ADO Akteursnetzwerk für demografische Perspektiven in der Oberlausitz (2008-2011)

 

Projektförderung durch die Sächsische Staatskanzlei nach der "Förderrichtlinie Demographie"

 

 

Kurze Projektbeschreibung

Die Oberlausitz, dabei besonders deren ländliche, östliche und nördliche Teile, wird früher und stärker als fast alle anderen Regionen Deutschlands vom demografischen Wandel betroffen. Die Ursachen sind bekannt: Einerseits zu geringe Geburtenrate und andererseits Abwanderung besonders junger Menschen, dabei noch dazu besonders qualifizierte Leute und junge Frauen als potenzielle Mütter. Die daraus erwachsenden Probleme sind bekannt: kommender Mangel besonders an hochqualifizierten Fachkräften, Überalterung, Entwertung bestehender Infrastruktur, geringere Einnahmen der Kommunen u.a. 
Es hilft jedoch wenig darüber zu klagen. Und Krisen bieten aus anderer Sicht immer auch neue Chancen. Daher geht es zum einen darum, die Wandlungsprobleme durch geeignete Maßnahmen zu mildern. Zum anderen kann es sinnvoll sein, den Blickhorizont weit zu öffnen und zu sehen, ob es nicht auch Gegenstrategien gegen Bevölkerungsverluste gibt.
Da viele andere Projekte sich der ersten Handlungsstrategie widmen, konzentriert sich das vorliegende Projekt auf die zweite. Dazu sucht es nach und erforscht diesbezüglich erfolgreiche Strategien in anderen Ländern. Und es versucht, aus regionalen Akteuren von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur ein Netzwerk zu knüpfen, um so möglicherweise einige dieser anderswo erfolgreichen Strategien langfristig gesehen regional implementierbar zu machen.
Dabei geht es um die Suche nach Gegenstrategien für beide o.g. Ursachendimensionen:
A) Gegenstrategien gegen die Abwanderung junger Menschen
B) Gegenstrategien gegen zu geringe Geburtenraten
C) Herausarbeiten von Bedingungen der Verbesserung regionaler Attraktivität
(endogene Potentiale) für die Ansiedlung, Rückkehr und Stärkung regionaler 
sowie sozialer Stabilität, inklusive der Darstellung von Zukunftsperspektiven.
Die bewilligte Projektlaufzeit ist Juli 2008 bis Juni 2009. Das Projekt ist an die Hochschule Zittau Görlitz und den dortigen Fachbereich Wirtschaftswissenschaften angebunden und für diese Laufzeit mit zwei halben Forschungsstellen ausgestattet.

Erste Forschungsergebnisse

 

Aus unseren bisherigen Analysen vorhandener Studien und Strategien und Erfolgsrezepte schälen sich drei erste Forschungs- und mögliche spätere Handlungsstränge heraus, die beide Ursachendimensionen positiv beeinflussen könnten:
I. Die nordeuropäischen Länder, die als einzige in Europa einer reproduktiven Geburtenrate nahe kommen, ermöglichen bereits seit längerem eine im Vergleich zum restlichen Europa starke Individualisierung der Lebenszeit. Die auch in Deutschland nach wie vor stark normierte und relativ starre Aufeinanderfolge von Ausbildung, Erwerbsarbeit und Rente – welche gerade bei auf Karriere setzenden qualifizierten Frauen kaum Freiräume für vielfaches Muttersein hat – ist in jenen Ländern patchworkartig vielfältig differenziert. Durch Modelle von individuell beliebig für weitere Ausbildungen oder Elternschaft unterbrechbarer Lebensarbeitszeit gelingt es dort offenbar, den Werten und Gefühlen von Mutter- und Elternschaft ausreichend Gegengewicht gegenüber dem die Moderne stark prägenden Ethos von Arbeits- und Karriereerfolg einzuräumen. Diesbezüglich wäre transdisziplinär zu erforschen, inwieweit es möglich ist, in der Region bzw. in einem ihrer Landkreise bzw. in einzelnen Unternehmen solche flexibleren Konzepte von Lebensarbeitszeit praktisch umzusetzen.
II. Menschen folgen offenbar mehrdimensionalen Motivationsgefügen, von denen hohes Einkommen und berufliche Karriere nur zwei Dimensionen sind. Andere, die laut verschiedener Zukunftsstudien perspektivisch stärker als bisher Bedeutung erlangen werden, sind authentische soziale Einbettung, anregende soziokulturelle Netzwerke und fühlbarer Lebenssinn. Diesbezüglich wäre zu erforschen, ob die Region bzw. eher einzelne Kommunen oder Stadtteile attraktive Bedingungen für die Entwicklung dieser erweiterten Motivationsdimensionen entwickeln und so junge Menschen aus anderen Region anziehen können. In diesem Zusammenhang von Bedeutung ist auch die Analyse des unten als III. skizzierten Forschungsstrangs.
III. Das vor ca. 15 Jahren von der sächsischen Landesregierung und dem Institut für Sozialökologie der Humboldt-Universität Berlin initiierte Modellprojekt „LebensGut Pommritz“ verzeichnet sowohl Zuwanderung von jungen, zum Teil hochqualifizierten Personen aus anderen Regionen als auch eine für deutsche Verhältnisse erstaunliche Geburtenrate von ca. 2,4 je Frau (deutscher Durchschnitt ist ca. 1,4). Diesbezüglich wäre transdisziplinär zu erforschen, worauf dieses demografische Positivphänomen konkret beruht und inwiefern diese für die dortige Kohorte durch eine staatlich legitimierte und wissenschaftlich geleitete Sondersituation entstandenen Ursachen auf andere Teile der Region übertragbar sein könnten.

Weitere Forschungs- und Aktionsschritte

 

Als nächste Schritte sind geplant:
- weitere Analyse von vorhandenen Studien und positiven Strategien aus anderen Regionen 
- Information und Befragung von ausgewählten wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen, kulturellen u.a. Akteuren der Region; zur Gewinnung von weiteren Information aus der Region und zur Vorbereitung eines potenziellen Akteursnetzwerkes
- Durchführung einer Zukunftswerkstatt zum Thema als Beginn der kollektiven Netzwerkarbeit

Kontakt

 

Prof. Dr. Eckehard Binas

undefinedpraesident(a)fh-potsdam.de

Tel.: 0331-580 1001

Publikation

„ADO - Akteursnetzwerk für demografische Perspektiven der Oberlausitz“ Ziele, Probleme und Ergebnisse eines transdisziplinären Forschungsprojekts

in: E. Binas (Hrsg.): "Die Neue Region" Gesellschaftliches Labor für gelingendes Leben, Peter -Lang-Verlag, 2012

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