Kultur im Herzen, Management im Blick
Prof. Dr. Andreas Heinen verbindet langjährige Erfahrung aus Kultur, Management und Wissenschaft und bringt diese Perspektive seit März 2026 als Professor für Kulturmanagement und Kulturpolitik an die HSZG ein.
Sein beruflicher Weg verbindet Kulturpraxis, Management, Forschung und Hochschullehre. Mit der Professur an der HSZG kehrt Andreas Heinen zu seinem ursprünglichen Fachgebiet Kulturmanagement zurück. Ein wichtiger Schwerpunkt ist der neue Masterstudiengang Kultur und Transformationsmanagement, der zum kommenden Wintersemester startet.
Im Interview spricht er über seinen Weg zwischen Kulturinstitutionen und Hochschule, seine Forschung zu Audience Development und Kulturfinanzierung sowie seine Freude an der Lehre.
Herr Prof. Dr. Heinen, herzlich willkommen an der Hochschule Zittau/Görlitz. Würden Sie sich zu Beginn kurz vorstellen?
Sehr gern. Mein Name ist Prof. Dr. rer. pol. Andreas Heinen. Seit dem 1. März 2026 bin ich Professor für Kulturmanagement und Kulturpolitik an der Fakultät Management- und Kulturwissenschaften der Hochschule Zittau/Görlitz. Geboren wurde ich 1973 in Nordenham und bin in Jever aufgewachsen.
Wie sah Ihr bisheriger Werdegang aus? Welche Meilensteine haben Sie geprägt?
Ich bin in Jever aufgewachsen und habe bereits während meiner Schulzeit Querflöte und Kontrabass gelernt sowie gemeinsam mit meinem Bruder ein Schulorchester gegründet. Nach dem Abitur absolvierte ich eine kaufmännische Ausbildung zum Musikalienhändler bei der Neuwerk Buch- und Musikalienhandlung im Hause Bärenreiter in Kassel.
Anschließend studierte ich an der Universität Lüneburg. Mit den Hauptfächern Musik(wissenschaft) und Betriebswirtschaftslehre im Rahmen des Magisterstudiengangs Angewandte Kulturwissenschaften wollte ich mir das Feld Kulturmanagement erschließen.
Nach dem Studium begann meine berufliche Laufbahn als Projektkoordinator am Hundertwasserbahnhof Uelzen. Dort war ich für Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen sowie für bauliche Projekte verantwortlich. Parallel übernahm ich einen Lehrauftrag für Kulturmanagement an der Universität Lüneburg.
Danach wechselte ich in die Wissenschaft und arbeitete am Lehrstuhl für Marketing und Technologiemanagement der Universität Lüneburg, wo ich auch promovierte. Nach der Promotion führte mich mein Weg als Marketingdirektor an das Nationaltheater Mannheim. Anschließend kehrte ich an die inzwischen in Leuphana Universität Lüneburg umbenannte Hochschule zurück und war am Aufbau neuer Bachelor- und Masterstudiengänge beteiligt.
Es folgte ein Wechsel an die Hochschule für Musik und Theater Leipzig, wo ich als Fundraiser unter anderem die Finanzierung eines Festivals und dreier Orgelneubauten verantwortete. Später wechselte ich an die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, wo ich eine Professur für Marketing vertrat.
Mit dem Wechsel an die Hochschule Zittau/Görlitz schließt sich nun ein Kreis: Ich kehre zu meinem ursprünglichen Fachgebiet Kulturmanagement zurück und finde hier ein Umfeld vor, in dem ich meine Erfahrungen aus Kultur, Management, Wissenschaft und Praxis verbinden und viel mitgestalten kann.
Was hat Sie dazu inspiriert, eine Karriere in der Wissenschaft einzuschlagen?
Als ich von Uelzen an die Universität Lüneburg wechselte, habe ich mich auf Lehre und Studiengangs-Administration konzentriert, hatte aber eine der begehrten Promotionsstellen. Da lag eine Dissertation zur Zukunftsfähigkeit von Sinfonieorchestern auf der Hand. Daneben habe ich vor allem Auftragsforschung für Theater und Museen – vor allem Besucher- und Nichtbesucherstudien – gemacht und bin so auf den Geschmack gekommen. Nebenbei macht mir vor allem die Lehre unglaublichen Spaß.
Mit dem Wechsel an die Hochschule Zittau/Görlitz schließt sich nun ein Kreis: Ich kehre zu meinem ursprünglichen Fachgebiet Kulturmanagement zurück und finde hier ein Umfeld vor, in dem ich meine Erfahrungen aus Kultur, Management, Wissenschaft und Praxis verbinden und viel mitgestalten kann.
Was verschlägt Sie in die Oberlausitz bzw. an die HSZG?
Zunächst ganz pragmatisch: Der Job! Die Chance, vom Business-Marketing an der HTWD den Fokus wieder auf die Kultur zu lenken, war Grund genug, an die HSZG zu wechseln. Zudem hat Görlitz eine ähnliche Größe wie Lüneburg und eine vergleichbare Infrastruktur an kulturellen Institutionen. In Lüneburg ist es mir gelungen, die Universität eng mit den Museen, dem Theater, den Kirchengemeinden und anderen Akteuren zu vernetzen. Das ist jenseits der Metropolen viel einfacher, weil Netzwerke schneller entstehen und Akteure von Kooperation viel stärker profitieren können. In Görlitz besteht auf vielen Ebenen bereits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Kulturinstitutionen – das ist eine wunderbare Basis für künftige Projekte.
Was machen Sie genau? Was sind Ihre Arbeitsschwerpunkte an der HSZG?
Wie bei jedem, der an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften neu anfängt, liegt der Fokus in den ersten zwei Jahren auf der Lehre. Jedes Modul, das man übernimmt, bedeutet viel Vorbereitung und erst nach dem zweiten oder dritten Durchgang kann man auf einen gewissen Fundus an Materialien zurückgreifen. Hauptaufgabe wird sein, ab dem kommenden Wintersemester den neuen Master-Studiengang Kultur und Transformationsmanagement gut an den Start zu bringen.
Parallel absolviere ich Stück für Stück meine Antrittsbesuche bei den Kultureinrichtungen in der Stadt und Region. Ich hoffe natürlich, dass sich daraus langfristig ein Netzwerk zum Nutzen aller Beteiligten ergibt.
In Görlitz besteht auf vielen Ebenen bereits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Kulturinstitutionen – das ist eine wunderbare Basis für künftige Projekte.
Welche Forschungsschwerpunkte liegen Ihnen besonders am Herzen und warum?
Ein Fokus liegt auf den Bereichen Audience Development und Besucherforschung bei Kultureinrichtungen, weil ein angemessen großes Publikum und eine entsprechende Reichweite in die Gesellschaft hinein die Legitimität und damit den Verhandlungsspielraum einer Kultureinrichtung erhöhen. Kulturelle Produktion ist meist kein Selbstzweck, sondern entfaltet ihre Wirkung erst durch die Rezeption.
Der zweite Fokus liegt bei der Kulturfinanzierung – Ressourcen sind insbesondere bei den Live-Performance-Arts (Musik, Theater) schon immer ein limitierender Faktor gewesen. Öffentliche Finanzierung ersetzt heute weitgehend das Mäzenatentum, das strukturelle Problem ist geblieben; da lohnt es sich, Best-Practice-Beispiele zu ergründen und nach weiteren Lösungen zu suchen.
Wie gestalten Sie Ihre Lehre, um Studierende für Ihr Fach zu begeistern?
Ich versuche die Relevanz dessen, was ich vermitteln möchte, deutlich zu machen. Wenn die Studierenden verstehen, warum ich auf einer bestimmten grauen Theorie herumreite, bekommt diese gleich etwas Farbe.
Wenn man selber in seinem Fachgebiet „Überzeugungstäter“ ist, fällt es einem leichter, Studierende aus der Reserve zu locken. Und schließlich gilt: docendo discimus! Latein: „Durchs Lehren lernen wir!“ Das ist doch ein Privileg – oder?
Was sind Ihre besten Survival-Tipps für die Prüfungszeit?
Es ist ein alter Hut: Die beste Vorbereitung beginnt am Anfang des Semesters. Fast jeder Dozent hat seine Lieblingsthemen oder Schwerpunkte, die zwar so nicht im Skript deutlich werden, aber im Vortrag. Bei Referaten ist Üben wichtig, ein kleines Rhetorik-Training kann nicht schaden und vom Theater kann man sich ein wenig Dramaturgie abschauen. Bei schriftlichen Hausarbeiten sollte man sich in die Rolle des Lesers versetzen. Das ersetzt keinen Inhalt, aber es unterstützt diesen, daher lohnt sich vor der Abgabe eine gründliche Redaktion.
Wenn die Studierenden verstehen, warum ich auf einer bestimmten grauen Theorie herumreite, bekommt diese gleich etwas Farbe.
Was ist Ihre Lieblingsserie/Ihr Lieblingsfilm?
Ich gehe lieber in die Oper als ins Kino – und einen Fernseher besitze ich seit zwanzig Jahren nicht mehr. Begeistert haben mich zuletzt Echnaton von Phillip Glass und Der Zusammenstoß von Ludger Vollmer (Libretto Kurt Schwitters). Ich freue mich auf den Nabucco in Görlitz – das war die erste Oper, bei der ich in Kassel selbst auf der Bühne gestanden habe.
Haben Sie Hobbys oder Interessen, die vielleicht nicht jeder von Ihnen kennt?
Seit meiner Kindheit singe ich in Chören – angefangen bei einem Knabenchor in englischer Tradition, Kantoreien, Opernchören, Kammerchören… Als Flachland-Tiroler (die höchste Erhebung in meiner Heimat ist der Deich mit 8,40 m) zieht es mich im Sommer regelmäßig zum Wandern in die Berge.
Welches ist Ihr Lieblingsplatz auf dem Campus oder in der Umgebung?
Das werde ich noch erkunden. Der Blick von der Landskrone war schon mal ein guter Anfang…
Vielen Dank für das interessante Gespräch, Prof. Dr. Andreas Heinen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg an der HSZG.
Das Gespräch führte die Stabsstelle Hochschulentwicklung und Kommunikation, Teilbereich FH-Personal.
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