Gründerportrait LABA

Im Rahmen der Gründerakademie wurde Gerhard Zschau mit einem Gründungscoaching von Juli 2019 bis September 2020 bei der Gründung seines Modelabels LABA unterstützt.

Das folgende Interview haben wir im Juli 2021 mit ihm geführt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, LABA zu gründen?

Im Sommer 2016 – da bloggte ich noch für die Seite „Lauter Bautz’ner“ – kam mir die Idee, die unzähligen Sagen und Geschichten aus der Oberlausitz auf Textil zu bringen bzw. mit anderen Formen und Rohstoffen umzusetzen und kreativ zu interpretieren.

Kurz darauf fing ich dann an, unter dem Label „LABA“ Buttons herzustellen. Mit Motiven wie „Granitschädel“, „Quark & Leinöl“ oder dem hiesigen „Nor“ – das ist Oberlausitzerisch und steht für „Ja!“. Im selben Jahr kam dann der Turnbeutel „Walk The Lein“ aus neu produziertem Mangeltuch auf den Markt. Die Besonderheit an diesem Accessoire: er wurde komplett in der Oberlausitz gefertigt. Später wurde das Sortiment erweitert mit T-Shirts, Hoodies und Kaffeefiltern. 

Bitte erzählen Sie uns mehr über Ihr Unternehmen LABA. Was genau machen Sie? Was zeichnet Sie aus?

Unter dem Label LABA werden seit 2016 Kleidungsstücke und Accessoires produziert, die sich hauptsächlich mit der Oberlausitz und ihren kulturellen Besonderheiten auseinandersetzen. Um die zweisprachige Lausitz kreativ zu interpretieren, binde ich auch verschiedene Künstlerinnen und Künstler der Region und darüber hinaus in die Gestaltungs- und Produktionsprozesse ein.

Dabei ist es mir sehr wichtig, dass die unter den vier Buchstaben hergestellte Ware nicht unter sklavenähnlichen Bedingungen hergestellt wurde. Ich achte deswegen auf Zertifizierungen zum fairen Handel sowie auf die Nutzung von regionalen Rohstoffen und Herstellungsverfahren.

Seit Sommer 2020 bin ich mit dem LABA Fashion Truck unterwegs, um meine Produkte zusätzlich zum Online-Geschäft an die Menschen im Landkreis Görlitz zu bringen. Das umgebaute Dreirad (Typ: Piaggio Ape) ist der erste Fashion Truck seiner Art in Deutschland und einer der wenigen in Europa.

Zudem unterstütze ich durch den Verkauf von LABA-Waren verschiedene Vereine (etwa die Oberlausitzer Tafel, Löbau lebt oder Mission Lifeline) und Initiativen (wie etwa das Thespis-Zentrum des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters). So konnte ich bisher über 2.600 Euro spenden. Das ist mir sehr wichtig, weil es unsere Demokratie ohne eine funktionierende Zivilgesellschaft sehr schwer hat.

Was hat Sie während der Gründung am meisten motiviert?

Das überaus positive Feedback der lieben Kundschaft. Das war schon sehr wichtig. Und die Resonanz von journalistischen Medien. Kurz nach der Veröffentlichung des „Walk The Lein“ beispielsweise, brachte die Super Illu einen kleinen Artikel über den Turnbeutel.

Heute motiviert mich, wenn Menschen auf mich zukommen und sagen, sie hätte da eine Idee für ein T-Shirt-Motiv – das ist dann wirklich fein. Und wenn ich diese Idee dann auch noch umsetzen und den Künstler*innen dann das fertige Produkt überreichen kann – das fetzt dann richtig.

Ansonsten stellt der Verkauf der eigenen Waren an sich einen erheblichen Teil der Motivation dar – in jeder Phase der Selbstständigkeit.  

Was waren die größten Stolpersteine?

Wenn man sein Business neben einer anderen Tätigkeit gründet, fehlt es hin und wieder – wegen der fehlenden Zeit – an der nötigen Fokussierung. So zahlt man dann ganz schnell ganz viel Lehrgeld, wenn man beispielsweise über 100 T-Shirts bestellt, die man eigentlich gar nicht wollte oder dass man beim Kauf einer Piaggio Ape darauf vertraut, dass die Reparaturkosten sich nur auf 300 Euro belaufen sollen – nach dem Kauf dann aber eine Null dranhängen darf.

Die größte Herausforderung aber ist die Projektleitung & Markteinführung des Rucksacks „Kiep It Real“. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dieser Weidenkiepe um ein Produkt handelt, dass zu 100% in der Oberlausitz von vier Gewerken gefertigt wird, ist man nahezu ausschließlich damit beschäftigt, diese 4 unterschiedlich arbeitenden Menschen zu einem Team zu Formen. Kommunikation ist bei diesem Vorhaben unglaublich wichtig.

Ein weiterer Stein: Der schier endlos lange Realisierungszeitraum von Projekten, die zu großen Teilen von externen Partnern erledigt werden. Geduld haben ist da eine Tugend, die man ganz schnell lernt.

Und ja, die gute, alte Buchhaltung war mit einer der größten Steine im Weg des Gründens.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Im Frühjahr möchte ich einen Rucksack auf den Markt bringen, der zu großen Teilen in der Oberlausitz produziert wird. „Kiep It Real“ sein Name. Die Form erinnert an eine Kiepe und auch der Rohstoff, nämlich Weide, ist noch jener, der vor über 150 Jahren für die Produktion des Tragkorbs eingesetzt wurde.

Im Herbst 2021 möchte ich – nach zweijähriger Projektphase – den Rucksack „Kiep It Real“ auf den Markt bringen, der in der Oberlausitz gewachsen ist und produziert wird. Die Form erinnert an eine Kiepe und auch der Rohstoff, nämlich Weide, ist noch jener, der vor über 150 Jahren für die Produktion des Tragkorbs eingesetzt wurde.

Zu guter Letzt möchte ich versuchen, das Label „LABA“ als eine Marke zu etablieren, die für alles stehen, was die Oberlausitz ausmacht bzw. ausmachen soll: Handwerk, Kreativität, Qualität, Mehrsprachigkeit, Grenzenlosigkeit, Spontanität, Genuss, Gelassenheit, Toleranz, Spaß an der eigenen Geschichte. Nor.

Welche Tipps haben Sie für unsere zukünftigen Gründer?

To-Do-Listen: Ohne die, dreht man durch.

Social Media: Die Business-Accounts bei Twitter, Instagram und Facebook sollten Günder*innen mit der gleichen Leidenschaft betreuen, wie ihren eigenen Laden. Also möglichst sofort auf Anfragen reagieren und das virtuelle Schaufenster immer schön gestaltet haben.

Buchhaltung: Todeslangweilig aber echt wichtig.

Und: Kommunikation ist alles!

Und noch: Tu das, was Du willst. Nicht das, was andere wollen. Nur dann wird es gut.

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