06. Februar 2026

HSZG startet Family Business Initiative

Beim Auftakttreffen der „Family Business Initiative“ standen Kooperationsansätze von Wissenschaft und Wirtschaft bei Themen wie Nachfolge, Innovation und Wachstum sächsischer Familienunternehmen im Mittelpunkt.

Das Auftakttreffen der „Family Business Initiative für Innovation und Nachfolge in Sachsen (FBI@HSZG)“ am 19. Januar am Campus Görlitz der Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) diskutierte Ansätze und Ideen, wie Wissenschaft und Wirtschaft bei den Themen Nachfolge, Innovation und Wachstum sächsischer Familienunternehmen erfolgreich kooperieren können. Mit vier konkreten Lösungsansätzen innerhalb der „Family Business Initiative“ will die HSZG gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft die Themen Innovation, unternehmerische Praxis, Gründergeist und Nachfolgeregelung in Sachsen dynamisch angehen. 

Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft hat berechnet, dass im Freistaat Sachsen bis 2030 jährlich 1.500 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Aufgrund demografischer Entwicklungen werde es immer schwieriger, einen passenden Nachfolger zu finden. Von hoher wirtschaftspolitischer Relevanz sei es, dass möglichst viele Unternehmensnachfolgen gelingen – als Garant für die Innovationsfähigkeit und Wirtschaftskraft Sachsens. 

„Familienunternehmen sind ein großer Baustein der wirtschaftlichen Entwicklung – hier vor Ort, hier in der Region. Diese Unternehmen haben auch eine große Bindung an die Region. Dieses Zusammenspiel – wir haben hier unsere Wurzeln, wir entwickeln uns aus der Region heraus und schaffen Wachstum für die Region – ist meines Erachtens eine gelungene Symbiose. Wir sollten Kraft darauf geben, dass wir (regionale) Familienunternehmen weiter stärken“, sagt Dr. Katrin Leonhardt, Vorstandsvorsitzende der Sächsischen Aufbaubank, eine der ca. 25 Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung der „Family Business Initiative“. Auch Octavian Ursu, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, Thomas Zenker, Oberbürgermeister der Stadt Zittau, sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Unternehmerverbände aus der Wirtschaft, u.a. des Ostdeutschen Wirtschaftsforums (OWF) und der IHK Dresden, nahmen an der Veranstaltung teil. 

Familienunternehmen sind Stabilitätsanker der regionalen Wirtschaft

„Familienunternehmen sind ein zentraler Stabilitätsanker unserer regionalen Wirtschaft. Mit der ´Family Business Initiative´ der Hochschule begleiten wir Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Nachfolgerinnen und Nachfolger, befähigen junge Talente zum Unternehmertum und schaffen starke Netzwerke – unter anderem mit einer jährlich geplanten Leuchtturm-Konferenz als Plattform für Austausch, Inspiration und Zusammenarbeit. Gleichzeitig entwickeln wir als Hochschule Technologien und Innovationen für neue Geschäftsfelder. So gestalten wir aktiv den Strukturwandel, sichern Nachfolge, stärken Innovationskraft und leisten einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Entwicklung“, sagt Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin Forschung, Transfer und Internationalisierung. 

Vier konkrete Schritte der „Family Business Initiative“: Jahreskonferenz, Weiterentwicklung von Studiengängen, Unternehmer-Trendbarometer, Saxonia Young Leaders Award   

Die HSZG stellte insbesondere vier konkrete Schritte der „Family Business Initiative“ vor. Zum einen soll mit einer jährlichen „Konferenz der Sächsischen Familienunternehmen“ eine Leuchtturm-Veranstaltung mit einem jährlichen Fokusthema initiiert werden – dies als Leistungsschau des sächsischen Unternehmertums und des Technologietransfers sowie als Plattform für Vernetzung und Dialog. Im Bereich Wissenstransfer und Anwendung strebt die HSZG – zusammen mit der regionalen Wirtschaft – eine curriculare und modulare Weiterentwicklung von Studiengängen und den Ausbau von fachspezifischen Seminaren an. Die Region könne hier speziell durch die Stärkung des Unternehmertums innerhalb der jungen Generation profitieren. Als dritten Schritt können ein geplantes „Sächsisches Unternehmer-Trendbarometer“ und ein 10-jähriges Panel unter dem Motto „Now & NextGen“ die regionale Wirtschaft zielgerichtet begleiten und aktuelle und wesentliche Herausforderungen identifizieren. Last, but not least: Durch die Verleihung eines jährlichen Preises – des Saxonia Young Leaders Award für herausragende Nachfolge in Sachsen – bekämen junge Unternehmerinnen und Unternehmer Aufmerksamkeit und Medienecho – was auch für die Region von überregionalem Nutzen sein kann. 

Familienunternehmen müssen sich immer wieder neu erfinden

Aber was zeichnet Familienunternehmen aus und was sind hier noch Schwachstellen in Sachsen für familiengeführte Unternehmen? „Ich denke, was Familienunternehmen vor allem auszeichnet, ist eine langfristige Perspektive. Ein Familienunternehmer denkt häufig daran, dass er sein Unternehmen an die nächste Generation übergeben möchte, aber nicht kurzfristig für das nächste Quartal, sondern wirklich auf einer langfristigen Skala. Und eine besondere Herausforderung für Ostsachsen ist, dass die Familienunternehmen hier eher kleiner sind als in den westlichen Bundesländern. Sie haben auch noch nicht so eine hohe Kapitaldecke. Auf der anderen Seite sind sie sehr innovativ und müssen sich immer wieder neu erfinden. Und beschränkte Ressourcen fördern ja bekanntermaßen die Kreativität“, gibt Dr. Stefan Jakschik, geschäftsführender Gesellschafter der ULT AG, einen Überblick über den Status quo in Sachsen. „Eine gelungene Nachfolge zu gestalten, ist ja nicht nur ein kurzer Moment in der jeweiligen Geschichte des Unternehmens, sondern teils ein langwieriger Prozess, der über Jahre dauern kann“, merkt Claudia Peschel-Goltz, geschäftsführende Gesellschafterin der Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei, in der teils sehr lebhaften Diskussion an. 

Unternehmertum stärker in Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik verankern 

„Wir können sehr froh sein, dass es die Familienunternehmen gibt. In Ostsachsen und in der Oberlausitz gibt es sehr viele kleine und mittelständische Unternehmen, davon eine große Anzahl Familienunternehmen. Die ´Family Business Initiative´ hat sich zusammengefunden, um diesen eine Weiterentwicklung zu ermöglichen, z. B. Nachfolgeregelungen besser zu gestalten – und dies ganz im Sinne der Kommunen“, sagt Thomas Zenker, Oberbürgermeister der Stadt Zittau. Octavian Ursu, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz, ergänzt: „Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich die Hochschule Zittau/Görlitz hier präsentiert und positioniert.“ 

Achim Oehlgarth, Vorstand des Ostdeutschen Bankenverbands, sieht in der „Family Business Initiative“ der HSZG eine sehr gute Basis für weitere Netzwerkaktivitäten und Kooperationen: „Die ´Family Business Initiative´ bietet eine sehr gute Grundlage, um die Familienunternehmen im Freistaat stärker sichtbar zu machen – mit mehr Wertschätzung und strategischer Tiefe. Besonders positiv ist der Ansatz, Unternehmertum stärker in Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik zu verankern. Entscheidend wird nun sein, die bestehenden Akteure und Institutionen in Sachsen stärker zu bündeln, um akademische, praktische und kommunikative Schlagkraft zu entfalten“, so Oelgarth. 

Sachsen ist das Unternehmerland Ostdeutschlands

„Sachsen ist das Unternehmerland Ostdeutschlands. Besonders die vielen Familienunternehmen, vielfach gegründet nach der Wiedervereinigung, stehen heute vor entscheidenden Herausforderungen im Kontext der Nachfolge und des weiteren Wachstums. Wir sind als HSZG dankbar, dass wir im Rahmen der ´Family Business Initiative´ 20 Vertreterinnen und Vertreter intersektoral namhafter Organisationen gewinnen konnten, um konkrete Lösungsansätze, Angebote und Synergien des gemeinsamen Engagements auszuloten. Der Anfang ist gemacht – nun gilt es, dieses Momentum gemeinsam weiter auszubauen“, sagt Prof. Dr. René Sadowski von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen der HSZG. 

Dieses Momentum wurde im Anschluss an die Auftaktveranstaltung der „Family Business Initiative“ unmittelbar erfolgreich genutzt. Die HSZG stellte die Initiative am selben Tag abends auch beim Neujahrsempfang der Stadt Görlitz vor – in Anwesenheit von etwa 300 Gästen bzw. Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Medien und Politik. Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer war zu Gast. 

Text: Frank Leberecht 
Fotos: Social Media HSZG 

Foto: Prof. Dr. rer. pol. Sophia Keil
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