Die Ausgangssituation des BNC-Projekt

Die Ausgangssituation (Projekt BNC I, 2014-2016)

Die Hochschule Zittau/Görlitz und die Technische Universität Dresden sind auf dem Gebiet der Umsetzung eines hochschulweiten Umweltmanagementsystems Vorreiter in Deutschland. Beide Einrichtungen haben sich als erste Hochschule bzw. Universität in Deutschland der externen Validierung nach dem europäischen EMAS-System unterzogen. Die mehr als 15-jährigen Erfahrungen mit diesem standardisierten System an der Hochschule Zittau/Görlitz und der Austausch mit den anderen beteiligten Einrichtungen Höherer Bildung, haben gezeigt, wie wichtig ein solches Managementsystem für die Transparenz der Umweltleistung und deren Verbesserung ist. Auf Basis der langjährig gefestigten Strukturen und Prozesse sowie der gewonnenen Erfahrungen ist es an der Zeit, eine strategische Neuausrichtung und inhaltliche Weiterentwicklung des Umweltmanagementsystems anzustoßen, wobei die besonderen Bedingungen an Universitäten und Hochschulen (im weiteren Text Einrichtungen höherer Bildung –EHB) berücksichigt werden müssen:

Schwerpunktsetzung auf die indirekten Umweltaspekte:

Im Rahmen von Umweltmanagementsystemen werden Verbesserungspotenziale i.d.R. auf Basis der direkten Umweltaspekte ausgeschöpft. Lehre und Forschung sind die Kernaufgaben der EHB, hier bietet sich vor allem die Möglichkeiten auf die Umweltleistungen Einfluss zu nehmen, die im Bereich der indirekten und schwer bewertbaren Umweltaspekte liegen. Beispiele dafür sind die Multiplikatorwirkung der Absolventen, Motivation und Sensibilisierung der Studierenden und Lehrenden, gesellschaftliche Verantwortung und Glaubwürdigkeit auf allen Ebenen (EHB-Angehörige und Mitglieder, Absolventen, Region…). Zwar bietet EMAS auch eine weitere Fokussierung auf diese so genannten indirekten Umweltaspekte, fordert aber im Schwerpunkt die Abbildung der direkten durch den Betrieb verursachten Umweltaspekte ein.

Themenfokussierte Zielgruppenaktivierung:

Die Motivation der Akteure eines UMS - der Mitarbeiter und Studierenden – soll durch kurzfristig realisierbare und ergebnisproduzierende Projekte ein EHB-spezifisches Managementsystem beleben und erlebbar machen und benötigt hier auch neue inhaltliche Impulse für eine aktive Partizipation. Hierbei stellt die Tatsache, dass die Gruppe studentischer Akteure in der Regel nicht länger als drei bis fünf Jahre am Hochschulstandort verbleibt, eine besondere Herausforderung dar. 

Nachhaltigkeitsfokus:

Die gleichrangige Berücksichtigung von Aspekten der Nachhaltigkeit, als „Dreieck Ökologie, Ökonomie und Soziales“, wird in einem Umweltmanagementsystem bisher nicht explizit gefordert und umgesetzt. Eine strategische Neuausrichtung und Weiterentwicklung des Umweltmanagements, die die besonderen Bedingungen von EHB berücksichtigt und zu einer Profilierung auf den Gebieten Umwelt- und Ressourcenschutz sowie Bildung für Nachhaltige Entwicklung beitragen kann, ist daher notwendig und möglich.

In der Umweltmanagementsystem-Literatur und -Anwendung bestehen vielfältige Ansätze für die Implementierung von UMS. Einerseits sind das standardisierte Systeme wie EMAS und ISO 14001, die global bzw. europaweit verbreitet und akzeptiert sind, Prozesse und Strukturen formalisieren und eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung ermöglichen. Mit diesen Systemen sind häufig erhebliche Implementierungs- und Erhaltungskosten verbunden (z. B. für die Validierung/Zertifizierung) und sie beinhalten teilweise starre Forderungen (z. B. Berichterstattung auf Basis vorgegebener und für EHB nicht passender Kennzahlen). Zusätzlich gibt es sogenannte „niederschwellige“ Umweltmanagementansätze, die oftmals bezogen auf eine bestimmte Branche (z. B. Kirchen: „Grüner Gockel“, Tourismus: „Ecomapping“, Bildungseinrichtungen: „Eco-Campus“, Manchester University) oder auf ein konkretes Thema (z. B. Produktorientierung) entwickelt worden sind. Sie beinhalten Anforderungen, die sich an EMAS und  ISO 14001 orientieren, sind aber in Struktur und Ablauf flexibler umsetzbar. Beispielsweise ermöglichen branchenbezogene UMS-Ansätze Selbstüberprüfungen (Peer-to-Peer-Reviewprozesse) anstelle einer Zertifizierung/Validierung durch dafür zugelassene Organisationen. Ferner werden Umsetzungshilfen in Form von Leitfäden und Checklisten bereitgestellt.

Eine allgemeingültige Lösung für Hochschulen, die die zuvor angesprochenen Spezifika von EHB angemessen berücksichtigt, bietet keines der vorhandenen Systeme. Es besteht ein methodisch-inhaltliches Defizit in Literatur und Praxis.

Aufgabe der Mitglieder des Projektes "Baukastensystem Nachhaltiger Campus" ist es ein spezifisches Umweltmanagementsystem für und mit Hochschulen zu entwickeln.

Letzte Änderung:13. Dezember 2017

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