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19. Juni 2026

Als Wissenschaft auf den Marktplatz kam

Mehr als 480 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Gäste erlebten bei den Zukunftstagen Hirschfelde Forschung und Zukunftsthemen zum Anfassen.

Bei den Zukunftstagen Hirschfelde zeigte die Hochschule Zittau/Görlitz gemeinsam mit dem Verein Zukunft Hirschfelde e. V. und vielen Partnern, wie Forschung vor Ort erlebbar wird. Mehr als 480 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen mit Zukunftsthemen direkt ins Gespräch.

Vom 29. bis 31. Mai 2026 wurden der Ernst-Thälmann-Platz, die Vorlaubenhäuser und angrenzende Flächen in Hirschfelde zu einem offenen Lern- und Begegnungsort. Unter dem Motto „Wissenschaft erleben“ gestaltete die Hochschule Zittau/Görlitz gemeinsam mit dem Verein Zukunft Hirschfelde e. V. ein Programm, das Forschung, regionale Entwicklung und Mitmachangebote miteinander verband. Die Schirmherrschaft übernahm der Sächsische Staatsminister für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, Sebastian Gemkow.

Die Zukunftstage wurden durch das Transferprojekt Saxony⁵ der Hochschule Zittau/Görlitz ermöglicht und im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Innovative Hochschule“ gefördert.

Im Mittelpunkt standen Themen, die die Region bewegen: Energie, Bildung, Strukturwandel, Künstliche Intelligenz, Mobilität, Baukultur, nachhaltige Materialien, Astrophysik, Strahlenschutz und neue Technologien. Die Veranstaltung machte deutlich, wie Transfer im ländlichen Raum funktionieren kann: nicht als Vortrag aus der Distanz, sondern im direkten Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern, Schülerinnen und Schülern, Unternehmen, Vereinen und kommunalen Akteuren.

Ein Ort zeigt ein anderes Gesicht

Für Hirschfelde waren die Zukunftstage mehr als ein Veranstaltungswochenende. Der Verein Zukunft Hirschfelde e. V. hatte sich gemeinsam mit der HSZG viel vorgenommen. Die Resonanz übertraf die Erwartungen deutlich. Der Markt füllte sich bereits am ersten Tag mit Schülerinnen und Schülern, an den Ständen wurde ausprobiert, gefragt und diskutiert. Aus Sicht des Vereins gaben die Zukunftstage dem Ort für einige Tage ein anderes, ein sichtbar lebendiges Gesicht.

Es waren Tage, die dem Ort Hirschfelde plötzlich ein anderes, ein schöneres Gesicht gegeben haben.

Thomas Krusekopf, Verein Zukunft Hirschfelde e. V.

Das Ziel war dabei nicht nur, Wissenschaft zu präsentieren. Es ging um Offenheit, Kommunikation und Neugier auf Neues. Die Menschen sollten erleben, welche Kompetenzen in der Region vorhanden sind, welche Investitionen in Forschung und Entwicklung bereits wirken und welche Perspektiven daraus entstehen können. Besonders wichtig war dem Verein, jungen Menschen Chancen in der Region zu zeigen und ihnen neue Sichtweisen auf ihre eigene Zukunft zu eröffnen.

Auch Thomas Hempel vom Verein Zukunft Hirschfelde e. V. beschreibt die Veranstaltung als ermutigende Erfahrung für den Ort. Hirschfelde sei an diesen Tagen nicht als „Problemraum“ wahrgenommen worden, sondern als Ort, an dem Wissenschaft konkret gedacht, ausprobiert und sichtbar gemacht werden kann. Genau darin lag eine zentrale Wirkung der Zukunftstage: Strukturwandel wurde nicht abstrakt beschrieben, sondern auf dem Dorfplatz, in den Vorlaubenhäusern, an Experimentierstationen und in persönlichen Gesprächen erfahrbar.

Forschung zum Ausprobieren

Bereits am Freitag nutzten mehr als 480 Schülerinnen und Schüler aus der Region das Schulprogramm der Zukunftstage. Einen zentralen Beitrag leistete der Zukunftslernort Oberlausitz, kurz ZukLOS, der mit dem DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz und dem mobilen Lernort vertreten war. Ziel war es, naturwissenschaftliche und technische Themen nicht nur zu erklären, sondern durch eigenes Ausprobieren verständlich zu machen.

An den Stationen des DLR_School_Lab führten die Schülerinnen und Schüler Experimente selbst durch. Sie untersuchten, wie eine Wärmepumpe arbeitet und Energie effizient genutzt werden kann, machten Wärme mit Infrarotstrahlung sichtbar und erhielten beim Mikroskopieren Einblicke in kleinste Strukturen. Gerade der praktische Zugang kam gut an: Schülerinnen und Schüler beschrieben, dass sie technische Zusammenhänge besser verstehen konnten, wenn sie nicht nur zuschauten, sondern selbst experimentierten. 
 

DLR_School_Lab Hochschule Zittau/Görlitz – Buchung und Informationen

Das DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz bietet Schulklassen die Möglichkeit, naturwissenschaftliche Experimente praxisnah kennenzulernen und selbst durchzuführen.

Buchung und Anmeldung von Schulklassen erfolgt über die Webseite.

Hier gibt es weitere Informationen zum DLR_School_Lab der Hochschule Zittau/Görlitz.

Auf dem Marktplatz ergänzte der mobile Lernort von ZukLOS das Angebot. Im Airstream-Anhänger beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit Naturfasern, nachhaltigen Materialien und deren Verarbeitung. Gleichzeitig konnten sie moderne technische Verfahren kennenlernen: 3D-Druck, Lasercutting und Löten wurden nicht nur gezeigt, sondern unter Anleitung praktisch ausprobiert. Dabei entstanden eigene kleine Werkstücke und technische Anwendungen.

Auch virtuelle und erweiterte Realitäten wurden erlebbar. Pascal Herfort demonstrierte im Namen der Forschungsgruppe SCO-TTi interaktive Anwendungen aus Virtual Reality und Augmented Reality. Dabei konnten Umgebindehäuser und ihre besonderen Holzverbindungen im virtuellen Raum erkundet werden. Zusätzlich hatten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich beim 3D-Graffiti auszuprobieren. So lernten sie spielerisch Technologien kennen, die auch in der Produktentwicklung, in der Fernwartung oder in der digitalen Planung eingesetzt werden.

Es war für mich eine große Freude, Kindern und Familien aus der Region die neueste Technologie aus unseren Laboren und Forschungsprojekten zeigen zu können. So wird technologische Entwicklung für alle greifbar und der Mehrwert für den eigenen Alltag direkt erlebbar.

Pascal Herfort, Forschungsgruppe SCO-TTi

Auch aus Sicht begleitender Lehrkräfte lag genau darin der besondere Wert des Angebots. Die Verbindung von nachhaltigen Materialien, moderner Technik und eigenem Tun machte technische Zusammenhänge greifbar und motivierte die Schülerinnen und Schüler, Fragen zu stellen und eigene Ideen zu entwickeln. ZukLOS zeigte damit beispielhaft, wie die Hochschule Zittau/Görlitz Lernorte schafft, die Schule, Forschung und regionale Bildungsarbeit miteinander verbinden.

Eine große Bandbreite an Themen und Partnern

Die Vielfalt des Programms war eine der Stärken der Zukunftstage. Neben zahlreichen Angeboten der HSZG waren unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Deutsche Zentrum für Astrophysik, das Bundesamt für Strahlenschutz, Fraunhofer IWU, Fraunhofer IEG, GICON, die biotopa gGmbH, das Institut für Leichtbau der TU Dresden, die Stadtwerke Zittau, die Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“, MINOS, der VCD, die Energiebotschafter im Landkreis Görlitz, die Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft und regionale Initiativen beteiligt.

Die Besucherinnen und Besucher konnten sich über Radon und elektromagnetische Felder informieren, mit Wasserflaschenraketen experimentieren, Kreislaufwirtschaft spielerisch nachvollziehen, eine Wärmebildkamera ausprobieren, Naturfasern pressen, Roboter programmieren oder an Stationen zu 3D-Druck, Virtual Reality und virtuellem Schweißen arbeiten. Auch der GICON Höhenwindturm, der H²-Scooter, Mobilitätsfragen in Hirschfelde, der Umgang mit Starkregen, Waldgärten, gefährdete Vogelarten, Bioökonomie mit Algen und Pilzen sowie das Bauen mit Lehm gehörten zum Programm.

Damit zeigte die Veranstaltung nicht nur einzelne Forschungsthemen, sondern ein breites Bild regionaler Zukunftsfragen. Technik, Umwelt, Bildung, Arbeit, Gesundheit, Energieversorgung und Ortsentwicklung standen nebeneinander und kamen miteinander ins Gespräch. Gerade diese Mischung machte das Format auch für Menschen zugänglich, die sonst selten mit Hochschule oder Forschung in Berührung kommen.
 

Die HSZG zeigt Forschung mit regionalem Bezug

Die Hochschule Zittau/Görlitz brachte sich mit mehr als 25 fachlichen Beiträgen, Mitmachstationen, Vorträgen und Diskussionsformaten ein. Dabei trat sie nicht nur als Partnerin einzelner Angebote auf, sondern als Initiatorin, Ermöglicherin und strategische Mitgestalterin des Formats. Mit ihrer Transferstrategie, ihren Forschungsaktivitäten und ihrem regionalen Engagement schafft die HSZG Räume, in denen Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik miteinander ins Gespräch kommen.

Jonas Pfeiffer von der Fakultät Maschinenwesen stellte die Chancen und Herausforderungen der Wärmewende vor. Besucherinnen und Besucher konnten mit einfachen Softwaremodellen interagieren und mehr über eine Machbarkeitsstudie zur Wärmeversorgung kommunaler Gebäude in Hirschfelde erfahren. Aus einem technischen Thema wurde damit eine konkrete Frage für den Ort: Wie können Schule, Kita und kommunale Gebäude künftig versorgt werden?

Im Bereich Hochspannungstechnik zeigte die HSZG anhand eines Lego-Modells, wie Gleichspannungsnetze funktionieren und warum sie für die Energieversorgung der Zukunft relevant werden können. Aus dem Modell entstanden Gespräche über Stromtrassen, Freileitungen und Kabel. Forschung wurde dabei nicht abstrakt vorgestellt, sondern an Alltagsfragen angeschlossen.

Auch Künstliche Intelligenz wurde verständlich gemacht. Demonstratoren aus Saxony⁵ und dem Fachbereich Informatik der HSZG zeigten, wie erklärbare KI funktioniert und warum Transparenz bei algorithmischen Entscheidungen wichtig ist. An Beispielen aus Bewerberauswahl, Kreditvergabe, Wetteranalyse und Bilderkennung konnten Besucherinnen und Besucher nachvollziehen, wie KI-Systeme arbeiten und wo ihre Grenzen liegen.

Weitere Beiträge der Hochschule griffen ganz unterschiedliche Fragen auf: Prof. Frank Schneider lud zum mathematischen Basteln mit dem Möbiusband ein, Prof. Jens Weber sprach über CO₂ als kleines Molekül mit großer Wirkung, Prof. Jakob Hildebrandt verband im Sandbox-Experiment Starkregen, Landschaft und Vorsorge, Prof. Elisa Wirthgen erklärte aktuelle biomedizinische Forschung zu regulatorischen T-Zellen. Dr. André Seeliger spann mit seinen Exponaten den Bogen vom ehemaligen Kraftwerksstandort Hirschfelde über 3D-Druck bis zur Bodenfauna. Bei Maria Fabisch konnten Besucherinnen und Besucher mithilfe eines Alterssimulationsanzuges erleben, welche Einschränkungen mit dem Alter verbunden sein können. So wurde die fachliche Breite der HSZG sichtbar, von Naturwissenschaften über Technik bis zu Transferformaten mit gesellschaftlichem Bezug.

Podien machen Zukunftsfragen verhandelbar

Ein wichtiger Bestandteil der Zukunftstage waren die Podiumsdiskussionen. Sie machten sichtbar, wie intensiv über die Zukunft der Region, den Strukturwandel und die Rolle von Wissenschaft, Innovation und gesellschaftlichem Zusammenhalt diskutiert wird. Dabei ging es unter anderem um Bildung im Wandel, die Chancen der Halbleiterindustrie, Zuzug und Fachkräftebedarfe sowie die Frage, welchen konkreten Nutzen öffentliche Investitionen in Forschung für die Region haben.

Die Diskussionen wurden teils kontrovers geführt, blieben aber von einem respektvollen Austausch geprägt. Genau das machte sie zu einem wichtigen Teil des Formats. Auf den Podien trafen Perspektiven aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft aufeinander. Damit wurden die Zukunftstage nicht nur zu einem Ort des Ausprobierens, sondern auch zu einem Forum für regionale Debatten.

Die politische Aufmerksamkeit war entsprechend hoch. Vor Ort waren unter anderem zwei Staatsminister, der Landrat des Landkreises Görlitz, mehrere Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister, mehrere Landtagsabgeordnete, darunter Franziska Schubert und Sandra Gockel, sowie der Chef der Sächsischen Staatskanzlei. Diese Beteiligung unterstreicht die Strahlkraft des Formats weit über Hirschfelde hinaus.
 

Bildung hängt nicht von der Postleitzahl ab. Auch an Orten wie Hirschfelde in der Oberlausitz gibt es eine großartige Zukunft für junge Menschen.

Conrad Clemens, Sächsischer Staatsminister für Kultus

Strukturwandel muss greifbar werden für die Menschen. Sie müssen merken, dass etwas passiert. Und ich glaube, dann machen sie auch mit.

Franziska Schubert, Mitglied des Sächsischen Landtags

Zukunft beginnt auch mit regionaler Identität

Neben neuen Technologien rückte die Veranstaltung auch das baukulturelle Erbe der Region in den Blick. Prof. Thomas Worbs vom Informationszentrum Umgebindehaus stellte die Vorlaubenhäuser und die Umgebindebaukultur als Markenzeichen und Chance für die Region vor. Studierende der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft hatten sich bereits mit den Gebäuden beschäftigt, sie vermessen und digitale Modelle erstellt. Ergänzend berichtete Dr. Cornelia Müller über Brandschutz und Schutzkonzepte im Wandel der Zeit.

Die Verbindung von Baukultur und digitaler Technologie wurde auch an den VR- und AR-Anwendungen sichtbar. Umgebindehäuser konnten nicht nur als historisches Erbe betrachtet, sondern im virtuellen Raum neu erkundet werden. So entstand ein Zugang, der besonders jungen Besucherinnen und Besuchern zeigte, dass regionale Baukultur und moderne Technologien einander ergänzen können.

Auch für den Verein Zukunft Hirschfelde e. V. waren die Vorlaubenhäuser ein zentrales Anliegen. Die Zukunftstage sollten ihr Potenzial sichtbar machen und zeigen, dass Ortsentwicklung, Baukultur und Bildung zusammengedacht werden können. Besonders eindrücklich war aus Sicht des Vereins die Arbeit der Jugendbauhütte an den Vorlaubenhäusern: Junge Menschen arbeiteten mit handwerklichem Können und großem Engagement an historischer Bausubstanz und verbanden damit Vergangenheit und Zukunft des Ortes.

Dazu passte auch der Lehmbaustand, an dem traditionelle und moderne Anwendungen eines ressourcenschonenden Baustoffs gezeigt wurden. Die Verbindung aus Umgebindehaus, Lehm, regionaler Baukultur, praktischer Arbeit, digitalen Modellen und virtuellen Anwendungen machte deutlich: Zukunft besteht nicht nur aus neuen Technologien. Sie entsteht auch dort, wo vorhandene Ressourcen, lokale Geschichte und nachhaltige Materialien neu betrachtet werden.

Auch die Stadt- und Regionalentwicklung fand Raum. Im Rahmen von GreenZitty 2032+ konnten Ideen für eine mögliche Landesgartenschau eingebracht werden. Das Büro PlanKontext sammelte Rückmeldungen und Wünsche aus der Bevölkerung. Die Gespräche zeigten, dass Beteiligung vor Ort konkrete Impulse liefern kann, etwa zu Flächen, Zwischennutzungen, grünen Orten oder der Verbindung von Campus, Stadt und Region.
 

Transfer als Brücke zwischen Hochschule und Region

Für die Hochschule Zittau/Görlitz waren die Zukunftstage mehr als eine Wissenschaftsveranstaltung. Sie zeigten, wie Transfer im Sinne von Saxony⁵ praktisch aussehen kann. Wissen bleibt nicht in Laboren, Hörsälen oder Projektberichten, sondern wird in Begegnungen übersetzt. Forschende erklären ihre Arbeit, Bürgerinnen und Bürger stellen Fragen, Schülerinnen und Schüler probieren aus, Unternehmen zeigen Perspektiven, Vereine bringen Ortskenntnis und Engagement ein.

Die Zusammenarbeit zwischen HSZG, Verein und weiteren Partnern war geprägt von Mut, Vertrauen und einem gemeinsamen Anspruch: Die Region sollte als Ort für Innovation, Forschung und gesellschaftliche Entwicklung sichtbar werden. Gerade diese Mischung aus Hochschule, Wissenschaft, Wirtschaft, Ehrenamt, Politik, Verwaltung und Bürgerschaft machte die Zukunftstage stark.

Mich hat besonders beeindruckt, mit welcher Offenheit und Neugier die Menschen in Hirschfelde auf Wissenschaft und Forschung zugegangen sind. Die Zukunftstage haben gezeigt, dass Innovation nicht nur in Laboren und Hörsälen entsteht, sondern überall dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Ideen teilen und gemeinsam Verantwortung für die Zukunft ihrer Region übernehmen.

Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung der Hochschule Zittau/Görlitz

Aus Sicht des Vereins war besonders wertvoll, dass Menschen miteinander ins Gespräch kamen, die sonst selten an einem Ort zusammenkommen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Handwerker, Jugendliche, Vereinsmitglieder, Ortsräte, Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie politische Vertreterinnen und Vertreter. Solche Begegnungen schaffen nicht automatisch fertige Lösungen. Sie öffnen aber Räume, in denen neue Ideen, Kontakte und gemeinsame Vorhaben entstehen können.

Ich finde, das ist eine wundervolle Veranstaltung mit großen Chancen für die Region, weil es mal die Möglichkeit ist, dass die Hochschule nicht auf ihrem eigenen Campus die Inhalte präsentiert, sondern auch mal in die anderen Gemeinden bringt.

Jonas Pfeiffer, Fakultät Maschinenwesen, HSZG

Austausch schafft Vertrauen

Die Zukunftstage boten nicht nur Raum für Begeisterung, sondern auch für Rückfragen und Skepsis. Manche Besucherinnen und Besucher wollten wissen, was Forschung konkret für ihren Alltag bringt, warum öffentliche Mittel in Forschung fließen oder welche Perspektiven junge Menschen in der Region haben. Genau solche Fragen gehören zu einem ehrlichen Transferformat dazu.

Für viele Beteiligte lag ein besonderer Wert der Veranstaltung in den direkten Begegnungen und Gesprächen mit Menschen aus Hirschfelde und der Umgebung. Beim DLR ging es beispielsweise darum, sichtbar zu machen, welche Forschung am Institutsteil Zittau betrieben wird und wie sie mit Industrie und Region zusammenhängt. Das Bundesamt für Strahlenschutz nutzte die Veranstaltung, um über Mobilfunk, elektromagnetische Felder und Radon zu informieren, ein Thema, das in der Region eine praktische Bedeutung hat. Die biotopa gGmbH brachte Bioökonomie mit Algen, Pilzen und nachwachsenden Rohstoffen ins Gespräch. GICON zeigte mit dem Höhenwindturm, wie erneuerbare Energie, Ingenieurwissen und regionale Wertschöpfung zusammengedacht werden können.

Ebenso wichtig waren die vielen kleinen Gespräche am Rand, etwa in der Lebendigen Bibliothek oder an den Mitmachstationen. Oft entstehen gerade dort neue Ideen und Verbindungen. Auch die Besucherinnen und Besucher selbst nahmen die Vielfalt wahr. Besonders hervorgehoben wurden Angebote für Kinder, MINT-Themen, das ehrenamtliche Engagement und die Möglichkeit, Forschung nicht nur zu sehen, sondern selbst etwas auszuprobieren. Einige kamen gezielt zu Vorträgen und Ständen, andere blieben zufällig mit dem Fahrrad stehen. Genau darin lag die Stärke des Formats: Es erreichte Menschen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen, Interessen und Erwartungen.
 

Ein Format mit Wirkung über das Wochenende hinaus

Die Zukunftstage Hirschfelde haben keine fertigen Antworten auf alle Fragen des Strukturwandels gegeben. Sie haben aber gezeigt, wie Wissenschaftskommunikation im ländlichen Raum gelingen kann: nahbar, praktisch, dialogorientiert und mit Bezug zu den Themen vor Ort.

Für die HSZG ist das ein starkes Signal. Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, fasst es zusammen:
 

Transfer entsteht dort, wo Hochschule, Gesellschaft, Kommunen, Vereine, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger miteinander ins Gespräch kommen. Hirschfelde wurde für drei Tage zu einem solchen Ort. Die entstandenen Kontakte, Erfahrungen und Rückmeldungen können nun in Projekte, Kooperationen und weitere Formate einfließen.

Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz

Die Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung, Prof. Sophia Keil, zeigte sich von der Veranstaltung begeistert. Auch sie zieht ein positives Fazit.

Die drei Zukunftstage in Hirschfelde waren für mich etwas ganz Besonderes. Sie waren keine Veranstaltung, die allein von der Hochschule organisiert und durchgeführt wurde. Ihr Erfolg beruhte vielmehr auf der engen Zusammenarbeit zwischen der Hochschule, dem Verein Zukunft Hirschfelde e. V., zahlreichen Partnern und vor allem den vielen ehrenamtlich Engagierten, die mit großer Leidenschaft, Kreativität und Ausdauer zum Gelingen beigetragen haben. Mein herzlicher Dank gilt daher allen Beteiligten. Stellvertretend möchte ich Lucas Wenzel und Kai Wadewitz vom Projekt Saxony⁵ der Hochschule Zittau/Görlitz sowie Thomas Krusekopf, Thomas Hempel und Anja Kaiser vom Verein Zukunft Hirschfelde e. V. nennen. Sie haben gemeinsam mit vielen weiteren Ehrenamtlichen gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn Wissenschaft, Bürgerschaft und regionales Engagement an einem Strang ziehen. Die Zukunftstage haben eindrucksvoll verdeutlicht, dass Zukunft nicht verordnet werden kann, sondern dort entsteht, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, Ideen entwickeln und sich aktiv für ihre Region einsetzen.

Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung der Hochschule Zittau/Görlitz

Für den Verein Zukunft Hirschfelde e. V. sollen die Zukunftstage Spuren hinterlassen. Konkret geht es weiter um die Vorlaubenhäuser, die Alte Schmiede und die Frage, wie daraus dauerhaft Orte für Begegnung, Bildung, Handwerk, Kultur und Gemeinwesen entstehen können. Die entstandenen Kontakte zur Hochschule, zu Partnern und zu Engagierten aus der Region sollen gepflegt und in nächste Schritte übersetzt werden. Denkbar sind kleinere Folgeformate, Arbeitseinsätze der Jugendbauhütte, Workshops, Vorträge oder thematische Veranstaltungen mit bildendem Charakter. Ob und wann es eine Neuauflage der Zukunftstage gibt, soll nach der Auswertung gemeinsam mit den beteiligten Partnern besprochen werden.

Zukunft entsteht nicht nur in großen Zentren. Sie entsteht auch auf Marktplätzen, in alten Häusern, an Experimentierstationen und in Gesprächen, die nach einer Veranstaltung weitergetragen werden.

Text: Lucas Wenzel
Fotos: Rafael Sampedro
Video: Martin Gerk

Foto: Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil
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