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Ohne Transfer ist alles nichts: Saxony⁵ zieht Bilanz
Beim Saxony⁵-Jahrestreffen 2026 an der Hochschule Mittweida standen Erreichtes, Transferwirkung und die Zukunft des gewachsenen Netzwerks im Mittelpunkt.
Beim Saxony⁵-Jahrestreffen 2026 am 21. September an der Hochschule Mittweida standen Erreichtes, Transferwirkung und die Zukunft des gewachsenen Netzwerks im Mittelpunkt. Zwischen laserbasierter Fertigung, intelligentem Matching und Storytelling wurde deutlich: Damit Forschung Wirkung entfaltet, braucht es starke Verbindungen zwischen Hochschulen, Wirtschaft und Gesellschaft.
Wie gelingt es, Forschung nicht nur voranzutreiben, sondern ihre Ergebnisse auch dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden? Und wie lassen sich Strukturen, Erfahrungen und Netzwerke aus einem langjährigen Verbundprojekt nachhaltig in die Zukunft überführen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des Saxony⁵-Jahrestreffens 2026 an der Hochschule Mittweida.
Prof. Dr.-Ing. Uwe Mahn, Prorektor für Forschung an der Hochschule Mittweida, nutzte seine Begrüßung für einen Rückblick auf die vergangenen Jahre des Transferverbunds. Seine Bilanz: Transfer ist an den beteiligten Hochschulen längst kein Einzelthema mehr, sondern zunehmend systematisch in den Strukturen verankert.
Gerade angesichts knapper werdender Ressourcen sei es entscheidend, dass Forschungsergebnisse nicht nach Projektende verschwinden, sondern verbreitet, weitergenutzt und in die Anwendung gebracht werden. Oder, wie Mahn es auf den Punkt brachte:
Transfer ist sicher nicht alles an einer Hochschule – aber ohne Transfer ist alles nichts.
Ein erster Entwurf des Abschlussberichts lag beim Jahrestreffen bereits zur Einsicht vor und bildete damit zugleich eine Grundlage für die Frage, die den Tag prägte: Was ist entstanden und was davon soll bleiben?
Vom Aufbau von Strukturen zum gemeinsamen Netzwerk
Auch Sophie Tietze, Projektgeschäftsführerin des Transferverbunds Saxony⁵, richtete den Blick gleichermaßen zurück und nach vorn. Die zweite Projektphase sei weit fortgeschritten. Damit werde es zunehmend wichtig, nicht nur auf das Erreichte zu schauen, sondern zu entscheiden, welche Strukturen, Formate und Kooperationen über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben sollen.
Zu Beginn von Saxony⁵ habe zunächst der Aufbau von Transferstrukturen an den einzelnen Hochschulen im Mittelpunkt gestanden. Inzwischen sei daraus ein hochschulübergreifendes Netzwerk entstanden. Die beteiligten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften tauschen sich eng aus, bündeln ihre Interessen und treten zunehmend gemeinsam auf.
Tietze verwies unter anderem auf gemeinsame Projektanträge, eingeworbene Fördermittel und neue hochschulübergreifende Strukturen. Auch auf politischer Ebene habe das Netzwerk dazu beigetragen, die Perspektive der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sichtbarer zu machen. Entscheidend sei dabei nicht die Leistung einer einzelnen Hochschule oder Projektleitung, sondern die gemeinsame Arbeit der vielen Mitarbeitenden im gesamten Netzwerk.
Für Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil, Prorektorin für Forschung, Transfer und Internationalisierung der Hochschule Zittau/Görlitz, liegt genau darin eine zentrale Stärke von Saxony⁵:
Saxony⁵ zeigt, was entsteht, wenn Hochschulen ihre Stärken bündeln: Gemeinsam können wir deutlich mehr Wirkung entfalten, als es jede Hochschule für sich allein könnte. Jetzt gilt es, die entstandenen Netzwerke, Erfahrungen und Transferformate weiter sichtbar zu machen und so zu verankern, dass sie auch über die Projektlaufzeit hinaus Wirkung entfalten.
Die verbleibende Projektzeit solle deshalb genutzt werden, um das Netzwerk weiter zu stärken und erfolgreiche Ansätze in tragfähige Strukturen zu überführen.
Wenn das passende Forschungsprojekt den passenden Partner finden soll
Wie sich Transfer künftig noch gezielter unterstützen lässt, zeigte Prof. Dr.-Ing. Christian Roschke mit seiner Präsentation zum „Transfermodus 5“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Transfergebende und potenzielle Transfernehmende auf Basis vorhandener Daten möglichst passend zusammengebracht werden können.
Doch selbst wenn sich rechnerisch eine hohe Übereinstimmung zwischen einem Forschungsangebot und einem Unternehmen ergibt, ist die Verbindung noch längst nicht hergestellt. Denn Transfer ist nicht allein eine Frage von Daten und Algorithmen. Welche Ansprache funktioniert? E-Mail, Telefonat oder persönliches Gespräch? Wie erkennt ein Unternehmen den konkreten Nutzen eines Forschungsprojekts für die eigene Arbeit?
Die bisherigen Erkenntnisse zeigen: Am Ende steht der Mensch im Mittelpunkt. Erfolgreiches Matching braucht Kommunikation, die den Mehrwert eines Projekts verständlich vermittelt und die Perspektive der jeweiligen Zielgruppe berücksichtigt.
Damit war die Brücke zum nächsten Schwerpunkt des Jahrestreffens geschlagen: Storytelling.
Vom Forschungsergebnis zur Geschichte, die hängen bleibt
Wie aus komplexen Forschungsinhalten verständliche und überzeugende Geschichten werden, vermittelte Storytelling-Trainer Stefan Ganß im Workshop „Pitch it! Forschung packend erzählen – Wirtschaft überzeugen“.
Mit zahlreichen Anekdoten und anschaulichen Beispielen aus seinem TV-Alltag zeigte er, wie Forschende Aufmerksamkeit gewinnen, Inhalte verständlich reduzieren und ihr Gegenüber bereits mit dem Einstieg für ein Thema interessieren können. Dabei lernten die Teilnehmenden auch schnell: Ein guter Hook ist weit mehr als der gleichnamige Piratenkapitän aus Peter Pan.
Im Zentrum stand die Frage, wie Forschende ihre Projekte so erzählen können, dass nicht allein die wissenschaftliche Methode, sondern vor allem Problem, Nutzen und Wirkung sichtbar werden. Denn gerade im Austausch mit Unternehmen entscheidet häufig schon in den ersten Momenten, ob ein Thema als relevant wahrgenommen wird.
Parallel bot ein futureSAX-Workshop Einblicke in die Finanzierung von Ausgründungen und Forschung über Fremdkapital. Unter Einbindung eines Business Angels konnten sich die Teilnehmenden mit Finanzierungswegen und Perspektiven für den Transfer wissenschaftlicher Ideen in wirtschaftliche Anwendungen beschäftigen.
Laser trifft Holzbau
Wie greifbar Transfer werden kann, zeigte zuvor Michael Pfeifer, M. Sc., anhand des Projekts „Laserbasierte Fertigung in Architektur und Bauwesen“. Das bereits in der ersten Phase von Saxony⁵ entstandene Vorhaben verbindet innovative Fertigungsverfahren mit konkreten Fragestellungen der Baubranche.
Neben der Fertigung individuell gestalteter Freiformfassaden erläuterte Michael Pfeifer, wie metallischer 3D-Druck mit Holzbau kombiniert werden kann. Der Ansatz ermöglicht neue konstruktive Lösungen und zielt zugleich auf einen ressourcenschonenden, massereduzierten und recyclingfähigen Materialeinsatz.
Bei einer anschließenden Führung durch das Laserinstitut der Hochschule Mittweida wurde aus der Theorie unmittelbar Anschauung. Michael Pfeifer erläuterte Fertigungsprozesse und präsentierte den Gästen zahlreiche lasergefertigte Bauteile und Anwendungen.
Parallel konnten die Gäste das Living Lab besuchen und dort unter anderem selbst am Fahrsimulator Platz nehmen.
Der Staffelstab geht nach Dresden
So verband das Jahrestreffen Rückblick und Ausblick, wissenschaftliche Anwendungen und Transfermethoden, strategische Fragen und ganz praktische Werkzeuge. Vor allem aber bot es Raum für den persönlichen Austausch innerhalb des gewachsenen Saxony⁵-Netzwerks.
Zum Abschluss wurde der Staffelstab an Sophie Tietze übergeben. Das nächste große Treffen soll zugleich die Abschlussveranstaltung der aktuellen Projektphase sein und in Dresden stattfinden. Bis dahin bleibt die gemeinsame Aufgabe klar: Erfolgreiche Inhalte, Strukturen und Verbindungen aus Saxony⁵ so weiterzuentwickeln, dass aus Projektarbeit nachhaltige Transferwirkung wird.
Von der Hochschule Zittau/Görlitz waren Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kunick, Prof. Dr. Andreas Hoff, Lucas Wenzel, Kai Wadewitz, Martin Herling, Bert Salomo, Maria Fabisch, Andreas Schulz und Cornelia Rothe beim Jahrestreffen vertreten.
Saxony⁵ bündelt die sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im forschungsbasierten Wissens- und Technologietransfer. Die aktuelle Projektphase läuft von 2023 bis Ende 2027.
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