgorzata Maćkowiak, Prorektorin Bildung und Nachhaltigkeit, und Daniel Winkler, Referent Hochschuldidaktik stehen nebeneinander in der Aula zum Gruppenbild.
Foto: Sven Müller Internationale Gäste aus der Mongolei im Gespräch mit Professorin Małgorzata Maćkowiak, Prorektorin Bildung und Nachhaltigkeit, und Daniel Winkler, Referent Hochschuldidaktik.


Ein Dank an alle Beteiligten!

Ein herzliches Dankeschön gilt den Vortragenden und Teilnehmenden der Podiumsdiskussion Dr. Annett Kaldich, Annika Thomas, Julia Jurczyk, Markus Will, Professorin Sonja Schellhammer, Professorin Maja Dshemuchadse und Sebastian Benad sowie den Moderatorinnen Neele Hemmerling und Lea Uhlig.

Ein besonderer Dank gilt dem Organisationsteam – Daniel Winkler, Miriam Meyer-Scheffel und Julia Rülicke – sowie Sven Müller für die fotografische Begleitung.

Ebenso danken wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Ihr Interesse, Ihre Beiträge und Ihre Offenheit!

SAVE THE DATE!

Der Tag der Lehre 2027 findet am 19.05.2027 turnusgemäß am Campus Zittau statt! 

Ihre Ansprechperson
Prof. Dr. phil.
Małgorzata Maćkowiak
Rektorat
02763 Zittau
Theodor-Körner-Allee 16
Gebäude Z I, Raum 1.51.1
1. Obergeschoss
+49 3583 612-4288
Foto: M.A. Daniel Winkler
Ihre Ansprechperson
M.A.
Daniel Winkler
Rektorat/Stabsstelle Bildung
02763 Zittau
Schwenninger Weg 1
Gebäude Z VII, Raum 4010
4. Obergeschoss
+49 3583 612-4595
Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen
02763 Zittau
Schliebenstr. 21
Gebäude Z II, Raum 018.4
Erdgeschoss
+49 3583 612-4595
Julia Rülicke
Ihre Ansprechperson
Dipl.-Kulturwiss.
Julia Rülicke
Stabsstelle Bildung
02763 Zittau
Th.-Körner-Allee 16
Gebäude Z I, Raum 1.52
1. Obergeschoss
+49 3583 612-4770