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Kunststofftechniker unter sich

19. Dez. 2016

Wer am Nachmittag des 08.12.2016 am neuen Technikum des Fraunhofer Instituts in Zittau vorbeiging, konnte den Eindruck gewinnen, dass eine Brigade fleißiger Heinzelmännchen Vorbereitungen für das kommende Weihnachtsfest treffen. Heinzelmännchen waren es natürlich nicht, aber fleißig waren die Studierenden der Fachrichtung Kunststofftechnik aus Liberec und Zittau schon. Im Rahmen des Verbundprojektes „GreK“ (Grenzüberschreitender Lehrverbund Kunststofftechnik Zittau-Liberec) fand nun das erste deutsch-tschechische Kunststofftechnik-Praktikum in Zittau statt, bei dem Studierende der Hochschulen Zittau/Görlitz und Liberec an einem gemeinsamen Demonstrationspraktikum teilnehmen.

 

  

 

Prof. Scholz erklärt die Wirkung verschiedener Verstärkungstextilien auf ihre Verarbeitbarkeit.

 

Ziel eines solchen Praktikums ist es, den Studierenden praktisch zu veranschaulichen, was in den Vorlesungen und Seminaren theoretisch vermittelt und durchdacht wird. Erfahrungsgemäß sind Motivation und Lernerfolg bei den Studierenden deutlich höher, wenn sie die praktische Bedeutung der Studieninhalte hautnah miterleben können. So wurden während des Praktikums in Zittau verschiedene Verstärkungstextilien mit Epoxidharzen verarbeitet, um einen Einblick zu bekommen, wie sich leichte und extrem stabile Faserverbund-Bauteile herstellen lassen, die etwa bei Rotorblättern in Windkraftanlagen oder im Flugzeugbau zum Einsatz kommen.

Dass das Heißpressen von faserverstärkten Kunststoffteilen eine Kunst für sich ist, erfuhren die Studierenden in der Versuchshalle an der Pressenanlage der Firma Rucks, wo bei Drücken von über 2000 kN sog. Organobleche umgeformt und großserientaugliche Leichtbauteile z. B. für die Automobilindustrie hergestellt werden. Nur die wohldosierte Abstimmung zwischen Temperatur, Druck und Zeit führt zu Bauteilen, die hinsichtlich Funktionalität und Aussehen den Anforderungen der Kunden entsprechen. Solche und weitere Erkenntnisse, wie etwa die Herstellung von komplexen Bauteilen im 3D-Drucker, ließen sich in dem halbtägigen Praktikum gewinnen.

Bereits zwei Wochen zuvor erhielten die Zittauer Studierenden einen praktischen Einblick in die Funktionsweise der Blasform- und Spritzgießverfahren, bei dem automatisiert und in kurzen Taktzeiten Alltagsgegenstände, aber auch belastbare Bauteile wie z. B. Stoßfänger für Autos, aus Kunststoffen hergestellt werden. Die Besonderheit der Kooperation mit der TU Liberec im Fachbereich Kunststofftechnik besteht darin, dass die tschechischen Kollegen ebenfalls ein hochmodernes Technikum besitzen, in dem sie allerdings über andere Versuchsanlagen als in Zittau verfügen. Durch den Zusammenschluss der technischen Ausstattungen und Fachkompetenzen in Zittau und Liberec, wird den Studierenden beiderseits der Grenze ein großes Feld geboten, bei dem sie umfangreiche praktische Einblicke in die Welt der modernen Kunststoff- und Leichtbautechnologien sammeln können. Die große Bedeutung für eine gute Ausbildung in diesem Industriebereich betonen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zunehmend, die in diesem wachsenden Segment verstärkt nach Nachwuchsingenieuren und Führungskräften suchen.

 

Dr. Jiri Bobek von der TU Liberec erklärt die Prozessschritte zur Herstellung von Spritzgussbauteilen im Liberecer Technikum. (Quelle: TU Liberec)

 

Nach diesem gelungenen Auftakt wird der Praktikumsaustausch intensiv fortgeführt. Als nächstes wird eine Exkursion zur Firma MAGNA in Liberec erfolgen, welche sich zum Marktführer in der Herstellung von Spritzgussbauteilen für die Automobilindustrie entwickelt hat. Im Gegenzug findet Anfang des neuen Jahres eine Exkursion zur Firma RCS in Königsbrück statt, welche unter anderem die Frontmasken für die ICE Züge aus faserverstärkten Kunststoffen herstellt und auch den Studierenden die Möglichkeit bieten will, selbst bei der Herstellung von leichten Faserverbundbauteilen Hand anzulegen. In diesem Sinne wünschen wir allen Projektbeteiligten weiterhin eine muntere erfolgreiche Zusammenarbeit.

Weitere Informationen in tschechischer Sprache finden Sie hier.


Kontakt:

Prof. Dr.-Ing. Sebastian Scholz

Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU

Projektgruppe Zittau

Tel.: +49 3583 / 54086 -4009

E-Mail: sebastian.scholz@iwu.fraunhofer.de

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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