Veranstaltungsdetails
Drei Studierende, drei Perspektiven
IAESTE-Praktika am IPM: Robotik, autonome Regelung und 3D-Visualisierung im Sommer 2026
Im Sommer 2026 begrüßte das Institut für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM) der Hochschule Zittau/Görlitz erneut drei internationale Studierende, die über die International Association for the Exchange of Students for Technical Experience (IAESTE) für bezahlte, fachbezogene Praktika vermittelt worden waren.
Hussein Aldalou, Karma Ajaj und Ema Tashkovska arbeiteten an Themen, die das breite Spektrum des Instituts widerspiegeln: kooperative mobile Robotik, sensorbasierte Fahrzeugregelung und die anschauliche 3D-Visualisierung eines innovativen Energiesystems.
Kooperative Robotik: Zwei LIMO-Roboter lösen gemeinsam eine Aufgabe
Hussein Aldalou vom Mechanical Engineering College der University of Sharjah entwickelte während seines 320-stündigen Praktikums einen kooperativen Ablauf zur autonomen Objektsuche und -aufnahme mit zwei AgileX-LIMO-Robotern. Dabei übernahm ein Roboter die Rolle des externen Beobachters: Mit einer RGB-D-Kamera erkannte er den zweiten Roboter sowie das Zielobjekt, suchte selbstständig nach beiden und bestimmte ihre relative Lage. Der zweite Roboter nutzte diese Informationen, richtete sich aus, näherte sich dem Objekt kontrolliert und nahm es mit einem MyCobot-280-Roboterarm auf.
Für die Umsetzung verband Hussein unter anderem ROS 2, KI-basierte Objekterkennung mit YOLO, Tiefenbildverarbeitung, LiDAR- und IMU-Daten sowie Verfahren zur markerlosen Lagebestimmung. Unter kontrollierten Laborbedingungen führte er die einzelnen Funktionen zu einem gestuften Gesamtablauf zusammen und erprobte diesen praktisch. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf Sicherheitsprüfungen, nachvollziehbare Versuchsdaten und eine ausführliche technische Übergabedokumentation. Damit können künftige Studierende und Forschende das System sicher wieder in Betrieb nehmen und gezielt weiterentwickeln.
Autonome Geschwindigkeitsregelung im Kleinformat
Karma Ajaj vom Department of Industrial Engineering der An-Najah National University befasste sich mit der automatischen Geschwindigkeitsregelung eines Fahrzeugs auf einer Carrera-Digital-132-Rennbahn. Ziel war es, die kontinuierliche manuelle Bedienung des Handreglers durch eine sensorbasierte Regelung zu ersetzen und dabei die vorhandene Carrera-Infrastruktur weiterzuverwenden.
Dazu montierte Karma eine kompakte Sensoreinheit aus einem ESP32-C3-Mikrocontroller und einer MPU6050-Inertialmesseinheit direkt auf dem Fahrzeug. Beschleunigungs- und Drehratendaten wurden in Echtzeit erfasst und drahtlos über ESP-NOW an einen zweiten ESP32 übertragen. Dieser unterschied anhand der Messwerte zwischen Geraden, normalen und scharfen Kurven und leitete daraus passende Geschwindigkeitsvorgaben ab. Ein 12-Bit-Digital-Analog-Wandler erzeugte anschließend das analoge Signal für die Carrera-Steuerung.
Der Demonstrator bildete damit die gesamte Kette von der Bewegungserfassung über Datenübertragung und Zustandsklassifikation bis zur automatischen Anpassung des Fahrbefehls ab. Er zeigte, wie sich Grundprinzipien autonomer Systeme mit kompakter, kostengünstiger Hardware untersuchen lassen, und schuf eine Grundlage für weitere Arbeiten - etwa zu adaptiven Regelalgorithmen, Streckenlernen oder quantitativen Vergleichen mit manuellen Fahrten.
Forschung sichtbar machen: Das AQVA-HEAT-System als 3D-Modell
Ema Tashkovska studiert Software Engineering and Information Systems an der Faculty of Computer Science and Engineering der Ss. Cyril and Methodius University in Skopje, Nordmazedonien. Vom 1. Juli bis 26. August 2026 widmete sie sich der 3D-Modellierung des Direktverdampfers der Vakuum-Flüssigeisanlage im Projekt AQVA-HEAT. Das Verfahren soll Gewässerwasser auch bei niedrigen Temperaturen als Wärmequelle für Wärmepumpen nutzbar machen. Weil die Vorgänge im Inneren der Anlage von außen kaum zu erkennen sind, sollte ein anschauliches digitales Modell den Aufbau und die Funktionsweise besser sichtbar machen.
Mit Blender modellierte Ema zentrale Bauteile wie das Laufrad des Wasserdampf-Turboverdichters, das Rührwerk im Verdampfer, die Sprühdüsen des Direktkondensators, den Kondensatauffangbereich und das umgebende Behältergehäuse. Anschließend setzte sie die Komponenten zu einer vollständigen Szene zusammen und ergänzte Materialien sowie Prozess- und Bewegungseffekte. Neben einer Edelstahlvariante mit sichtbarem Dampf entstand auch eine transparente Gehäuseversion, durch die Verdichter, Kondensation und Flüssigkeitsbereiche im Inneren beobachtet werden können.
Die daraus erzeugten Renderings und Animationen schaffen eine wertvolle Grundlage, um die komplexe Anlagentechnik künftig in Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation verständlich zu vermitteln. Gleichzeitig dokumentierte Ema offene Erweiterungsmöglichkeiten - von zusätzlichen Rohrleitungen und Armaturen über eine realistischere Darstellung des Flüssigeises bis hin zu weiterführenden Prozessanimationen.
Internationale Impulse für Forschung und Lehre
Die drei Praktika zeigen, wie IAESTE fachbezogene Praxiserfahrung, internationale Zusammenarbeit und interkulturelle Begegnung miteinander verbindet. Während Hussein ein komplexes Robotersystem integrierte und für die Weiterarbeit dokumentierte, entwickelte Karma einen Demonstrator für autonome Regelung. Ema wiederum machte einen technisch anspruchsvollen Energieprozess in einem dreidimensionalen Modell sichtbar.
Wir bedanken uns herzlich bei Hussein, Karma und Ema für ihr Engagement, ihre Ideen und ihre hervorragende Arbeit und wünschen ihnen für ihren weiteren Weg alles Gute. Unser Dank gilt ebenso Daniel Fiß und Johann Meyer-Scheffel für die fachliche Betreuung sowie Simone Kunze für die wertvolle administrative Unterstützung.
Gemeinsam über Grenzen hinweg
Neben der intensiven Arbeit im Labor kam auch das Erleben der Region nicht zu kurz. Die Studierenden entdeckten gemeinsam mit Simone bei Wanderungen das Zittauer Gebirge und unternahmen Wochenendtrips in europäische Metropolen wie Dresden, Berlin, Prag und München. Durch diese gemeinsamen Erlebnisse sind enge Bindungen entstanden, und die internationalen Gäste haben schnell feste deutsche studentische Freunde gefunden, die weit über die Praktikumszeit hinausreichen.
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