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Es war eine tolle Zeit!

12. Mai. 2017
Persönliche Betreuung an der HSZG auch im Auslandssemester. Prof. Worlitz besuchte den Studierenden Jan Sobolewski an der CDHAW in China.

Persönliche Betreuung an der HSZG auch im Auslandssemester. Prof. Worlitz besuchte den Studierenden Jan Sobolewski an der CDHAW in China.

Jan Sobolewski ist Mechatronik-Student an der HSZG und befindet sich derzeit im Rahmen eines zweisemestrigen Aufenthalts an der Chinesisch Deutschen Hochschule für Angewandte Wissenschaften (CDHAW) an der Tongi Universität in Schanghai.

Die HSZG ist Mitglied des bundesweiten Hochschulkonsortiums und im Projekt CDHAW seit seiner Gründung 2004 stark engagiert. Seit 2006 kommen jedes Jahr bis zu 11 Studierende der CDHAW an die HSZG, um zwei Semester zu studieren. Herr Sobolewski ist der erste Student der Fakultät Elektrotechnik und Informatik, welcher an der CDHAW den Doppelabschluss anstrebt.

Im folgenden Bericht teilt Herr Sobolewski aufschlussreich seine Erfahrungen mit und gibt hilfreiche Tipps, die anderen Studierenden einen erfolgreichen Start in ein Auslandssemester ermöglichen.

Phase 1: Die Vorbereitungen

Ich hatte schon mehrmals mitbekommen, dass Professoren unserer Hochschule nach China reisen, um dort Kurse zu geben. Ende 2015 wurde uns durch Professor Worlitz das Austauschprogramm der CDHAW (Chinesisch Deutsche Hochschule für Angewandte Wissenschaften) mit der Tongji University in Shanghai vorgestellt. Das Programm sieht einen Austausch von chinesischen und deutschen Studierenden vor, der nach einem Semester Fachstudium und einem Bachelorsemester mit einem Doppelabschluss belohnt wird. Das bedeutet, Studierende in Bachelorstudiengängen bekommen gleichzeitig einen Bachelorabschluss in Deutschland und an der Tongji University in China.

Obwohl ich vorher nie ernsthaft ein Auslandssemester in Erwägung gezogen habe, war das ein sehr verlockendes Angebot. Mit der Aussicht auf ein Stipendium, welches einen Wohnheimplatz, die Basiskrankenversicherung, die Studiengebühren und ein monatliches Taschengeld beinhaltet, habe ich mich entschlossen, mich zumindest dafür zu bewerben. Der Bewerbungsprozess gestaltete sich relativ aufwendig und langwierig. Nach der Bewerbung beim Akademischen Auslandsamt der HSZG (Anfang 2016) und der chinesischen Universität (Februar/März 2016) folgte die Bewerbung für das Stipendium. Da für mich ein Auslandsjahr ohne Stipendium nicht in Frage kam, war es sehr wichtig, alle Dokumente termingerecht einzureichen. Mit Bestätigung von der Tongji University konnte dann das chinesische Visum beantragt werden. Im Juli kam dann auch der Stipendienbescheid, der für mich das Auslandsjahr in China besiegelte.

 

Phase 2: Das Fachsemester, Studienalltag und Campusleben

Das erste Semester begann Anfang September. Nach meiner Ankunft am Flughafen Shanghai Pudong wurde ich von einem chinesischen Studenten empfangen, der mich zum Campus brachte. Durch meine späte Anreise und einige Unklarheiten waren die ersten Tage relativ stressig, da direkt die Registrierung für Universität und Stipendium folgte. Um die Registrierung an der Universität stressfrei angehen zu können, lohnt es sich also schon etwa eine Woche eher anzureisen. Das hilft auch, um sich schon mal in Shanghai zurechtzufinden und die ersten Kontakte mit anderen Studenten zu knüpfen.

Ich war am Jiading Campus im Nordwesten der Stadt untergebracht. Der Campus wirkte auf mich wie eine Kleinstadt. Darauf finden sich Parkanlagen, Sportplätze, Cafés und Restaurants und eine Einkaufspassage. Außerdem gibt es dort natürlich auch die Universitätsgebäude und Wohnheime. Da ich aus Deutschland kein vergleichbares Campusleben kannte, war ich anfangs etwas skeptisch über das Leben in Jiading.

Bereits nach kurzer Zeit ist der Campus aber zu einem Zuhause für alle Studenten geworden. Man durchlebt gemeinsam den Studienalltag, besucht die zahlreichen Sportangebote und trifft sich zum Essen in der Mensa oder einem Restaurant.

Von dem Zustand der Wohnheime war ich angenehm überrascht. Die Räume waren renoviert und möbliert. Auf jeder Etage gab es eine Küche, die wir aber aufgrund der niedrigen Preise in Restaurants und Mensa eher selten genutzt haben. Das Wohnheim ist ausschließlich für die internationalen Studenten vorgesehen und eines der hochwertigsten auf dem Campus. Hier kommt man mit Studenten verschiedenster Nationalitäten in Kontakt. Der größte Teil der Studenten kam aber aus Deutschland, Frankreich und Italien.

Ich war für den Studiengang „Mechatronic Engineering“ immatrikuliert. Die Studieninhalte konnten bei der Registrierung gewählt werden. Da man für den Bachelor 30 Credit Points erreichen muss und eine Veranstaltung nicht angeboten werden konnte, hatte ich bei der Wahl aber relativ wenig Spielraum. Die Vorlesungen wurden auf Englisch gehalten und wurden sowohl von chinesischen als auch deutschen Studenten besucht.

Verglichen mit den deutschen Anforderungen würde ich die fachlichen Anforderungen etwas niedriger einstufen. Allerdings waren auch einige Belegarbeiten anzufertigen, wodurch man kontinuierlich beschäftigt war. Besonderen Spaß hat die praktische Projektarbeit gemacht. Dabei wurden Themen der Robotik und der CNC Technik gemeinsam durch deutsche und chinesische Studenten betreut.

Neben den Pflichtveranstaltungen wurden auch freiwillige Veranstaltungen angeboten. Die Organisatoren der Tongji Universität haben sich sehr bemüht, die kostenlosen Chinesischkurse terminlich mit uns abzustimmen. In den Ringvorlesungen und dem „Lunch-Box-Talk“ hatte man die Gelegenheit, Kontakte mit Unternehmen zu knüpfen und einen Platz für das Bachelorsemester zu finden.

 

Phase 3: Das Bachelorsemester

Nachdem alle Prüfungen geschrieben und die eingeplante Reisezeit vorüber waren, begann der praktische Teil des Austauschprogramms – Das Bachelorsemester. Bei der Terminfindung zeigten sich die Firmen sehr flexibel und so begann ich meine Bachelorarbeit etwa einen Monat nach den Prüfungen bei EMAG Machine Tools Taicang im Norden von Shanghai. Während dieser Zeit bekam ich eine Wohnung vom Unternehmen gestellt. Meine Aufgabe war die Implementierung von Produktionsleitsystemen für EMAG-Maschinen, um dem Kunden im Zeitalter von Industrie 4.0 zukunftsfähige Systeme anbieten zu können. Kennengelernt habe ich das Unternehmen durch die erwähnte Ringvorlesung, bei der wir einen Vortrag durch den EMAG-CEO an der Tongji University gehört haben. 

Die Unternehmen bemühen sich sehr, um den Studenten eine abwechslungsreiche Zeit zu ermöglichen.

So durfte ich an Kunden- und Lieferantenmeetings teilnehmen und verschiedene Messen besuchen um ein umfangreiches Hintergrundwissen aufzubauen. Außerdem wurden auch Team bildende Veranstaltungen organisiert, bei denen gemeinsam mit Kollegen Sport getrieben, gegessen oder getrunken wurde.

 

 Jan Sobolewski hatte in seinem Praxissemester verschiedene Möglichkeiten sein Hintergrundwissen zu erweitern und auf Messen in China sein Unternehmen EMAG zu vertreten.

 

Shanghai – Nach getaner Arbeit sind wir oft gemeinsam ins Stadtzentrum gefahren. Mit der Metro schafft man es in maximal 90 Minuten vom Campus aus. Shanghai ist eine sehr internationale Metropole, in der man auch mal vergessen kann, in Asien zu sein – bis man sich mal wieder in einer Traube von Chinesen wiederfindet. Der Zwiespalt zwischen der chinesischen Lebensweise und andererseits der westlich geprägten Stadt ist sehr interessant. Der Umgang mit der chinesischen Bevölkerung fiel trotz Sprachbarriere sehr leicht, da man immer das Gefühl hatte, willkommen zu sein.

Shanghai selbst ist eine Attraktion, vor allem bei Nacht. Sobald es dunkel wird, werden die Gebäude durch kunstvolle Beleuchtung in Szene gesetzt. Es gibt diverse Bars und Clubs, die mit verschiedenen Angeboten locken. Für Shoppingfreunde gibt es in Shanghai auch das ein oder andere Highlight. Auf dem sogenannten Fake-Market kann man günstige Kleidung, Schuhe oder auch Elektronikartikel erwerben, wenn man bereit ist, Abstriche bei der Qualität zu machen. Auf dem Tailor-Market kann man sich alle erdenklichen Kleidungsstücke zu fairen Preisen schneidern lassen.

Reisen – Natürlich hat sich mein Besuch in China nicht nur auf die Universität in Shanghai beschränkt. Obwohl das Studium bei diesem Programm ganz klar im Vordergrund steht, hat man genügend Zeit um China zu bereisen. Am besten eignen sich dazu die langen Wochenenden an chinesischen Feiertagen, die Zeit nach den Prüfungen und nach der Bachelorarbeit. In Abstimmung mit den Professoren können auch Ausnahmeregelungen getroffen werden. In der Regel herrscht aber Anwesenheitspflicht.

Leider ist China viel zu groß, um es in dieser kurzen Zeit komplett erkunden zu können. Neben den Hauptreisezielen wie der Chinesischen Mauer oder der Terrakotta Armee in Xian, können aber auch Reisen in ländliche Regionen sehr spannend werden.

 

Fazit

Das Auslandsjahr in China war eine große Bereicherung für mich. Da sich in meinem Fall die Studieninhalte nicht mit denen an der HSZG gedeckt haben, konnte ich Einblicke in andere Gebiete und auch einen anderen Studienalltag gewinnen. Allerdings gibt es auch Verbesserungspotential was die Organisation angeht. Der Stipendienbescheid beispielsweise kam erst Ende Juli, was mir relativ wenig Zeit für Flugbuchungen und Schutzimpfungen ließ. Um zukünftigen Teilnehmern die ersten Schritte zu erleichtern, stehe ich mit meinen Erfahrungen gern zur Verfügung. 

Auch wenn ich vorher nie unbedingt ins Ausland wollte, bin ich froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin. Ich habe viel Neues gelernt, spannende Orte gesehen und internationale Freunde gefunden. Es war eine tolle Zeit, die ich jedem empfehlen kann.

 


Kontakt

Fakultät Elektrotechnik und Informatik

Prof. Dr.-Ing. Frank Worlitz

Fachgebiet Mechatronische Systeme

Mail: f.worlitz@hszg.de

 

 

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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