09. Oktober 2026

10 Jahre Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz: Forschung, die in der Region wirkt

Aus einem kleinen Forschungsteam ist innerhalb von zehn Jahren einer der leistungsfähigsten Forschungsstandorte für Kunststofftechnik und Leichtbau in der Oberlausitz entstanden.

Seit zehn Jahren steht das Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz in Zittau für anwendungsnahe Forschung, erfolgreichen Technologietransfer und eine besondere Verbindung zwischen Fraunhofer IWU und Hochschule Zittau/Görlitz. Zum Jubiläum am 5. Oktober 2026 wurde deutlich: Aus der engen Zusammenarbeit beider Einrichtungen ist ein hybrides Forschungszentrum entstanden, in dem gemeinsame Teams, gemeinsam genutzte Infrastruktur sowie die enge Verzahnung von Forschung, Lehre und industrieller Anwendung den Alltag prägen.

Anlässlich des Jubiläums kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik am Standort Zittau zusammen. Zu den Gästen gehörte auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der sich bei einem Rundgang durch das Technikum über aktuelle Forschungsprojekte und die Entwicklung des Standortes informierte.

Was 2016 mit sechs Mitarbeitenden begann, ist innerhalb eines Jahrzehnts auf rund 40 Beschäftigte angewachsen. Hinzu kommen etwa 15 Studierende und Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler, die regelmäßig in Forschungsprojekten eingebunden sind. Gemeinsam mit der eng mit dem FKO verbundenen Professur für Funktionsintegrierende Kunststofftechnologien der Hochschule Zittau/Görlitz werden für 2026 rund sieben Millionen Euro aus Auftragsforschung und projektbezogener Förderung erwartet. In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 80 Unternehmen und Forschungspartner eingebunden. Etwa die Hälfte der beteiligten Unternehmen stammt aus der Region.

Die Geschichte der Zusammenarbeit reicht dabei noch weiter zurück. Bereits seit 2011 arbeiten Fraunhofer IWU und die HSZG eng zusammen. Mit der Professur für Funktionsintegrierende Kunststofftechnologien wurde eine direkte personelle und fachliche Brücke zwischen beiden Einrichtungen geschaffen. Heute leitet Prof. Dr.-Ing. Sebastian Scholz das Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz und ist zugleich Professor für Funktionsintegrierende Kunststofftechnologien an der HSZG. Gemeinsame Teams und Projekte sowie eine gemeinsam genutzte Forschungsinfrastruktur verbinden beide Einrichtungen unmittelbar miteinander.

Ein gemeinsamer Forschungsstandort von Hochschule und Fraunhofer

Für Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung der Hochschule Zittau/Görlitz, liegt genau darin die besondere Stärke des Forschungsstandortes:

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Zum zehnjährigen Jubiläum des Fraunhofer-Kunststoffzentrums Oberlausitz gratuliere ich im Namen des Rektorates herzlich. Hochschule Zittau/Görlitz und Fraunhofer IWU haben hier gemeinsam ein hybrides Zentrum geschaffen: mit gemeinsamen Forschungsteams, gemeinsam genutzter Infrastruktur und einer engen Verbindung von Forschung, Lehre und industrieller Anwendung. Sebastian Scholz hat diese Entwicklung als Hochschulprofessor und Leiter des Kunststoffzentrums entscheidend geprägt. Dafür gilt ihm und seinem Team unsere besondere Anerkennung und unser Dank. Gemeinsam wollen wir den Forschungsstandort Zittau weiter stärken und neue Impulse für Innovation und Wertschöpfung in der Oberlausitz setzen.

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Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil, Prorektorin für Forschung, Transfer und Internationalisierung der Hochschule Zittau/Görlitz

Der eng verzahnte Forschungsstandort zeigt sich dabei nicht nur in gemeinsamen Projekten, sondern ganz konkret im Forschungsalltag. Anlagen der HSZG stehen in den Forschungshallen des Fraunhofer IWU und können von beiden Partnern genutzt werden. Umgekehrt profitieren Forschende und Studierende der Hochschule unmittelbar von der Infrastruktur des Kunststoffzentrums. Fraunhofer- und HSZG-Technika bilden so eine gemeinsame Forschungslandschaft.

Diese Verbindung schafft zugleich eine direkte Brücke zwischen Forschung und Lehre. Studierende arbeiten an realen Forschungs- und Industrieprojekten, nutzen moderne Anlagentechnik und erleben den Weg von der wissenschaftlichen Idee bis zum fertigen Demonstrator unmittelbar mit.

Wie lebendig diese Zusammenarbeit sein kann, zeigte erst kürzlich die internationale Summer School „Design, simulate and 3D print your own boat“. Innerhalb von fünf Tagen entwickelten Studierende in interdisziplinären Teams eigene Bootskonzepte: Von der ersten Idee über Konstruktion und Simulation bis hin zur Umsetzung im großformatigen 3D-Druck. Das entstandene Boot steht damit sinnbildlich für die besondere Verbindung von Lehre, Forschung und moderner Forschungsinfrastruktur am gemeinsamen Standort.

Von der Forschung bis in die industrielle Anwendung

Ein zentrales Ziel des Fraunhofer-Kunststoffzentrums ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit Partnern in konkrete Anwendungen zu überführen. Besonders anschaulich zeigt sich dies bei der Entwicklung von Naturfaser-Verbundwerkstoffen. Was mit ersten Versuchen begann, wird mittlerweile industriell eingesetzt. Erste Bauteile für Siemens Mobility sind bereits in Zügen im Einsatz.

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Die Entwicklung vom kleinen Team zum leistungsfähigen Forschungsstandort zeigt, welches Potenzial in der Verbindung von anwendungsnaher Forschung, Hochschule und regionalen Unternehmen steckt. Wir wollen Forschung auch künftig nicht im Labor enden lassen, sondern gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen entwickeln, die in der industriellen Praxis ankommen.

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Prof. Dr.-Ing. Sebastian Scholz, Leiter des Fraunhofer-Kunststoffzentrums Oberlausitz und Professor für Funktionsintegrierende Kunststofftechnologien an der HSZG

Die gemeinsamen Forschungsschwerpunkte reichen heute von Leichtbau und nachhaltigen Verbundwerkstoffen über additive Fertigung und Kreislaufwirtschaft bis hin zu neuen Lösungen für Energie- und Produktionstechnik. Projekte und Forschungsverbünde wie LaNDER³, das RUBIN-Bündnis EnviroPlast, Lausitz – Life & Technology oder STARK: Leichtbau und Energietechnik zeigen, wie aus der engen Zusammenarbeit langfristige Forschungsstrukturen, neue Netzwerke und konkrete Transferprojekte entstehen.

Forschung als Motor für die Region

Von dieser Verbindung profitieren auch die Unternehmen der Region. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen verfügen nicht immer über eigene umfangreiche Forschungsabteilungen oder hochspezialisierte Infrastruktur. Hochschule und Fraunhofer können gemeinsam eine Brücke schlagen: Von einer betrieblichen Herausforderung zur wissenschaftlichen Fragestellung, vom Versuch zum Demonstrator und schließlich zu neuen Produkten oder Produktionsverfahren.

Damit leistet der Forschungsstandort zugleich einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel in der Oberlausitz: Neue Kompetenzen und qualifizierte Arbeitsplätze entstehen, junge Menschen erhalten wissenschaftliche und berufliche Perspektiven, Unternehmen bekommen Zugang zu Forschung und aus wissenschaftlichen Erkenntnissen entstehen Innovation und neue Wertschöpfung.

Auch die Lage in der deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländerregion eröffnet besondere Möglichkeiten. Das FKO ist fest in Zittau und der Oberlausitz verwurzelt und zugleich international vernetzt, unter anderem durch die enge Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Liberec und weiteren Partnern der Dreiländerregion.

Gemeinsam weiter wachsen

Der Erfolg der vergangenen Jahre bringt zugleich neue Herausforderungen mit sich: Die vorhandenen Labore, Hallen und Büros stoßen zunehmend an räumliche Grenzen. Um die Dynamik des Forschungsstandortes fortzuführen, sollen deshalb auch die infrastrukturellen Voraussetzungen weiterentwickelt werden. Ziel sind zusätzliche gemeinsame Forschungs- und Transferprojekte, neue Großgeräte und ein noch besserer Zugang regionaler Unternehmen zu moderner Forschungsinfrastruktur und wissenschaftlichem Know-how.

Das Erfolgsrezept für die kommenden Jahre ist dasselbe, das den Standort bereits in seinem ersten Jahrzehnt geprägt hat: Kompetenzen bündeln, Forschung und Lehre eng verzahnen, Unternehmen frühzeitig einbinden und Innovationen in die industrielle Praxis überführen.

Zehn Jahre FKO zeigen eindrucksvoll, was daraus entstehen kann: Aus Nachbarschaft wurde Partnerschaft, aus Partnerschaft gemeinsame Forschung. Und aus Forschung entstehen Innovationen, die weit über den Standort hinaus wirken.

10 Jahre Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz beim mdr

Das MDR Fernsehen berichtete am 5. Oktober 2026 im MDR Sachsenspiegel vom Jubiläum. Hier geht es zum Video.

Foto: Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil
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Sophia Keil
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