Sanguinik

Im Rahmen der Gründerakademie wurde Marlene Knoche mit einem Gründungscoaching von April 2021 bis August 2022 auf dem  Weg in die Selbständigkeit als Illustratorin im Bereich der Wissenschaftskommunikation unterstützt.

Die Internetseite mit Informationen über ihre Angebote ist über www.sanguinik.de zu erreichen.

Das folgende Interview haben wir im August 2022 mit Marlene Knoche geführt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Unternehmerin zu werden?

Die kurze Antwort darauf ist wohl: Das liegt in der Familie. Ich bin in einer Familie voller Selbstständiger aufgewachsen und habe dadurch das Unternehmerleben schon sehr zeitig mit allen Höhen und Tiefen kennengelernt.

Im Laufe meiner Schulzeit und meines Informatik-Studiums wusste ich auch: Irgendwann will ich mal von meiner Kunst leben können, die bis dahin immer vor allem ein Hobby für mich war.

Die Aussicht, dass „vier von hundert“ Künstlern durchkommen, hat mich während meines Schulpraktikums in einem Atelier in Zittau vermutlich eher angespornt als abgeschreckt. Schon da habe ich mich gefragt: „Was wäre, wenn ich eine dieser vier Personen bin?“

Ein Informatik-Studium und einige Jahre Arbeit in der Software-Entwicklung später habe ich nun den letzten Schritt gewagt und lebe von meiner Kunst.

Bitte erzählen Sie uns mehr über Ihre Selbständigkeit. Was genau machen Sie? Was zeichnet Sie aus?

Ich bin als freiberufliche Illustratorin und Künstlerin tätig. Dabei kommt mir mein Master in Informatik sehr zu Gute, auch wenn das im ersten Moment nicht so offensichtlich klingt. Thematisch beschäftige ich mich nämlich sowohl in meinen freien Arbeiten als auch in meinen Aufträgen mit Mathematik, Informatik und  Naturwisschenschaft, aber auch mit Motiven aus der Natur im Allgemeinen. Entsprechend ist Wissenschaftskommunikation ein Feld, das mir sehr am Herzen liegt und das ich gerne vorantreiben möchte. Derzeit habe ich auch ein Fellowship am MIP-Labor (das ist eine Ideenwerkstatt für Wissenschaftsjournalismus in Mathematik, Informatik und Physik) der FU Berlin, bei dem ich Illustrationen und Story für ein Mathematik-Computerspiel konzipiere und umsetze.

Ein weiteres Projekt, das Mathematik und Kunst miteinander verbindet, ist ein Wissenschafts-Kunstbuch mit dem Titel "Mathyear", an dem ich gerade arbeite. Es wird eine Mischung aus Sketchnotes und Illustrationen, die sich quer durch alle möglichen Themengebiete bewegen, in denen Mathematik eine Rolle spielt.

Des Weiteren mache ich regelmäßig Livestreams auf Twitch, in denen ich Kunst und auch Mathematik in den Fokus rücke. Die Mischung aus Wissensvermittlung und Unterhaltung ist meines Erachtens ein gutes Instrument, um den Zugang zu MINT-Themen zu erleichtern. Außerdem macht es mir natürlich auch Spaß und es ist toll, zusammen mit meiner Community ein paar schöne Abende zu verbringen.

Was hat Sie während der Gründung am meisten motiviert?

Eines der besten Dinge war und ist es eigene Ideen und Projekte umsetzen zu können, ohne an großen Hierarchien oder für mich unpassenden Themen anzuecken. Zu sehen, dass diese Ideen auch Anklang finden, motiviert dann natürlich zusätzlich. Ich hatte auch einige tolle Kundenprojekte, die mir den Start erleichtert haben. 

Ein anderer Aspekt war zudem, dass ich zuvor Geld in Equipment und Weiterbildung investiert habe. Das hat mich einerseits dazu befähigt, meine Ideen umzusetzen und andererseits aber auch in gewisser Weise positiv unter Druck gesetzt, das Investment auch gut zu nutzen. Aber auch die investierte Zeit ins Gründercoaching und der damit verbundene Ideenaustausch haben mich angetrieben.   

Was waren die größten Stolpersteine?

Bürokratie, Steuern und Anträge haben mich definitiv an manchen Stellen ein wenig länger aufgehalten, als sie sollten. Einerseits lag das daran, dass ich immer sehr darauf bedacht war, ja keinen Fehler zu machen - und gerade bei allem, was im Bereich Finanzamt anfällt, ist das auch gar nicht so verkehrt. Andererseits lag es aber auch ein wenig daran, dass ich ganz viel auf einmal erledigen musste und mir viele Informationen von vielen Stellen erst zusammensuchen musste.

Eine andere Hürde war tatsächlich das Geld. Um ein paar Sicherheiten zu behalten habe ich daher tatsächlich die ersten Jahre meine Kunst nur als Nebentätigkeit ausgeübt. Diese Zeit habe ich genutzt, um mir ein Netzwerk aufzubauen, mich an ersten Kundenprojekten zu üben und vor allem aber ein finanzielles Polster anzusparen, das mir dann den letzten Schritt in Richtung Selbstständigkeit ermöglicht hat.

Wo haben Sie sich Hilfe geholt?

Ich habe an mehreren Stellen Hilfe geholt. Mein intensivster Hilfe-Punkt vor Ort war die Gründerakademie der Hochschule. Dort war ich regelmäßig im Ideen- und Themenaustausch, habe spannende Vorträge besucht und eine Menge mitnehmen können für mein erstes Jahr.

Zusätzlich habe ich auch ein mehrwöchiges Coaching bei zwei Illustrator*innen gebucht, bei dem mir die ganzen berufsspezifischen Basics von Angebotsstellung bis Zielgruppenfindung erklärt wurden. Außerdem habe ich während des Coachings ein professionelles Portfolio mit meinen Arbeiten erstellt, das ich seitdem regelmäßig aktualisiere.

Eine weitere große Hilfe war und ist nach wie vor auch der Austausch mit Kolleg*innen der Illustrations-Branche. Obwohl fast alle Solo-Selbständige sind, erlebe ich hier tatsächlich ein Mit- statt Gegeneinander. Das liegt auch an dem Berufsverband Illustratoren Organisation, der sich sehr für die Rechte meiner Berufsgruppe stark macht und viele hilfreiche Broschüren und Dokumente bereitstellt. 

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Ich möchte mich besonders im Bereich der Wissenschaftskommunikation als Illustratorin etablieren, mein eigenes Atelier haben und weitere spannende Kunstprojekte umsetzen können. Gerade in der Oberlausitz herrscht dafür ein unheimlich großes Potenzial - schon allein durch die immer größer werdende Forschungslandschaft. Aber auch überregional sehe ich immer größer werdenden Bedarf, mit Hilfe von Illustrationen, komplizierte Themen anschaulicher darzustellen. Außerdem plane ich, meine freien Arbeiten weiter auszustellen und eigene Kunstbücher zu veröffentlichen.

Welche Tipps haben Sie für unsere zukünftigen Gründer?

Mein erster Tipp ist Weiterbildung. Wenn ihr die Chance bekommt, neues dazuzulernen, ist das die beste Möglichkeit euch und eure Idee weiterzuentwickeln. Daher finde ich es immer sinnvoll, dafür auch ein Budget mit einzuplanen.

Mein zweiter Tipp ist Netzwerken. Der Austausch mit Gleichgesinnten, potenziellen Auftraggebern oder einfach nur Multiplikatoren, die euch dann wiederum zu anderen spannenden Personen führen ist unglaublich wertvoll. Dazu zählen auch Kolleg*innen aus der gleichen Branche und andere Gründer*innen. Wenn ihr sie nicht nur als Konkurrenz betrachtet, können Synergien und ein wertvoller Erfahrungsaustausch entstehen, die beide Seiten voran bringen. 

Mein dritter Tipp sind Pausen. Zu einem guten Zeitmanagement gehören auch Regenerationsphasen dazu, denn irgendwann sind eure Kraftressourcen erschöpft. Techniken wie Pomodoro können euch helfen, kleine Pausen in euren Arbeitstag einzuplanen. 

Mein letzter Tipp richtet sich an Kreativschaffende: Es gibt die Künstlersozialkasse (KSK) und ihr solltet, sofern ihr berechtigt seid, dort eintreten. Mir begegnen immer wieder andere Künstler*innen, die noch nie von der KSK gehört haben, dabei ist das eine ganz großartige Sache: Sie unterstützen euch bei den Kosten für Krankenkasse, Rentenversicherung und Pflegeversicherung.

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