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Herzenssache Zukunft: Rekordandrang zur Eröffnung des Wissenschaftsjahres an der HSZG
Knapp 180 Gäste erlebten einen spannenden Abend rund um die Medizin der Zukunft. Hochkarätige Keynotes, Einblicke in die Forschung der HSZG und lebendige Diskussionen zeigten, wie Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft gemeinsam Zukunft gestalten.
Knapp 180 Gäste, hochkarätige Einblicke in die Medizin von morgen und lebendige Diskussionen über Chancen und Verantwortung neuer Technologien: Mit einem Teilnehmendenrekord eröffnete die Hochschule Zittau/Görlitz am 4. November ihr Wissenschaftsjahr 2026/27. Unter dem Motto „Herzenssache Zukunft: Gemeinsam die Medizin von morgen gestalten“ wurde der Campus Zittau zum Treffpunkt für Wissenschaft, medizinische Praxis und Gesellschaft.
Wie werden wir in Zukunft Krankheiten erkennen und behandeln? Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz, Robotik und Biotechnologie? Und wie gelingt es, bei all den technologischen Möglichkeiten den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren?
Dass diese Fragen viele Menschen bewegen, zeigte sich am 4. November im Audimax der Hochschule Zittau/Görlitz. Knapp 180 Gäste waren zur feierlichen Eröffnung des Wissenschaftsjahres 2026/27 gekommen. Ein neuer Teilnehmendenrekord. Forschende, Studierende, medizinische Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erlebten einen Abend, der wissenschaftliche Erkenntnisse mit konkreten Zukunftsperspektiven verband.
Mit dem Jahresthema „Medizin der Zukunft“ greift die HSZG zugleich das bundesweite Wissenschaftsjahr 2026 auf. Dass die Herausforderungen unserer Zeit nur gemeinsam und über Fachgrenzen hinweg zu bewältigen sind, unterstrich Prof. Dr. Sophia Keil, Prorektorin für Forschung, Transfer und Internationalisierung, bereits im Vorfeld der Veranstaltung:
Die großen Zukunftsfragen lassen sich nicht aus nur einer Perspektive beantworten. Medizinische Innovation, Künstliche Intelligenz und Robotik gehören ebenso dazu wie Klima, Bildung und die Frage, wie wir wissenschaftliche Erkenntnisse in die Gesellschaft bringen.
Nach der feierlichen Begrüßung durch die Prorektorin richteten auch Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker und Prof. Dr. Andreas Hoff, Direktor des Instituts für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik (GAT), Grußworte an die Gäste. Für das GAT-Institut bot der Abend zugleich einen besonderen Anlass: Es feierte sein zehnjähriges Bestehen und begleitete das Wissenschaftsjahr als Wissenschaftspate.
Wenn das Krankenhaus selbst zum Teil der Therapie wird
Ein medizinischer Notfall sorgte für eine kurzfristige Änderung im Programm: Prof. Dr. Gerhard Hindricks von der Charité Berlin konnte nicht persönlich nach Zittau kommen, da er kurzfristig zu einer Notoperation gerufen worden war. Seinen Vortrag „The Future of Cardiology: Digital Cardiovascular Health“ hielt er deshalb digital zugeschaltet und nahm das Publikum dennoch mit auf eine eindrucksvolle Reise in die Zukunft der Herzmedizin.
„Wir müssen früher erkennen und früher behandeln. Wir müssen über kontinuierliche Behandlungspfade sprechen und Platz schaffen für digitale Gesundheitsräume“, betonte Hindricks. Anhand statistischer Entwicklungen im Herz-Kreislauf-Bereich verdeutlichte er, wie dringend Deutschland digitale Technologien in der medizinischen Versorgung voranbringen müsse. Ein Beispiel dafür ist die geplante digitale Modellklinik des Deutschen Herzzentrums der Charité Berlin.
Auf rund 30.000 Quadratmetern soll dort ein Krankenhaus entstehen, das Gesundheit ganzheitlich denkt. Nicht allein modernste Medizintechnik steht im Mittelpunkt, sondern auch die Architektur selbst: Licht, Geräuschkulisse, Orientierung und Raumgestaltung sollen Heilungsprozesse unterstützen und zugleich die Arbeitsbedingungen des medizinischen Personals verbessern.
Hinzu kommen digitale Plattformen, intelligente Krankenzimmer zur Erfassung von Vitalparametern, Robotik und KI-gestützte Anwendungen. Sie sollen Patientinnen und Patienten künftig nicht nur während eines Krankenhausaufenthalts begleiten, sondern entlang ihres gesamten Behandlungspfades: von der Früherkennung über die Therapie bis zur Prävention.
Für Prof. Hindricks ist Künstliche Intelligenz dabei weit mehr als ein Instrument zur Effizienzsteigerung. Sie birgt auch die Chance, Gesundheitsversorgung zugänglicher und gerechter zu gestalten.
Ein Roboter im OP – und der Mensch bleibt entscheidend
Wie technologische Innovationen bereits heute im klinischen Alltag ankommen, zeigte anschließend Prof. Dr. Stefan Zeller vom Städtischen Klinikum Görlitz.
Sein Vortrag „Neue technische Möglichkeiten in der Medizin am Beispiel eines OP-Roboters“ führte das Publikum unmittelbar in den Operationssaal. Anhand eindrucksvoller Bilder und konkreter medizinischer Verfahren erläuterte er die Einsatzmöglichkeiten des Da-Vinci-Robotersystems.
Die Vorteile sind vielfältig: präzisere Eingriffe, geringerer Blutverlust, weniger Schmerzen und eine schnellere Wundheilung. Auch die Aufenthaltsdauer auf Intensivstationen kann durch schonendere Operationsverfahren reduziert werden. Dabei räumte Zeller mit einem möglichen Missverständnis auf:
Die OP-Robotik ersetzt nicht den operierenden Menschen. Sie erweitert dessen Möglichkeiten und unterstützt die medizinische Arbeit.
Dass moderne Medizintechnik nicht immer nur theoretisch und abstrakt sein muss, bewies der Vortrag ebenfalls. Mit Aufnahmen direkt aus dem Operationssaal, darunter Einblicke, die sonst vor allem medizinischem Fachpersonal vorbehalten bleiben, sorgte Prof. Zeller für Staunen im Publikum.
Forschung aus Zittau: Wenn Tumore sichtbar werden
Dass die Medizin der Zukunft nicht nur an großen Universitätskliniken entsteht, sondern auch unmittelbar an der HSZG, zeigte der anschließende Programmpunkt „Young Scientists@HSZG“. Moderatorin Victoria Hohlfeld begrüßte Frau Prof. Dr. Elisa Wirthgen und die Nachwuchsforschenden Pia Schubert und Ali Al Hamad aus der Nachwuchsforschergruppe „Toolbox Biomedizin“ zum Gespräch.
Im Mittelpunkt stand eine spannende Frage: Wie lassen sich Tumore mithilfe spezifischer Biomarker erkennen und sogar sichtbar machen?
Die Antwort liegt im Zusammenspiel unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Während Pia Schubert als Chemikerin molekulare Verbindungsstücke entwickelt, mit denen Antikörper gezielt modifiziert werden können, bringt Ali Al Hamad die mikrobiologische Perspektive ein. Er erklärte unter anderem, wie Bakterien für die Herstellung von Antikörpern genutzt werden, die anschließend bestimmte Zielstrukturen erkennen und binden können.
Besonders deutlich wurde im Gespräch, dass wissenschaftlicher Fortschritt selten aus einem einzigen großen Durchbruch besteht. Rückschläge im Labor gehören dazu. Für Pia Schubert sind sie kein Scheitern im eigentlichen Sinne, sondern wichtige Erkenntnisse auf dem Weg zu neuen Lösungen.
Frau Prof. Wirthgen hob die besondere Stärke des Forschungsstandortes Zittau hervor: Die enge Zusammenarbeit verschiedener Grundlagenwissenschaften ermöglicht es, Forschungsprozesse von der Identifikation neuer Sequenzen über die Herstellung und Modifikation von Antikörpern bis zu deren Testung gemeinsam abzudecken. Ein Standortvorteil, der neue Denkansätze ermöglicht und die Forschungsstärke der HSZG sichtbar macht.
Ausgezeichnete Leistungen: Wissenschaftlicher Nachwuchs im Rampenlicht
Ein weiterer Höhepunkt des Abends gehörte den Menschen, die mit ihren Leistungen die Zukunft von Wissenschaft und Hochschule mitgestalten. Im Rahmen der Fördervereinspreisverleihung würdigte Prof. Falk Maiwald stellvertretend für den Fördervereinsvorsitzenden Mario Linack die besonderen Leistungen von fünf Preisträgerinnen und Preisträgern. Luise Kieschnick, Bodo Mauksch, Nathalie Lange, Janine Goliaß und Jim Marlin Gerschwitz wurden jeweils mit einer persönlichen Laudatio geehrt.
Anschließend überreichte Prof. Dr. Sophia Keil den Al-Makhawi-Preis der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen an Johann Markus Paul. Der Absolvent der Betriebswirtschaft wurde für seine herausragenden Studienleistungen und seine wissenschaftliche Abschlussarbeit zur Prognosegenauigkeit der Elliott-Wellen-Theorie ausgezeichnet.
Die Ehrungen machten deutlich: Die Zukunft der Wissenschaft lebt nicht allein von technischen Innovationen, sondern vor allem von engagierten Menschen, die mit Neugier, Ausdauer und neuen Ideen an Lösungen arbeiten.
Medizin von morgen: Technisch möglich, aber auch gesellschaftlich gewollt?
Wie viel Digitalisierung verträgt die Medizin? Wer trägt die Verantwortung, wenn KI Entscheidungen unterstützt? Und wie lässt sich sicherstellen, dass neue Technologien tatsächlich bei den Menschen ankommen?
Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der abschließenden Podiumsdiskussion „Wie gestalten wir die Medizin von morgen – innovativ, verantwortungsvoll und nah am Menschen?“.
Mit Prof. Dr. Dr. Erik Hahn, Prof. Dr. Gerhard Hindricks, Prof. Dr. Andreas Hoff, Prof. Dr. Karin Fester und Prof. Dr. Elisa Wirthgen trafen medizinrechtliche, klinische, sozialwissenschaftliche und biotechnologische Perspektiven aufeinander.
Hindricks beteiligte sich erneut digital zugeschaltet an der Diskussion.
Schnell wurde deutlich, wie eng technologische Möglichkeiten und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind.
Prof. Hahn sprach sich für die Chancen der Digitalisierung aus, betonte jedoch zugleich die unverzichtbare menschliche Verantwortung. Die rasant wachsenden medizinischen Datenmengen und neue KI-Anwendungen stellen auch das Recht vor Herausforderungen. Neben Datenschutz und Regulierung berühren medizinische Innovationen zunehmend grundlegende ethische Fragen.
Prof. Fester lenkte den Blick auf die personalisierte Medizin. Maßgeschneiderte Therapien und neue zellbasierte Verfahren eröffnen große Chancen, sind aber häufig mit erheblichen Kosten verbunden. Mit Forschungsansätzen wie dem „Green Pharming“, bei dem Pflanzen für biotechnologische Produktionsprozesse genutzt werden, entstehen Perspektiven für nachhaltigere und wirtschaftlichere Verfahren.
Prof. Wirthgen ergänzte die Diskussion um die Möglichkeiten moderner Zelltherapien und die gezielte Steuerung biologischer Prozesse. Gerade hier könne die Biotechnologie entscheidende Beiträge leisten.
Für Prof. Hoff stand die Frage im Mittelpunkt, wie neue Technologien gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden können, die sie später nutzen sollen. Er verwies auf das Potenzial digitaler Fernbehandlung für ländliche Regionen, in denen medizinische Versorgung zunehmend unter Druck gerät.
Zugleich plädierte er für eine konsequente Beteiligung der Zielgruppen an Forschungs- und Entwicklungsprozessen. Technologischer Fortschritt müsse partnerschaftlich und auf Augenhöhe gestaltet werden.
Auch die Schattenseiten neuer Entwicklungen kamen zur Sprache: der hohe Energiebedarf Künstlicher Intelligenz, die Kosten innovativer Therapien und die Frage, wie medizinische Fachkräfte mit der Geschwindigkeit des technischen Wandels Schritt halten können.
Dass die Diskussion weit über das Podium hinausreichte, zeigte sich an den zahlreichen interessierten und differenzierten Fragen aus dem Publikum. Der Austausch machte deutlich: Die Medizin der Zukunft wird nicht allein in Laboren, Kliniken und Entwicklungsabteilungen gestaltet. Sie braucht den Dialog mit der Gesellschaft.