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Tanzen für die Forschung

21. Feb. 2014

Prof. Dr. Dietmar Henrich, Tino Schmidt (BTU Cottbus-Senftenberg) und Prof. Dr. Matthias Schmidt (HS Zittau/Görlitz) wollen mit ihren Kollegen die Kommunikation zwischen den Tanzpartnern untersuchen. Dabei interessiert die Forscher nicht das gesprochene Wort, wie es beim ungeschickten „auf den Fuß treten“ meist der Fall ist. Untersucht wird vielmehr die Abstimmung der Tänzer aufeinander. Wie „spüren“ sich die Tanzpartner und regulieren ihre Bewegungsabläufe und Handlungen. Das passiert ganz von selbst und intuitiv – wenn es gut geht.

Dieses „Einfühlungsvermögen“ ist auch bei Gesprächen oder Verhandlungen wichtig und zeigt, warum die reine Gesprächstechnik allein nicht viel Nutzen hat. Tanzen ist eine gute Methode, um die Organisation der Handlungsabläufe zu untersuchen. Die Frage ist nur, wie funktioniert es? Dafür setzen die Forscher modernste Elektroenzephalographen (EEG) Technik aus der Hirnforschung ein. Während das Paar zu einem einfachen Rhythmus tanzt, werden die Verarbeitungsprozesse im Gehirn untersucht. Diese Methode ist völliges Neuland, da bisher noch nie EEG-Untersuchungen in Alltagshandlungen in echten Alltagssituationen erprobt wurden. Die bisherigen Befunde aus der Neuro-Wissenschaft stammen nur von reinen Laborexperimenten. Die Übertragung von diesen Experimenten auf Alltagssituationen ist oft sehr zweifelhaft. Viele glauben seither, dass Ergänzung des Kürzels „Neuro“ für ihren Bereich den Eindruck von wissenschaftlicher Seriosität vermittelt. Begriffe wie Neuro-Marketing, Neuro-Training und Neuro-Lernen sind modern. „Da wird leider auch sehr viel Falsches erzählt“, so Tino Schmidt von der BTU Cottbus. Die praktischen Anwendungsmöglichkeiten dieser Forschungsergebnisse sind sehr vielfältig. Im Zuge dieser Experimente wird auch eine neuartige Sensoren- und Messtechnik entwickelt. Damit könnten die sehr teuren Geräte auch für kleinere Arztpraxen erschwinglicher werden und es könnte viele neue Anwendungen im Alltag geben. „Kollegen in Kalifornien forschen an einer Steuerung für Rollstühle durch reine Gedankenkraft“ so Prof. Henrich. Matthias Schmidt und Dietmar Henrich forschen an einer Schuhsohle, die mit Drucksensoren das Gleichgewicht messen und steuern kann. Das wäre sicher für Patienten mit Gleichgewichtsstörungen eine hilfreiche Unterstützung. In diesem Projekt geht es in erster Linie um den Forschungstransfer von der Grundlagenforschung in die Praxis. So können theoretische Erkenntnisse allen Menschen einen echten Nutzen im Alltag bringen. Die Lausitzer Forscher haben auch einen regen Austausch mit Kollegen im Ausland. Dietmar Henrich hat erst letztes Jahr Kooperationspartner in Palästina und Israel getroffen. Erst vor drei Wochen stellten die Lausitzer Ihr Projekt auf dem ANT Neuromeeting 2014 im französischen Burgund vor. Tagungsbesuche in Wien und Paris folgen. Dietmar Henrich und Matthias Schmidt haben sich an der TU Dresden vor einigen Jahren kennengelernt, wo sie psychologische Experimente am Magnetresonanztomograph (MTR) betreut haben. Professor Henrich ist Hochschullehrer und Studiendekan für Medizintechnik in Senftenberg. Professor Schmidt unterrichtet Organisations- und Kommunikationspsychologie an der Hochschule Zittau/Görlitz.

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Kontakt:

Prof. Dr. Dietmar Henrich

BTU Cottbus - Senfternberg

Fakultaet 1 / SG Medizintechnik

Grossenhainer Str. 57

D-01968 Senftenberg

Tel.: +49 (0) 35 73 / 85-403

Fax: +49 (0) 35 73 / 85-409

E-Mail: henrich@hs-lausitz.de 

  
Prof. Dr. rer. nat. Matthias Schmidt
Hochschule Zittau/Görlitz
Professur für Organisationspsychologie
Brückenstr. 1
02826 Görlitz
Tel: +49(3581)4828 281
Fax: +49(3581)4828 294

Mail: matthias.schmidt@hszg.de

 

 

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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