Mit einem neuen Verbindungsbüro in Kairo stärkt Sachsen den akademischen Austausch und die gezielte Fachkräftegewinnung in Nordafrika.
Sachsen denkt Fachkräftesicherung international und setzt dabei auf Nordafrika. Mit dem Aufbau des neuen Saxon Science Liaison Office (SSLO) in Kairo stärken die fünf staatlichen sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) gezielt den akademischen Austausch und die Gewinnung von Fachkräften jenseits Europas.
Erstmals übernimmt ein Konsortium der sächsischen HAWs die koordinierende Rolle für ein solches Verbindungsbüro im Ausland. Beteiligt sind neben der federführenden Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG), die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, die Hochschule Mittweida sowie die Westsächsische Hochschule Zwickau.
Dass die Wahl auf Ägypten fiel, hat handfeste demografische und wirtschaftliche Gründe: Mit über 100 Millionen Einwohnern und mehr als drei Millionen Studierenden zählt das Land zu den bedeutendsten Bildungsstandorten der Region. Jährlich treten dort rund 800.000 junge Menschen neu in den Arbeitsmarkt ein. Ein großer Teil von ihnen wählt Studiengänge im MINT-Bereich wie Ingenieurwesen und Informationstechnologie, exakt jene Disziplinen, in denen die sächsische Wirtschaft dringend Nachwuchs sucht. Hinzu kommt eine sehr gute sprachliche Ausgangslage: Rund 400.000 Ägypterinnen und Ägypter lernen derzeit Deutsch.
Sachsen braucht qualifizierte internationale Talente und Ägypten verfügt über ein großes Potenzial gut ausgebildeter junger Menschen. Mit dem Verbindungsbüro in Kairo schaffen wir die strukturellen Voraussetzungen, um dieses Potenzial langfristig für Studium und Arbeitsmarkt nutzbar zu machen.
Das neue SSLO wird direkt in der Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Kairo angesiedelt. Dies schafft von Beginn an einen verlässlichen administrativen Rahmen und eröffnet unmittelbaren Zugang zu den zentralen Akteuren der deutsch-ägyptischen Wissenschaftszusammenarbeit.
Das politische Fundament der Kooperation wurde in jüngerer Vergangenheit gelegt (News-Beitrag): Während einer Delegationsreise begleitete Rektor Prof. Kratzsch den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer nach Ägypten. Vor Ort unterzeichneten sie Kooperationsvereinbarungen mit der neu gegründeten Saxony Egypt University for Applied Science & Technology (SEU). Diese Universität weist mit ihrer Orientierung am deutschen Hochschulmodell eine große strukturelle Nähe zu den sächsischen HAWs auf und stellt einen wichtigen strategischen Partner dar.
Die Strategie des HAW-Konsortiums geht weit über den klassischen Studierendenaustausch hinaus. Kernaufgabe des SSLO ist die Entwicklung von Doppelabschlussprogrammen mit kompatiblen Studienstrukturen. Was theoretisch klingt, hat einen klaren praktischen Nutzen: Studierende werden bereits in Ägypten akademisch auf die Anforderungen der sächsischen Hochschulen vorbereitet.
Davon profitieren alle Seiten:
Akademische Ausbildung wird so direkt mit regionaler Arbeitsmarktintegration verbunden.
Nach Standorten in Taiwan, Vietnam, Indien, Usbekistan, der Mongolei und Chile ist das Verbindungsbüro in Kairo bereits die siebte sächsische Repräsentanz dieser Art. Im Verbund stärken die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften so die internationale Vernetzung Sachsens und leisten einen wichtigen Beitrag zur künftigen Fachkräftesicherung.
Aktuell läuft die Vorbereitung der operativen Arbeitsfähigkeit des Büros. Regionale Unternehmen und Hochschulpartner, die sich aktiv beteiligen möchten, sind herzlich eingeladen, sich mit uns zu vernetzen.
Für weiterführende Informationen zum Projekt „Saxon Egypt University Partnership“ und zu konkreten Kooperationsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
Prof. Dr. Alexander Kratzsch Projektleitung, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz
Susanne Fentzel Projektkoordination sächsische-ägyptische Hochschulkooperation, Hochschule Zittau/Görlitz