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Wandel vor Ort gestalten

17. Dez. 2013

Unter dem Titel „Wandel vor Ort gestalten. Neue Governance-Formen im gesellschaftlichen Transformationsprozess“ lud das undefinedInstitut für Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung an der Hochschule Zittau/Görlitz (TRAWOS) zu seiner 7. Novembertagung am 29.11.2013 auf den Hochschulcampus in Görlitz ein.
In diesem Jahr wurde die Veranstaltung in Kooperation mit dem Landkreis Görlitz und dem Bündnis Zukunft Oberlausitz unter der Leitung von Prof. Raj Kollmorgen (Fakultät Sozialwissenschaften) und Vertretungsprof. Maik Hosang (Fakultät Management- und Kulturwissenschaften) realisiert. Die Organisation lag in den Händen von Frau Katrin Treffkorn (Dipl.-Kffr.) und Frau Susanne Schwarzbach (MA).
An der Veranstaltung nahmen knapp 100 Gäste teil, die zusammen mit über 10 ReferentInnen in verschiedenen Formaten diskutierten, wie gegenwärtige und zukünftige Wandlungsprozesse angemessen vor Ort gestaltet und gesteuert werden können.
Am Vormittag legten drei Vorträge das Fundament für die weitere Debatte. In ihnen wurden nicht nur Möglichkeiten und Grenzen verschiedener sozialer Koordinations- bzw. Governanceformen in Reform- und gesellschaftlichen Umbruchprozessen thematisiert (Prof. Kollmorgen), sondern auch danach gefragt, welche Subjektivitätsformen heute geeignet erscheinen, um gesellschaftliche Evolutionsprozesse anzuregen und solidarisch zu realisieren (Dr. Hosang). Darüber hinaus beschäftigte sich insbesondere Frau Dr. Heike Walk (TU Berlin) mit den Partizipationschancen in gegenwärtigen Wandlungsprozessen. Sie verwies auf die Notwendigkeit, die pluralen Formen von Partizipation auch seitens der Wissenschaft noch differenzierter zu betrachten und kritisch zu reflektieren, um das zivilgesellschaftliche Potenzial für eine nachhaltige Gesellschaftransformation sinnvoll zu nutzen. Problematisiert wurde auch, dass allzu oft Mitwirkungskonzepte auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene nur pro forma eingeführt werden oder bestimmte soziale (Protest-)Gruppen anhaltend ausschliessen.
Wie sich auf den gesellschaftlichen Funktionsebenen neue Konzepte der Steuerung und Mitwirkung durchsetzen und wie vor allem auf lokaler Ebene Menschen neue Methoden der Beteiligung erproben oder bereits etablieren konnten, wurde am Nachmittag von ReferentInnen in vier themenspezifischen Tischgesprächen vorgestellt und diskutiert.

Tischgespräch 1: Bürgerbeteiligung / Politische Partizipation

Hier stellte der Beauftragte im Landkreis Friesland die weltweit erste Umsetzung eines Online-Liquid Feedback Systems als Bürgerbeteiligungsverfahren vor und berichtete über die Erfahrungen mit dem mittlerweile verstetigten Modellversuch. Wie die Stadt Görlitz seine Bürger zukünftig beteiligen will, diskutierte Prof. Joachim Schulze (Fakultät Sozialwissenschaften) in seinem kurzen Input.

Tischgespräch 2: Selbsttransformation – wie lernen Gesellschaften?

In dieser Runde wurde auf Basis dreier Inputs durch Gäste aus dem Beratungs- und Choachingsektor unter Leitung von Dr. Hosang besprochen, wie ein Perspektivenwechsel in der Zukunftsausrichtung von Einzelnen und Gruppen als Lernprozess gestaltet werden kann.

Tischgespräch 3: Neue Wohn- und Eigentumsformen – Wandel auf dem Wohnungsmarkt

Selbstorganisiert wohnen, solidarisch wirtschaften sind Prinzipien und Praxis neuer kollektiver Wohn-Eigentumsformen und möglicherweise auch eine neue corporate governance für hiesige Wohnungsunternehmen wie Michael Stellmacher von der Berater AG aus Leipzig im Gespräch mit Prof. Stefan Kofner, dem Direktor des TRAWOS-Instituts diskutierte.

Tischgespräch 4: Lokale Selbstbestimmung – Gemeinwesen organisieren

Alternativen der Organisation (städtischer und ländlicher) Gemeinwesen in der Governance des postindustriellen Strukturwandels stellten Julia Gabler (FSU Jena/Görlitz) anhand einer Untersuchung zu den Städten Pirmasens (Rheinland-Pfalz) sowie Weißenfels (Sachsen-Anhalt) sowie Dr. Ulrike Schuhmacher (Görlitz) mit Bezug auf das aus Amerika stammende Konzept des community organizing in das Zentrum ihrer Kurzvorträge, die im Anschluss lebhaft diskutiert wurden.

Der letzte Teil der Tagung begann mit einem Tagungskommentar von Prof. Eckehard Binas, dem ehemaligen Leiter der Forschungsgruppe Transformation und Regionalentwicklung an der Hochschule Zittau/Görlitz und heutigen Präsidenten der Fachhochschule Potsdam. Seine Ausführungen zum Zusammenhang zwischen Demokratieabbau und fehlender Handlungssouveränität rundeten die Veranstaltung ab und eröffneten eine intensive Diskussion darüber, ob und wie gemeinsames Wirken unterschiedlichster gesellschaftlicher Ebenen und Beteiligter für eine nachhaltige Gesellschaftstransformation gelingen kann. Hierbei wurde von TeilnehmerInnen nicht nur das Argument vorgetragen, dass zu einer partizipationsorientierten „good governance“ Experimentierbereitschaft und Fehlertoleranz gehören. Es wurde auch diskutiert, ob innovative Formen nicht in Modellregionen (wie etwa der Oberlausitz) erprobt werden müssen, um Nachahmer zu finden und gesellschaftsweite Wirkung entfalten zu können.
Eine umfassende Tagungsdokumentation folgt in den nächsten Wochen auf der Homepage der Forschungsgruppe: undefinedhttp://www.hszg.de/hypertransformation/aktuelles.html.

Raj Kollmorgen // Katrin Treffkorn


Ansprechpartnerinnen für die Tagungsserie und inhaltliche Nachfragen:

Dipl.-Kffr. Katrin Treffkorn (Telefon: +49 (0)3581-7671414, Email: undefinedK.Treffkorn@hszg.de) sowie

MA Susanne Schwarzbach (Telefon +49 (0)3581-7671414, Email: undefinedS.Schwarzbach@hszg.de).

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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