27. Januar 2026

Spitzenforschung in der Oberlausitz

Im Fokus der Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ stand die Frage, wie lokale Wirtschaft und Wissenschaft von regionaler Forschung profitieren.

Unter dem Motto „Spitzenforschung in der Oberlausitz – wie WIR, die lokale Wirtschaft und Wissenschaft, profitieren“ lud die Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) am 15. Januar 2026 im Rahmen der Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ zusammen mit der Industrie- und Handelskammer Dresden, der Handwerkskammer Dresden sowie dem Allgemeinen Unternehmerverband Zittau und Umgebung e.V. nach Zittau ein. 

Die Veranstaltung „Spitzenforschung in der Oberlausitz – wie WIR, die lokale Wirtschaft und Wissenschaft, profitieren“ thematisierte Entwicklungen und Perspektiven, die sich durch Großvorhaben wie die Ansiedlung des Halbleiterherstellers European Semiconductor Manufacturing Company (ESMC) in Dresden, die zukünftige Ansiedlung des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) in Görlitz oder regionale und (inter-)nationale Forschungsaktivitäten der Fraunhofer-Gesellschaft, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Hochschule Zittau/Görlitz ergeben. Welche Chancen eröffnen sich hierbei für regionale kleine und mittelständische Unternehmen in Sachsen und in der Lausitz? Wo entstehen konkrete Schnittstellen? Und wie können Wissenschaft und Wirtschaft voneinander profitieren und gemeinsam die Zukunft in der Oberlausitz gestalten?

Mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) entsteht beispielsweise in der Lausitz ein Forschungszentrum mit einem – so schreibt es das DZA auf seiner Homepage – „zukunftsweisenden wissenschaftlichen Programm: ein Zentrum für Digitalisierung, das die Datenströme astronomischer Observatorien weltweit zusammenführt, und ein Zentrum für neueste Technologien, das eng mit der Industrie und Technologiezentren in Sachsen und weltweit kooperiert.“ Aber auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Hochschule Zittau/Görlitz zeigen mit ihren Forschungsprojekten in der Region auf, wie die Oberlausitz den Strukturwandel – von einer Region mit Konzentration auf den Braunkohleabbau hin zu einer Region als potenziell attraktivem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort – erfolgreich bewältigen kann. 

Innovationen und neue Partnerschaften von Nutzen für regionale Unternehmen

"Spitzenforschung und technologieführende Unternehmen wirken oft weit entfernt – doch für die Unternehmen unserer Region eröffnet sich konkret die Chance, von Innovationen, neuen Partnerschaften und Zuliefermöglichkeiten zu profitieren. Der Hochschule Zittau/Görlitz ist es besonders wichtig, Wege aufzuzeigen, wie auch kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu unserer Hochschule, weiteren großen Forschungseinrichtungen und High-Tech-Unternehmen finden können. Als Wirtschaftswissenschaftlerin weiß ich: Forschung ist kein Selbstzweck – ihre volle Wirkung entfaltet sie erst, wenn Innovationen und neue Technologien direkt in Unternehmen fließen. Ein kontinuierlicher Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist daher entscheidend, um die Innovations- und Wirtschaftskraft der Region nachhaltig zu stärken“, sagt Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung. 

Als Wirtschaftswissenschaftlerin weiß ich: Forschung ist kein Selbstzweck – ihre volle Wirkung entfaltet sie erst, wenn Innovationen und neue Technologien direkt in Unternehmen fließen. Ein kontinuierlicher Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist daher entscheidend, um die Innovations- und Wirtschaftskraft der Region nachhaltig zu stärken.

Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung

Pioniergeist und -arbeit als Garant für Erfolg

In der Keynote Speech „Chips made in Europe – Chancen für den Mittelstand in der Oberlausitz“ skizzierten Dr. Germar Schneider, langjähriger Experte in der Halbleiterbranche und Senior Manager bei Infineon in Dresden, und Dr. Steffen Pollack, Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Fabmatics GmbH, die Entwicklung der Halbleiterindustrie in Deutschland und speziell im Raum Dresden. „Wir wollen KMUs und Forschungseinrichtungen Chancen aufzeigen, die sich für die Oberlausitz durch den Ausbau der Halbleiterfabriken im Dresdner Norden eröffnen“, sagt Germar Schneider. Schneider, gebürtig aus Augsburg, verweist bei „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ auf sein Heimatbundesland Bayern vor den 1980er Jahren, als dieses noch größtenteils von der Agrarwirtschaft geprägt war. „Heute ist Bayern ein Hightech-Land. Und in Sachsen wächst unser Hightech-Ökosystem durch Investitionen in der Halbleiterindustrie weiter – auch mit KMUs.“ 

Dr. Steffen Pollack ergänzt: „Für den Aufbau einer Firma brauchen Sie Geduld und Beharrlichkeit. Wenn Sie das kombinieren mit einer Vision, genuiner Kompetenz Ihres Unternehmens und Pioniergeist und Pionierarbeit, dann ist eine Basis für unternehmerischen Erfolg gegeben.“ Pollack gründete im Jahr 1991 die Firma HAP GmbH (Handhabungs-, Automatisierungs- und Präzisionstechnik GmbH Dresden). 13 Jahre später hatte sein Unternehmen 25 Mitarbeiter, 2026 sind es 350. 2017 nannte sich die Firma um – in Fabmatics, auch weil der Buchstabe „H“ im asiatischen Raum kaum auszusprechen sei. „Fabmatics ist heute ein national und international anerkanntes Unternehmen“, so Pollack.

Zukunftsinvestitionen entstehen durch Neugier

Wie entsteht demnach nachhaltiges und erfolgreiches Wachstum – speziell in den neuen Bundesländern? Rainer Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, sagt gegenüber dem SPIEGEL (Ausgabe vom 09. Januar 2026): „Zukunftsinvestitionen entstehen nicht durch Subventionen, sondern durch Neugier – in den Forschungsabteilungen von Unternehmen, an Hochschulen, in Start-ups. Wenn der Staat wirklich Investitionen anschieben will, muss er exzellente Forschungsbedingungen für Menschen schaffen, die aus einer Idee eine Firma formen wollen.“ Und nimmt damit (in)direkt Bezug auf den Pioniergeist und den genuinen Gründungsgedanken, den Schneider und Pollack in ihrer Keynote Speech bei „Wirtschaft und Wissenschaft“ mit dem Publikum teilen. 

Allein: Für den Freistaat Sachsen hat sich diese Neugier auf unternehmerischen Geist ökonomisch gelohnt. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg (Quelle: Der SPIEGEL, 09.01.26) sieht für Sachsen von 2014 bis 2024 einen Anstieg (preisbereinigt) des BIP (Bruttoinlandsprodukt) von 9,7 Prozent, der höchste Wert aller neuen Bundesländer. Zum Vergleich: Sachsen: +9,7 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern: +9,4 Prozent, Brandenburg: +4,1 Prozent, Thüringen: +3,5 Prozent, Sachsen-Anhalt: -0,7 Prozent. 

Forschung in die Praxis bringen

Die anschließenden Impulsvorträge bei „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ von Dr. Stefan Jakschik (Geschäftsführender Gesellschafter der ULT AG), Professorin Sophia Keil und Marcus Will (HSZG) und Dr. Uwe Riedel (Direktor des DLR-Instituts für CO2-arme Industrieprozesse) skizzierten vornehmlich den zukünftigen Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. „Unser Haus steht offen. Wissenschaft lebt vom Miteinander und vom persönlichen Austausch. An unserem Campus in Zittau und Görlitz laden vielfältige Räume dazu ein, zusammenzukommen, Ideen zu teilen und Innovationen zu entwickeln – etwa im Transferraum CELSIUZ in den Mandauhöfen in Zittau. Als Hochschule verstehen wir uns dabei als offener, lebendiger Innovationshub für die Region“, so Prof. Dr. Sophia Keil. „Das DLR sieht es als Aufgabe, Forschung in die Praxis zu bringen“, erklärt Dr. Uwe Riedel. „Chips – das ist nichts für mich. Das ist etwas für Großkonzerne, haben doch so manche der anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vorhinein der Veranstaltung gedacht. Aber: Je komplexer die jeweiligen Ökosysteme sind (hier im Bereich Halbleiter), desto größer sind auch die Chancen für kleine und mittelständische Unternehmen in der Oberlausitz, davon zu profitieren“, sagt Dr. Stefan Jakschik.

Aufbau einer kommunikativen Schnittstelle für Austausch und Dialog

Doch im Publikum und bei den Teilnehmenden ist teils auch Skepsis zu vernehmen, wie man denn überhaupt an die Forschungsinstitutionen kommunikativ herantreten soll. „Ich habe ein Unternehmen in der Büroausstattung. Soll ich mich direkt an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt wenden, wenn ich einen neuen Bürostuhl im Sortiment habe?“, heißt es pointiert aus der regionalen Zittauer Wirtschaft. „Wir brauchen eine bessere Kommunikation. Wir wissen noch nicht so richtig, wie wir an die Unternehmen und Forschungsinstitutionen überhaupt kommunikativ herankommen“, sagt Ina Ultsch, stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Unternehmensverbands Zittau und Umgebung. „Wir wissen, dass hier momentan noch eine kommunikative Schnittstelle fehlt. Deswegen wollen wir in Zukunft auch eine kommunikative Plattform aufbauen, die dies ermöglicht – einen Dialog zwischen regionalen Unternehmen in Handwerk, Wirtschaft und Wissenschaft“, so Ultsch. 

Die Handwerkskammer Dresden appelliert: „Gehen Sie an die Thementische und formulieren Sie Ihre Bedarfe. Nur im Austausch kann die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft funktionieren“, bekräftigt Daniel Hübschmann, Abteilungsleiter Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden. Die IHK Dresden bestätigt die positive Entwicklung der Standorte Görlitz/Zittau und des Dreiländerecks: „Wir sind hier im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Das ist ein Standort, bei dem es sich lohnt, ihn sowohl regional als auch national und international im Blick zu haben“, sagt Lukas Rohleder, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden

Wichtige Impulse für Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Eine begleitende Ausstellung mit Forschungsprojekten der Hochschule Zittau/Görlitz mit Thementischen lud im Anschluss an die Veranstaltung die mehr als 160 Gäste zu einem zwanglosen „Get-together“ mit Austausch und Dialog ein – und zum Ausloten von gegenwärtigen und aktuellen Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Die Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft", moderiert von Leonie Liemich, Projektkoordinatorin vom Bündnis Lausitz – Life & Technology, erwies sich demnach als wichtige Plattform für den Dialog zwischen Hochschule, Forschungseinrichtungen und regionaler Wirtschaft. Sie lieferte entscheidende Impulse für die Entwicklung der Lausitzer Region und unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit von Forschung und Unternehmen. 

„Ich bin dankbar, dass wir diese Veranstaltung bereits zum 17. Mal gemeinsam mit unseren Partnern – IHK Dresden, Allgemeiner Unternehmerverband Zittau und Umgebung e.V., Hochschule Zittau/Görlitz und Handwerkskammer Dresden – erfolgreich organisieren konnten“, so Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung. Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, sagte in seinen Begrüßungsworten: „Wenn ich sehe, wie voll der Saal ist, dann wird diese Veranstaltung ein großer Erfolg.“ 

Freistaat Sachsen strebt weitere Kooperationen in der Chipindustrie an

Die Sächsische Zeitung schreibt am 16. Januar, einen Tag nach der Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“: „Das Werben der Oberlausitz um die Chipindustrie Taiwans geht weiter. Am 18. Januar 2026 reiste der Görlitzer Bundestagsabgeordnete Florian Oest (CDU) mit dem Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz, Alexander Kratzsch, nach Taiwan. Sie gehören zu einer Gruppe von Bundestagspolitikern und Wirtschaftsvertretern wie dem IHK-Hauptgeschäftsführer Lukas Rohleder. Das Programm der Delegation ist gezielt auf den Ausbau von Kooperationen in Wissenschaft und Wirtschaft ausgerichtet.“ 

Die Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ am 15. Januar 2026 war somit ein gelungener Prolog für weitere internationale Aktivitäten des Freistaates Sachsen in Forschung und Wirtschaft – von denen auch kleine und mittelständische Unternehmen der Region in Zukunft Nutzen ziehen können. 

Text: Frank Leberecht , Fotos: Rafael Sampedro 

Foto: Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil
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