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Innovationen aus Zittau

12. Dez. 2017
Partnerschaftssprecher Prof. Dr. rer. nat. Jens Weber und LaNDER³-Projektmanager Dr. rer. nat. Matthias Kinne

Partnerschaftssprecher Prof. Dr. rer. nat. Jens Weber und LaNDER³-Projektmanager Dr. rer. nat. Matthias Kinne

Der neue EINBLICK ist da. Die aktuelle Ausgabe des Hochschulmagazins behandelt die breite Vielfalt der Projekte, die an der Hochschule Zittau/Görlitz laufen. Darunter zählen neben den bildungs- sowie lehrbezogenen und studentischen Projekten natürlich auch die großen Forschungsprojekte der Hochschule.

So wie LaNDER³. Erfahren Sie hier mehr über das interdisziplinäre Großprojekt. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, trägt es zur Etablierung der HSZG als zukunftsweisenden Forschungsstandort für Naturfaserverbundwerkstoffe bei.

Wer sich darüber hinaus für die unterschiedlichen Aspekte der Projektlandschaft und aktuelle News unserer Hochschule interessiert, sollte hier EINBLICK nehmen.

 

INNOVATIONEN AUS ZITTAU

VON SABRINA WINTER

Wer glaubt, Innovationen werden nur an großen Universitäten gemacht, der irrt. Mit LaNDER³ zeigt die Hochschule Zittau/Görlitz, dass hier Wissenschaft betrieben wird, die zukunftsweisend ist. Das interdisziplinäre Großprojekt steckt voller Forschergeist und neuer Ideen.

Doch was bedeutet die Abkürzung? LaNDER³ steht für: Lausitzer Naturfaserverbundwerkstoffe, Dezentrale Energie, Rohstoffe, Ressourcen, Recycling. Die Grundidee dahinter ist es, die Naturfasern aus regionalen Pflanzen, wie zum Beispiel Nesseln, Flachs oder Grünschnittabfälle zu nutzen. Diese Fasern werden chemisch optimiert und mit Kunststoffen verbunden. So will die HSZG neue Faserverbundwerkstoffe herstellen. Diese Werkstoffe bringen viele Vorteile mit sich: Sie haben nicht nur eine geringe Dichte, was im Leichtbau sehr nützlich ist. Sondern sie kosten auch nicht viel, weil die Fasern aus der Natur kommen. Dadurch eröffnen sich fast unbegrenzt viele Anwendungen. LaNDER³-Projektmanager Matthias Kinne zählt einige auf: „Man kann die Naturfaserverbundstoffe in Autotüren finden, da sie gute akustische Dämpfer sind. Auch für Ski, Sicherheitshelme oder Geigen­kästen eignen sie sich.“ Denn immer, wenn man ein Material brauche, das Belastungen standhalten muss, eignen sich Naturfaserverbundwerkstoffe sehr gut. Matthias Kinne ist Biotechnologe und kennt sich in den gefragten Bereichen aus. Als Projektmanager hat er ein Auge auf die Inhalte und achtet darauf, dass Zeiten eingehalten werden und die Rahmenbedingungen für die Wissenschaftler stimmen.

 

Dipl.-Ing. (FH) Philipp Kunze, Prof. Dr.-Ing. Sebastian Scholz und Dr.-Ing. Rafael Cavalcante Cordeiro (v.l.n.r.) vom Fraunhofer IWU zeigen, was sich alles aus Naturfaserverbundwerkstoffen herstellen lässt.

 

Ein großes Ziel von LaNDER³ ist es, Produkte herzustellen, die sich wiederverwerten lassen ohne Reststoffe zu hinterlassen, die man nur schwer handhaben kann. Nehmen wir an, der Naturfaserverbundstoff ist in einer Autotür und das Auto wird 10 Jahre lang gefahren. Doch was passiert danach mit dem Material? Es soll möglich sein, die Autotür wieder in ihre Werkstoffe zu zer­legen und diese erneut zu nutzen. Für die Energie, die für die Fertigung nötig ist, gilt das Gleiche wie für die Stoffe: Sie wird effizient eingesetzt und weitgehend recycelt. Abfallprodukte im Fertigungsprozess sollen dezentral energetisch verwertet werden. In dem Großprojekt wird also ein dezentral geschlossener Stoff- und Energiekreislauf entwickelt. Das ist eine der Hauptinnovationen des Projekts. Sicherlich ist es auch einer der Gründe, warum das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) LaNDER³ fördert. Die HSZG hat sich dabei gegen 81 andere Bewerber durchgesetzt und ist die einzige Hochschule in Ostdeutschland, die mit den Projektmitteln gefördert wird. Pro­jektmanager Matthias Kinne bezeichnet LaNDER³ darum als Leuchtturmprojekt. „Wir wollen junge Leute damit begeistern und ihnen zeigen, was für Möglichkeiten es in Zittau gibt.“

 

Im Labor wird im Rahmen von LaNDER³ viel geforscht.

 

Für das Projekt entsteht ein neues Zentrallabor auf dem Zittauer Campus neben der Mensa. Ein gemeinsamer Arbeitsort ist wichtig für das Projekt. Denn so können sich Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen schnell austauschen. Darum werden in dem Labor verschiedene Fachbereiche einen Platz bekommen. Zurzeit läuft noch die Vorbereitungsphase und es werden Maschinen und Geräte bestellt. Im Laufe des nächsten Jahres soll das Labor fertig sein und die Wissenschaftler vereinen. Es wird viel Platz für Projekte schaffen und auch Studenten neue Forschungsmöglichkeiten für ihre Abschlussarbeiten eröffnen.

An der HSZG sind die Fakultät für Maschinenwesen, die Fakultät Natur- und Umweltwissenschaften und die Fakultät Elektrotechnik und Informatik in LaNDER³ involviert. Auch auswärtige Partner sind an dem Großprojekt beteiligt. Für den Kontakt zwischen ihnen sorgt Professor Jens Weber. Er ist der Partnerschaftssprecher des gesamten Verbundprojekts. Als solcher interagiert er mit Firmen und wissenschaftlichen Institutionen, die an LaNDER³ mitwirken. Das sind zum Beispiel die ULT AG, BASF Schwarzheide, KSO-Textil, RTT und die RCS GmbH. Außerdem sitzt in Zittau das Oberlausitzer Kunststoffzentrum des Fraunhofer IWU – ein Partner aus der Wissenschaft, der vor allem für den Transfer von Know-How bereitsteht. „Damit steht uns vor Ort ein großer Pool an zusätzlicher wissenschaftlicher Expertise zur Verfügung“, erklärt Matthias Kinne. Da in der Region vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ansässig sind, hat sich die HSZG genau diese ins Boot geholt. Auch das hat das BMBF belohnt, denn mit den Fördergeldern soll die Hochschule Impulse für die Region setzen. Da inzwischen das Interesse von allen Seiten wächst, bekommt die HSZG inzwischen auch Kooperationsanfragen aus dem Ausland.

 

Alles Kunststoff, oder was? Nicht ganz. Naturfaserverbundwerkstoffe sind vielseitig form- und einsetzbar.

 

Letztendlich verschafft die Hochschule durch die Erforschung von Naturfaserverbundwerkstoffen und deren Innovationspotential den regionalen Firmen einen Technologievorsprung. Das bedeutet Wachstum für die Oberlausitz und einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Standorten in Deutschland.

Das Besondere an LaNDER³ ist, dass der Bund das Projekt bis zu acht Jahre lang fördern kann. „Oft hat man nur zwei oder drei Jahre. In so kurzer Zeit ist es schwierig, ein marktreifes Produkt herzustellen“, ordnet Matthias Kinne ein. In acht Jahren jedoch sei es realistisch, innovative Produkte zu entwickeln und die Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Zurzeit steckt LaNDER³ in der vierjährigen Aufbauphase. Danach kann und wird sich die Hochschule noch einmal um eine vierjährige Förderung bewerben.

Da es sich um ein sehr großes Vorhaben handelt, ist LaNDER³ vorerst in drei Hauptprojekte gegliedert: zwei Impulsprojekte und ein Explorativprojekt. Beim Impulsprojekt 1 geht es darum, Naturfasern aus Pflanzen zu gewinnen, das Verbundwerkstoffrecycling voranzubringen und auch die dezentrale Energiegewinnung zu erforschen. Projektleiter ist Tobias Zschunke, Professor für Kraftwerks- und Energietechnik. Im Explorativprojekt wird dann erforscht, wie die gewonnene Naturfaser vor dem Einbringen in ein Verbundmaterial ideal modifiziert werden kann, sodass der Verbund zusammenhält. Das Teilprojekt wird von Jens Weber betreut, Partnerschaftssprecher und Professor für Physikalische Chemie. Schließlich dreht sich das Impulsprojekt 2 darum, wie neuartige Naturfaser-Kunststoff-Verbundbauteile geformt und veredelt werden können – energieeffizient und vorbereitet auf das Digitalisierungszeitalter. Dabei übernimmt Professor Sebastian Scholz, Professor für funktionsintegrierende Kunststofftechnologien, die Leitung.

Mit LaNDER³ schärft die Hochschule Zittau/Görlitz ihr Forschungsprofil. Bisher waren „Energie und Umwelt“ sowie „Werkstoffe- Struktur-Oberflächen“ zwei Forschungsschwerpunkte mit nur wenigen Berührungspunkten. Durch das neue Großprojekt können sie zusammengebracht und intensiviert werden.

 

 

Fotos: Jens Freudenberg


Kontakt

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit

Cornelia Rothe, M.A.

Tel.: 03583 612 4958

E-Mail: cornelia.rothe@hszg.de

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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