08. September 2026

Psychisches Wohlbefinden in der Langzeitpflege stärken

Das europäische Forschungsprojekt WELL CARE untersucht, wie pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte besser unterstützt werden können – durch konkrete Angebote ebenso wie durch geeignete politische Rahmenbedingungen.

Wer langfristig für andere sorgt, braucht selbst Unterstützung. Wie das konkret gelingen kann, untersucht WELL CARE mit Partnern in fünf europäischen Ländern. Beim 23. IAGG-Weltkongress für Gerontologie in Amsterdam war das europäische Forschungsprojekt mit zwei thematisch unterschiedlichen Symposien vertreten. Auch Forschende der Hochschule Zittau/Görlitz brachten sich in beide ein: Das erste Symposium nahm konkrete Unterstützungsangebote für Pflegende in den Blick, das zweite untersuchte den Einfluss von Pflegepolitik und Pflegesystemen auf ihr psychisches Wohlbefinden.

Symposium 1: Was Pflegende konkret unterstützen kann

WELL CARE hat bestehende Unterstützungsansätze systematisch untersucht. Aus 40 ausgewählten Good Practices wurden zehn Fallstudien aus fünf europäischen Ländern vertieft analysiert.

Im ersten Symposium stellte das Projektteam unterschiedliche Ansätze vor: Teams für „Assertive Community Treatment“ in Schweden, individuelle Pflegepläne für pflegende Angehörige in Italien, Schulungsangebote und ein Qualitätsmodell in Slowenien sowie den deutschen Online-Beratungsdienst „Pflegen & Leben“. Diesen präsentierte Katja Knauthe von der Hochschule Zittau/Görlitz. Gemeinsam mit weiteren Projektpartnerinnen stellte sie außerdem Lösungsansätze aus Deutschland und den Niederlanden vor, die derzeit erprobt werden.

Ein wichtiger Bestandteil von WELL CARE sind partizipative Methoden: Unterstützungsangebote sollen nicht nur für, sondern gemeinsam mit Pflegenden entwickelt werden. So sollen Lösungen entstehen, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren, die Angehörige pflegen oder professionell in der Langzeitpflege arbeiten.

Symposium 2: Wie Pflegepolitik das Wohlbefinden beeinflusst

Im zweiten WELL CARE-Symposium wechselte die Perspektive: Im Mittelpunkt standen nicht einzelne Unterstützungsangebote, sondern die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen der Langzeitpflege. Untersucht wurde, wie sich unterschiedliche Pflegesysteme auf das psychische Wohlbefinden von Pflegenden auswirken.

Unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Hoff von der Hochschule Zittau/Görlitz wurden die Pflegesysteme in Schweden, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Slowenien betrachtet. Trotz ihrer Unterschiede zeigt sich eine Gemeinsamkeit: Alle fünf Länder sind auf informell Pflegende und professionelles Pflegepersonal angewiesen. Beide Gruppen stehen jedoch unter wachsendem Druck. Katja Knauthe von der HSZG stellte dabei das deutsche Länderprofil vor.

Die Länderanalysen machen deutlich, welche Bedeutung das psychische Wohlbefinden der Menschen hat, die Pflege leisten. Es ist eine wichtige Voraussetzung dafür, Langzeitpflege dauerhaft sicherzustellen. Die Ergebnisse der politischen Analyse sind in Länderprofilen zusammengefasst und über die Projektwebsite zugänglich.

Forschung für eine nachhaltige Langzeitpflege

WELL CARE untersucht von 2024 bis 2027 in fünf europäischen Ländern, wie sich Resilienz und psychische Gesundheit von pflegenden Angehörigen und professionellen Pflegekräften stärken lassen. Neben bewährten Maßnahmen nimmt das Projekt neue Lösungsansätze und deren Übertragbarkeit auf unterschiedliche nationale und kulturelle Kontexte in den Blick.

An der Hochschule Zittau/Görlitz wird das Teilprojekt am Institut für Gesundheit, Altern, Arbeit und Technik (GAT) unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Hoff bearbeitet. WELL CARE wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizont Europa“ der Europäischen Union gefördert. Die Leitung des europäischen Forschungsprojekts liegt bei Prof. Elizabeth Hanson von der Linnaeus-Universität in Schweden.

Weitere Informationen sowie Berichte und Fallstudien gibt es auf der Projektwebsite von WELL CARE.

Foto: Prof. Dr. Andreas Hoff
Prof. Dr.
Andreas Hoff
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