Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS und HSZG tauschen sich im DLR_School_Lab zur künftigen Stärkung des Freistaates Sachsen in Innovation und Technologie aus.
Im Frühjahr traf sich die Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) mit dem Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS zu Gesprächen im Zittauer DLR_School_Lab. Ziel: Die Stärkung des Freistaates Sachsens in Innovation und Technologie, beispielsweise in den Quantenwissenschaften. Und auch wenn das Feld der sog. Quantenwissenschaft komplex ist. „Quanten“ bestimmen Forschung, Entwicklung und Innovation – und waren seit ihrer Entdeckung stets Zukunftstechnologien und auch eines der aktuellen und zukünftigen Kooperationsfelder zwischen der HSZG und den Fraunhofer-Instituten.
Ob Quantenphysik, Quantenmechanik oder Quantenwissenschaften. „Die Quantenphysik ist nicht bloß ein Schritt nach vorne, sie ist ein neuer Weg, die Wirklichkeit zu verstehen“, zitiert Regisseur Christopher Nolan in seinem oscarprämierten Film „Oppenheimer“ (2023) den dänischen Physiker und Nobelpreisgewinner Niels Bohr. Was in den 1930er Jahren galt, ist auch fast 100 Jahre später hochaktuell – regional, national und international, auch für die Forschung der Hochschule Zittau/Görlitz.
Quantenwissenschaften und Quantenanwendungen entwickeln sich rasant zu Schlüsseltechnologien für sichere Kommunikation, leistungsfähige Computer, neue Werkstoffe und hochpräzise Sensorik. Um diese Zukunftstechnologien gezielt voranzubringen und in industrielle Anwendungen zu überführen, startete beispielsweise im Dezember 2025 das Sächsische Forschungsnetzwerk für Quantentechnologien SAX-QT „Quantum Saxony“. Koordiniert wird das Netzwerk von der Hochschule Zittau/Görlitz, den Fraunhofer-Instituten für Photonische Mikrosysteme IPMS und für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU sowie dem Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung IFW Dresden. Ist auch das Fraunhofer-Institut ENAS daran interessiert?!
Ziel von Quantum Saxony ist es, die Kompetenzen im Freistaat Sachsen im Bereich Quantentechnologien strategisch zu bündeln, weiter auszubauen und international sichtbar zu machen. Das Netzwerk Quantum Saxony versteht sich als offene Plattform, die fortlaufend weitere Partner integriert und den Austausch zwischen Forschung, Industrie und Politik intensiviert. Die sächsische Interdisziplinarität – von Materialwissenschaft über Mikro- und Nanoelektronik bis zur Softwareentwicklung – wird so gezielt in Richtung wirtschaftlicher Nutzung vorangetrieben.
„Quantum Saxony“ war eines der ausgewählten Projekte, welche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der HSZG Ende Januar ihren Forscherkolleginnen und -kollegen des Fraunhofer-Instituts ENAS vorstellten. Als weitere aktuelle Forschungsvorhaben und Forschungszentren der HSZG wurden u.a. präsentiert und diskutiert: Das Science Center Oberlausitz (SCO-TTi) der HSZG, das Projekt EKI-Saxony (Energieautarke Kommunikations- & Informationstechnologien aus Sachsen für industrielle Anwendungen), Themen des Instituts für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM) wie RoSA-ReCycle (Robotic Sorting and Automation for Recycling), CircEcon (Center for Green Circular Economy) oder die HSZG-Projekte ZukLOS (Zukunftslernort Oberlausitz) oder Green Zitty mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Landesgartenschau in der Region der Oberlausitz in den kommenden Jahren.
Im Darwinschen „Struggle of the Fittest“ arbeitet man entweder allein oder strategisch als Spezies zusammen. Was für die Biologie gilt, hat auch Gültigkeit für die politische Ökonomie. Allein: „Nur mit der Zusammenarbeit mit Partnern bekommen wir auch lukrative Aufträge nach Sachsen. Derweil wir in dieser Runde diskutieren, gibt es andere Player international und national, welche schon die entsprechenden Aufträge aus der Politik oder Industrie an Land gezogen haben. Wir müssen schauen, Gelder für Forschungs- und Industrieaufträge nach Sachsen zu holen. Und da müssen wir proaktiv vorangehen und brauchen ein gutes Narrativ für Forschungsförderung seitens der Landes- und Bundespolitik“, heißt es in der Runde der Teilnehmenden.
Etwa im Bereich der Quantenkommunikation oder gerade auch in der Schnittstelle bzw. dem Zusammenspiel zwischen Kooperation und Wettbewerb – eine sog. „Coopetition“ (Cooperation and Competition). Dies bezeichnet eine Strategie, bei der Wettbewerber bewusst zusammenarbeiten, um gemeinsame Ziele wie Innovationen, Kostensenkungen oder Markterschließungen zu erreichen, während sie gleichzeitig in anderen Bereichen konkurrieren. Sie fördert Synergieeffekte, teilt Risiken und ist oft in Branchen mit hoher wechselseitiger Abhängigkeit zu finden, um den Markt zu vergrößern. Gibt es demnach auch mehrere sog. „Coopetitions“ im Freistaat Sachsen zwischen verschiedenen Playern aus Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft, um den Standort Sachsen bzw. den Standort Ostdeutschland gezielt zu stärken?!
„Was fehlt in Ostdeutschland, und das ist aus ökonomischer Sicht ein wichtiger Punkt, auch für die niedrigere Produktivität, sind große Firmen und Firmenzentralen. Das sind diejenigen, die Forschung und Entwicklung machen und Wirtschaftskraft schaffen“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ Mitte Februar 2026. Übergeordnetes Thema der Sendung: die wirtschaftliche und politische Entwicklung Ostdeutschlands: „Wir brauchen eine (gesamt-)deutsche Wirtschaftspolitik, die mehr Visionen, mehr Kraft für Neues und mehr Schwung bringt. Dadurch wird insbesondere Ostdeutschland davon profitieren“, so Fuchs-Schündeln.
Exakt diese fehlende Dynamik wollen die HSZG und das Fraunhofer-Institut ENAS in kommende Kooperationen mit einbringen – z. B. in den Bereichen Quantenwissenschaften oder Quantenkommunikation. Nach Abschluss des Dialogtreffens zwischen der HSZG und dem Fraunhofer-Institut ENAS wollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Februar und März das Momentum des fruchtbaren Austausches nutzen und in einem weiteren Projekttreffen die kommenden nötigen Schritte skizzieren. Hier konkret: Konkretisierung der Kooperationspläne, Verzahnung der Projektpläne, Identifizierung der politischen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und möglicher neuer innovativer Forschungsfelder.
Das Treffen der HSZG mit dem Fraunhofer-Institut ENAS zu konkreten Themen wie beispielsweise Quantenwissenschaften passt auch international. Die Vereinten Nationen hatten 2025 zum Internationalen Jahr der Quantenwissenschaft und Quantentechnologien ausgerufen. Und die Hochschule Zittau/Görlitz ist hier mit ihren Forschungsprojekten 2026 proaktiv mit dabei.
Text: Frank Leberecht
Fotos: HSZG, Leberecht