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„Es gibt keinen zweiten Versuch“

17. Nov. 2016

Die Stabilisierung des Wohlbefindens, der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ist eines der Ziele des betrieblichen Arbeitsschutzmanagements. Ein Instrument, um Gefährdungen am Arbeitsplatz zu erkennen und durch aufeinander abgestimmte Maßnahmen bestmöglich zu verringern ist die Gefährdungsbeurteilung. Neben der Vermeidung und Verringerung von Gefährdungen durch mechanische, elektrische oder physikalische Faktoren ist es seit September 2013 gesetzliche Pflicht, dass Unternehmen auch psychische Gefährdungen in die Gefährdungsbeurteilung einbeziehen müssen. Der Gesetzgeber reagiert damit auf Ergebnisse statistischer Untersuchungen, die zeigen, dass in den letzten 10 Jahren psychische Erkrankungen über alle Altersgruppen hinweg rapide angestiegen sind und im Vergleich zu anderen Erkrankungen auch durch eine deutlich längere Arbeitsunfähigkeit gekennzeichnet sind.

 

 

Der Umsetzungsstand in den Unternehmen ist bisher aus verschiedenen Gründen gering: fehlende Kenntnis über die rechtliche Pflicht oder das methodische Herangehen sowie eine oftmals noch negative Interpretation psychischer Belastungen sind einige davon. Das Interesse an dem Thema aber ist hoch. Das zeigten die Vertreter der 10 Unternehmen, die der Einladung zum 5. IMS-Frühstück gefolgt sind, das traditionell durch die Professur für Integrierte Managementsysteme in Kooperation mit der TÜV-Rheinland Akademie GmbH organisiert wird.

Fred Bader, Niederlassungsleiter Sachsen / Thüringen des Arbeitsmedizinischen Dienstes (AMD) und Dr. Vicky Hermet-Schleicher, Psychologin und Senior Beraterin Arbeits- Organisations- Betriebspsychologie der AMD Niederlassung Dresden erläuterten fachlich fundiert und anhand prägnanter Fallbeispiele aus bisherigen Beratungsprojekten die Ziele und das Vorgehen bei der Betrachtung psychischer Belastungen im Rahmen von Gefährdungsbeurteilungen. Aus ihren Erfahrungen sind folgende Punkte bei der praktischen Umsetzung wichtig:

 

  • der Aufbau von Verständnis für die Relevanz des Themas bei den Führungskräften

  • Aufbau von Wissen bei den Mitarbeitern und Führungskräften darüber, dass bei der Gefährdungsbeurteilung die Arbeitsbedingungen und nicht die Menschen bewertet werden,

  • frühzeitige Einbindung der Führungskräfte und Mitarbeiter in den Prozess der Planung der Gefährdungsbeurteilung

  • schrittweises Vorgehen, Sammeln von Erfahrungen durch abteilungsweise Umsetzung

 

 

Die Erfassung und Bewertung psychischer Belastungen von Mitarbeitern gelingt nur auf Basis eines guten Vertrauensverhältnisses in die Durchführenden, die Art und Weise der Umsetzung sowie auf Basis einer hohen, repräsentativen Beteiligungsrate. „Das muss gut vorbereitet sein, denn hier gibt es keinen Versuch“, fasst eine Unternehmensvertreterin die Herausforderungen an die Unternehmen zusammen.

 

Herr Bader vom Arbeitsmedizinischen Dienst bot den Gästen interessante Einblicke.

 

Unter der Kategorie „Wussten Sie schon“ haben Ines Hirt, Energiemanagerin der Stadt Zittau und Anke Zenker-Hoffmann, Mitarbeiterin im Bereich umweltorientierte Unternehmensführung der F Natur- und Umweltwissenschaften ihre Erfahrungen zu den seit 2 Jahren gemeinsam veranstalteten „Gesundheits- und UmweltTage“ (GuT) vorgestellt. Das Konzept kann ein Baustein sein, um Mitarbeiter und Führungskräfte für das Thema Gesundheit und Wohlbefinden zu sensibilisieren und selbst aktiv etwas zu tun. Auf Basis der guten Erfahrungen der diesjährigen Schrittzähler-Challange soll als ein Highlight für das nächste Jahr zusammen mit regionalen Unternehmen ein Firmenlauf organsiert werden. Die anwesenden Unternehmen haben jedenfalls ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert…

 


Kontakt:

Prof. Dr. rer. pol. Jana Brauweiler

Tel.: 03583 611752

Email: j.brauweiler@hszg.de

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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